11/29/14

Kommt Ihr mit nach Houston? – Unsere Reise Tag 4

Bernina Quilt Market
Unser vierter Tag in Houston war ein besonders Schöner. Er begann mit einer 1 1/2 stündigen Schulung von Bernina. Ein ganzer Raum voller Bernina 750 Quilters Edition. So ein Maschinchnen kostet schlappe 4.000 Euro muss man dazu wissen… wir durften also mit der Besten lernen.
Bernina Quilt Market1
Nicht nur mit der besten Maschine, sondern auch mit einer richtig guten Bernina-Mitarbeiterin mit der wir uns an Nähfüssen probieren durften, bei denen ich vorher auch unter Aufbringung all meiner Fantasie nicht im Entferntesten gewusst hätte, was man damit anstellen kann. Ein großer Spaß. Hätte ich vorher gewusst, dass alle Hersteller über alle Tage verschiedenste Schulungen in diese Richtung anbieten, ich hätte meinen Platz im Bernina-Raum für mindestens 2 Tage nur für Lebensnotwendiges verlassen.
Bernina Quilt Market2 Bernina Quilt Market3
Danach haben wir uns mal ganz generell auf der Messe umgesehen. Wie gesagt, nicht an allen Ständen geht es um Stoff. Vieles ist nur mäßig spannend und gefühlt sind 30% der Stände von Leuten besetzt, die Quiltanleitungen verkaufen. Das muss in den USA ein riesen Geschäft sein, bei uns könnte man davon wohl kaum leben.

In den USA sind Batik-Stoffe ein großes Thema (gruselig, mein Ding ist das nicht) und auch die traditionellen Stoffe in erdigen, eher dunklen Farben finden der Präsenz nach regen Absatz. Solche Stände habe ich nicht fotografiert aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sie einen nicht unwesentlichen Anteil am Gesamtbild ausmachen.
Cotton+Steel1
Zurück zu den viel schöneren Ständen: Cotton+Steel!!! Ich glaube den Stand habe ich an jedem Messetag besucht. Ich mach ja gar keinen Hehl daraus, dass ich sowohl den fünf Mädels, als auch ihren Designs verfallen bin.
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Und am Beispiel Cotton+Steel und später Kokka erkennt man deutlich zwei Trends im Stoffbereich: Das Einsetzen von Metallictönen, gerne auch auf Canvasstoffen, und das Material Double-Gauze, eine ganz weiche doppelt gewebte Baumwolle, die von mehreren Produzenten ins Sortiment aufgenommen wurde.
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Cotton+Steel hat mit “Bespoke” eine ganze Double-Gauze Kollektion herausgebracht. Ich freu mich schon total darauf, wenn sie Anfang Januar in die Läden kommen (einige Double-Gauze hat Grete bestellt. Ein Goldstück, diese Grete.) Double-Gauze passt zu allen Schnitten, die eher lässig und weich fallen dürfen.
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Double Gauze ist ein optimaler Bekleidungsstoff, wie gemacht für Blusen, Kleider und Kindermode aber auch (und auch dazu gab es Beispiele) für kuschelweiche Decken, hier ganz schlicht und handgequiltet.
Cotton+Steel4
Mich erinnert Double Gauze an die Struktur von Baby-Spucktüchern nur eben viel edler. Ganz fein und locker gewebt und davon 2 Lagen übereinander, die alle paar Zentimeter miteinander vernäht sind.
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Cotton+Steel kommt im Dezember und Januar in die Läden und ausnahmsweise ohne zeitlichen Versatz zum offiziellen Veröffentlichungsdatum in den USA. Ich liebe besonders diese Canvas-Stoffe mit dem Goldprint
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Cotton+Steel17und auch die Baumwollstoffe aus der Serie “Mochi” von Rashisa Coleman-Hale.
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Hier sieht man nochmal ein Stück von dem Goldakzent-Canvas, diesmal in grün. Diesen Canvas wird es in pink und grün mit Goldaufdruck und in creme mit weißem Aufdruck geben. Die Idee daraus einen Mantel zu nähen finde ich super.
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Goldakzente gibt es auch auf Voiles (die heißen bei Cotton+Steel “Lawn”) wie z.B. dieser hier aus der Serie “Mesa” von Alexia Marcelle Abbegg
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Auch hier gibt es bei den Canvas Stoffen Goldakzente
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Und dieser Octopus-Voile! Ist das nicht ein Traum? Er gehört zu Sarah Watts Serie “Tokyo Train Ride”.
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Die 5 neuen Kollektionen harmonieren nicht nur perfekt untereinander, sondern passen auch zu der Basic-Serie, die mit der ersten Kollektion erschienen ist. Wie man in den Regalen an der Rückseite des Standes sieht kann man sie auch mit den Stoffen der Vorgängerserie mischen.
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Wer auf die Cotton+Steel Stoffe genauso scharf ist wie ich kann sich freuen: Rund um Weihnachten wird es die Baumwollstoffe in Deutschland geben, eine stattliche Auswahl inklusive der Canvas Stoffe und Double-Gauze (ab Januar) wird es bei Stoffsalat und ganz sicher auch bei Still Water Designs geben.

Als nächstes haben wir bei Kokka vorbeigeschaut. Diese Serie gefiel mir besonders gut:
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Auch hier: Canvas mit Metallictönen bedruckt. Gefällt mir richtig gut.
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Diese Decke aus Double-Gauze war dermaßen kuschelweich, die hätte ich am liebsten mit nach Hause genommen. Ganz einfach genäht, 2 Stoffe mit einer Lage Volumenvlies dazwischen. Ich glaube, aus dem Material wird es bei uns auch bald eine Decke geben…
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Ansonsten die Muster, die man von Kokka kennt und die mir auch nach Jahren noch gut gefallen. Ich mag diese etwas schwerere Baumwolle besonders gerne und es gab allerhand schöne Nähbeispiele zu bewundern.
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Am frühen Nachmittag beschlossen wir, dass wir ja nicht so viele tausende Kilometer angereist sind um nichts als eine Messehalle, den Highway und unser Häuschen zu sehen und so langsam hatten wir auch die kulinarisch wenig anspruchