Tja, wie mach ich das bloß ?!

Gestern hat mir Andrea einen ganz lieben Kommentar hinterlassen der u.a. eine Frage enthielt, die mir in den letzten Wochen und Monaten öfter gestellt wurde: Woher nimmst Du die Zeit und die Kraft neben Kindern und Beruf zu nähen und zu bloggen?

Diesem Satz schwingt immer ein bisschen die Erschöpfung mit, die es auch bei mir auslöst wenn da jemand daherkommt, der sein Leben in dieser eigentlich sehr anstrengenden Lebensphase augenscheinlich ganz wunderbar wuppt und sich neben den Aufgaben des Tages noch einer zeitintensiven Spätschicht an der Nähmaschine widmen kann. Deshalb ist es mir ein Anliegen dieses Bild gerade zu rücken.

Die banale aber maximal ehrliche Antwort ist: Ich schaffe es, indem ich es nicht schaffe. Ich akzeptiere, dass ich nie gleichzeitig meinen Kindern, meinem Mann, meinem Job, den alltäglichen Pflichten und mir selbst gerecht werden kann. Mindestens eins kommt immer zu kurz. Ich bemühe mich nach Kräften das es nicht die Kinder sind. Und trotzden fühlt es sich nicht gut an zu wissen, nie allem in gleichem Maße gerecht werden zu können. Wie in vielen Familien bin ich es als Mutter, die die Fäden zusammenhält. Die von morgens bis abends einen To-Do-Zettel im Kopf abarbeitet, Rechnungen bezahlt, Termine kooridiniert, Geschenke für Kindergeburtstage besorgt, Wäsche wäscht, den Haushalt in Schuss hält, kocht, mit den Kindern zum Arzt geht.

In den letzten Jahren habe ich konsequent mich und meine Bedürfnisse an das Ende der Kette gestellt. Mit dem Ergebnis, dass ich zweimal völlig ausgebrannt war. In der letzten Phase dieser Art hat mir eine Freundin einen Vergleich auf den Weg gegeben, der mir ein bisschen die Augen geöffnet hat: Es ist wie bei einem Herzen, da muss auch erst Blut rein bevor es Blut weiterverteilen kann.

Ich habe gelernt, dass ich auch für mich sorgen und Dinge in mein tägliches Leben einbauen muss, die mir gut tun. Und das diese Bedürfnisse den selben Stellenwert haben wie die aller Anderen um mich herum. Was gesundheitliche Aspekte betrifft muss ich da noch einiges anstoßen. Zum Beispiel Sport wieder in mein Leben integrieren.

Aber für meinen Kopf habe ich mit dem Nähen einen perfekten Ausgleich gefunden. Es tut mir einfach wahnsinnig gut und deshalb verzichte ich lieber auf eine Stunde Schlaf als auf eine Weile mit meiner Nähmaschine.

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Über meiner Nähmschine hängt eine Art “Moodboard”. Dort hängt u.a. diese Karte, die es für mich auf den Punkt trifft.

Damit ich Zeit fürs Nähen abzwacken kann fallen halt jetzt andere Dinge hinten über. Eine Beschreibung des Zustands unseres Kellers erspare ich Euch an dieser Stelle, Fenster könnten wieder geputzt werden, die Ablage schreit. Aber ich lasse sie schreien. Irgendwann habe ich auch wieder die Muße dafür.

Ich weiß das viele, die hier mitlesen, in ganz ähnlichen Lebenssituationen stecken. Ich kann Euch nur ermutigen Euch etwas zu suchen, was Euch gut tut und Euch die Zeit dafür konsequent zu nehmen. Ich habe meinen Alltag durchleuchtet und geschaut wo ich Zeit mit Dingen verbringe die mir gar nichts geben und die ich deshalb auch einfach weglassen kann.

Für mich ist das zum Beispiel Fernsehen. Lediglich in meinem Rücken läuft manchmal der Fernseher und ich höre Sendungen beim Nähen zu. Sehen tue ich sie sehr selten. Versteht mich nicht falsch: Wem das Ausklingen des Tages mit Deutschland sucht den Superstar, dem Bergdoktor oder mit dem Arte Themen-Abend “Slavische Sprachen im Wandel der Zeit” einfach gut tut – macht es! Wenn da aber etwas ist, was Euch noch mehr gibt und Eure Zeit ist begrenzt, dann tut eben das.

Natürlich bindet auch das Bloggen viel Zeit. Aber auch wenn ich noch nicht lange dabei bin möchte ich es nicht mehr missen und das aus verschiedenen Gründen. Ich habe vor gut zwei Jahren damit begonnen Blogs zu lesen. Der Grund war ganz einfach: Ich wollte Nähen, konnte so gut wie nix und war auf der Suche nach Inspiration, Anleitung und Austausch. Ganz besonders Austausch. In meinem Umfeld gibt es kaum Menschen, die mein Hobby teilen und hier habe ich Gleichgesinnte gefunden. Irgendwann wollte ich nicht nur Leser sein sondern selbst mitmischen.

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Quelle: Tumblr

Wenn ich heute Emails oder Kommentare lese, in denen andere mir berichten wie viel Freude sie an einem Post, einem Tutorial oder meinem Blog im Allgemeinen haben dann macht mich das glücklich, sehr sogar. Ich freue mich riesig, wenn ich jemandem von Euch dazu verhelfen kann etwas selbst Genähtes in Händen zu halten, dass Euch glücklich und auch ein bisschen stolz macht. Aus solchen Rückmeldungen ziehe ich viel Freude und Antrieb für meinen Tag.

Eine ganz liebe EMail von Lena (liebe Lena, danke dafür! Ich melde mich!) hat mich darüber nachdenken lassen in Zukunft mehr Tutotials einzubauen die sich an Nähanfänger richten. Vielleicht kann ich so den ein oder anderen näher an dieses Hobby heranführen das mir so viel gibt. Ich werde es jedenfalls versuchen. Aber gerade Tutorials kosten mich sehr viel Zeit, habt also Geduld mit mir.

Euch allen eine entspannte und kreative Woche
Viele Grüße
Barbara

16 thoughts on “Tja, wie mach ich das bloß ?!

  1. 1
    Jule says:

    Hallo Barbara,
    ich habe erst in der letzten Woche deinen Blog entdeckt, da ich blutige Nähanfängerin bin und nach Inspirationen gesucht habe. Bei Frau Tulpe in Berlin habe ich meinen ersten Nähkurs gemacht, da freut es mich natürlich umso mehr, dass du den Laden sehr empfiehlst und gleich noch Weitere im Umkreis. Aus diesem Grund würde ich mich natürlich freuen, ab und an ein Tutorial für Nähanfänger von dir zu lesen (demnächst werde ich mich an das Kosmetiktäschchen wagen!).

    Ich habe zwar noch keine Familie, bin aber durch Doppelbelastung von Arbeit und Fernstudium auch dauerbeschäftigt. Genau wie du halte ich es auch: Zeit für Dinge, die man gerne macht, ist sehr kostbar und gibt neue Energie! Ich finde es toll zu lesen, wie du alles unter einen Hut bringst, da ist es auch völlig egal, dass der Keller darunter leidet. 😉

    Ich freue mich auf zukünftige Blogeinträge.
    Liebe Grüße aus Berlin,
    Jule

  2. 2
    Andrea says:

    Liebe Barbara,

    vielen Dank für diese liebe Antwort, in der mir wieder vieles bekannt vorkommt, inklusive des persönlichen Tiefs, aus dem mir das Nähen gerade heraushilft. Klar braucht es Zeit, in der ich dann nicht den Keller oder auch den Rest des Hauses aufräumen kann. Aber es ist eben kein Energiefresser, sondern bringt stattdessen neuen Schwung und neue Kraft.

    Liebe Grüße
    Andrea

  3. 3
    Claudia says:

    Liebe Barbara,
    danke für diesen und alle Deine anderen wundervollen posts. Ich lese sehr gerne bei Dir und finde viele Inspirationen. Und heute hast Du mir aus der Seele geschrieben.
    Liebe Grüße
    Claudia

  4. 4
    greenfietsen says:

    Ein wunderbarer Post, der mir aus dem Herzen spricht. Den Leserwunsch nach mehr Tutorials kann ich absolut nachvollziehen. Dein Kosmetiktaschen-Tutorial hat auf meinem Pinterestboard “Taschenglück” bereits 23 Repins! Ich glaube, nichts ist bei mir bisher so oft repinned worden. ;-)) Ganz liebe Grüße, Katharina

  5. 5
    ines says:

    Danke, liebe Barbara, so schön und so herrlich ehrlich hast du hier geschrieben. Es freut mich sehr, dass es Menschen gibt, die zugeben, dass sie auch mal was liegen lassen können. Tatsächlich, ist meiner Meinung nach keinem zu glauben, der kreativ ist, dass er keine kleinen Baustellen in seinem Haushalt hat, wo er mehr tun müsste, als es der Fall ist. Ich finde das überhaupt nicht schlimm und auf meinem Grabstein steht mal nicht, sie hat sich zu tode geputzt. ;o))
    Liebe Grüße
    Ines

  6. 6
    Betty says:

    Liebe Barbara,

    Dein Blog ist immer wieder eine Inspiration. Nicht nur zum Thema Nähen, denn schließlich hast Du auch noch auf den Blog Deiner Schwester verwiesen, was dazu geführt hat, dass ich jetzt begeistert Quinoa esse.

    Kurz um, bei Dir gibt es immer wieder tolle Tipps, Ideen und es macht unheimlich Spaß, Deinen ehrlichen Blog zu lesen und das ein oder andere als Inspiration mitzunehmen.

    Herzlichen Dank, dass Du dies alles teilst.
    LG Betty

  7. 7
    Johy says:

    Liebe Barbara, ich bin erst seit kurzem Deine Leserin und Dein heutiger Post spricht mir so aus der Seele. Auch ich versuche mal was für mich zu tun, um wieder Energie für den Alltag zu tanken. Dabei hilft auch mir das Nähen. Aber, wie bei Dir bleibt dann eben was anderes liegen. Das hat mich am Anfang auch sehr gestresst, jetzt lasse ich es eben liegen und geniesse meine Nähzeit noch bewusster.
    Ganz liebe Grüße
    Johy
    P.S. Deine Blog finde ich ganz wunderbar!

  8. 8
    faserzart says:

    Liebe Barbara

    Du sprichst mir echt aus dem Herzen!
    Es geht mir genau gleich!
    Auf gleichem Weg bin ich zum bloggen gekommen und auch ich zwack mir immer wieder Zeit zum Nähen ab.
    Es macht mich auch glücklich!!!
    Meine Zufriedenheit im Alltag ist viel grösser mit dem Nähen. Es gibt mir Ergebnisse auf die ich stolz bin.
    Haushalt und Familienarbeit ist oft nicht wirklich sicht- oder greifbar.
    Z.B. kaum ist der grosse Wochenputz vorbei, beginnt alles wieder von vorne…

    und weisst du, dein Blogname gefällt mir super! (mach ich ja genau gleich… hihi)
    “das mach ich Nachts” hab ich mal auf einem anderen Blog gelesen und musste sofort sehen wer da dahinter steckt… und wurde Leserin bei dir. Vielen Dank für deine tollen Inspirationen und wertvollen Tipps.

    Liebe Grüsse
    Sandra

  9. 9
    Poldi says:

    Liebe Barbara,

    beim Lesen dieses Posts dachte ich nur immer “ja, ja, ja genauso ist es!”. Ich habe inzwischen auch verstanden, dass es wenig bringt, wenn alles blitzt, funkelt und funktioniert, nur ich total ausgebrannt bin und versuche mir daher auch die Zeit für Pausen für MICH zu nehmen. Nicht zuletzt ist einer meiner Vorsätze bei 22 aus 222 Tagen “kleine Nähpausen gönnen und diese genießen…”. Nur in der Umsetzung hapert es manchmal noch…

    Mach weiter so, ich finde Deinen Blog klasse!

    LG
    Poldi

  10. 10
    Astridka says:

    Liebe Barbara,
    gut, dass du als Familienmutter schon gelernt hast, dass “das Herz erst Blut verteilen kann, wenn welches drin ist”. Ich habe leider sehr, sehr viel länger ( und nach wenig schönen “Einbrüchen”, die ich mir gerne erspart hätte ) gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Wichtig war auch, die Ansprüche von Seiten meines Berufs ( Lehrerin) in die Schranken zu weisen & das Hobby zu pflegen, dass MIR gut tut, & nicht das, was andere für richtig & für sich nützlich halten.
    Da geht es mir nämlich wie dir: Im realen Leben kenne ich niemanden, der meine Interessen teilt, leider,und der Verständnis dafür aufbringt ( bei Sport oder Musik z.B. sieht das ganz anders aus ). Deshalb gehört das Bloggen auch zu meinem Leben, um sich nicht immer als “Spinner” zu fühlen. Ich habe inzwischen gemerkt, dass ich die anderen Anforderungen gerne erfülle, wenn ich genug beim Nähen abschalten konnte.
    Alles Gute weiterhin!
    Astrid

  11. 11
    Gabi says:

    Liebe Barbara,
    welch wunderbaren Worte – du sprichst sicher ganz vielen von *uns* aus dem Herzen!
    MIR auf jeden Fall – ich brauche meine Kreativität sond dreh ich am Rad…
    Dein Blog ist toll und deine Werke einfach unglaublich…und es ist völlig egal, ob die um 8:00 oder um 14:37 oder um 03:14 Uhr *gehandwerkt* wurden.
    Du und deine Lieben…ihr seid das Wichtigste! ♥
    Liebe Grüße
    Gabi

  12. 12

    Liebe Barbara,

    wie Recht Du hast! Ich bin in der glücklichen Lage, nur Teilzeit zu arbeiten. Somit habe ich noch jede Menge Zeit, die ich frei einteilen kann. Doch vor meiner Nähbegeisterung habe ich ich die vielfach falsch eingeteilt, eben auch für zu viel Haushalt (ist nur frustrierend, ist eh gleich wieder dreckig…). Meine (plötzliche) Begeisterung für’s Nähen konnte in meinem Umfeld auch niemand teilen bzw. verstehen, geschweige denn anschließend für’s Bloggen. Dabei haben mir gerade die Beiträge auf den diversen Blogs so viel gebracht.Nur damit habe ich das Nähen gelernt, Kurse brauchte ich dann keine mehr. Und Internet funktioniert eben auch nur, wenn jemand ‘was reinstellt. Deshalb habe ich mit dem Bloggen begonnen, damit vielleicht auch andere so inspiriert werden, wie ich inspiriert wurde und auf Anleitungen hingewiesen werden, die sie vielleicht sonst nicht gefunden hätten…. Und natürlich ist es schön zu sehen, nicht allein zu sein mit diesem Ausmaß an Leidenschaft für dieses Hobby…

    An dieser Stelle danke ich Dir auch noch herzlich für Deine ganzen tollen Hinweise, z.B. von Stoffgeschäften bzw. Internetshops. Ist immer wieder spannend. Bei Amazon.us habe ich schon bestellt… Und die Klammern sind so ein Gewinn!!! Wieder etwas, auf das ich so sonst nicht gekommen wäre…

    Ich wünsche Dir viel Kraft für alles, das um Dein Hobby herum passiert und so eine verständnisvolle Familie, wie ich sie Gott-sei-Dank habe.
    Liebste Grüße
    Marlies

  13. 13
    NoNiJoMa says:

    Danke! Mehr kann ich gerade nicht sagen… .

  14. 14
    akhimo says:

    Danke, einfach nur Danke, liebe Barbara für deine ehrlichen Worte, deinen wunderbaren Blog, deine inspirierenden Nähideen und deine hilfreichen Tutorials.
    Danke.

  15. 15

    Ach jeh, liebe Barbara… was soll ich da anderes dazu sagen, als: Danke! Genauso ist es.
    Es ist ein konstanter Balance-Akt, alles unter einen Hut zu bekommen. Mal gelingt es, mal nicht. Aber ein Hobby, ein Ausgleich – das muss nun mal sein. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ich habe in meiner Vor-Näher-Zeit viel mehr gelesen, dazu komme ich kaum noch. Schade. Aber ich versuche, es etwas auszugleichen, indem ich Hörbücher während dem Nähen höre. Klappt auch nicht immer. Und Fernseh gucken… das läuft eigentlich nur noch während dem Nähen. Einfach nur dasitzen und gucken – das ist ein Luxus, den ich mir kaum noch gönne. Da nähe ich lieber 🙂 Aber du kennst das ja.
    Liebe Grüße
    Sabine

  16. 16
    Mockingbird says:

    Hallo,

    auf der Suche nach einem Tutorial für eine Kosmetiktasche bin ich auf deinen Blog gestoßen und auch auf diesen sehr persönlichen Text.

    Ich glaube, dass du damit sehr vielen Menschen aus der Seele sprichst. Nur leider sind nicht alle dazu bereit, sich einzugestehen, dass man nicht immer 150 % geben kann oder muss.

    Danke nochmals für deine Worte!

    Liebe Grüße

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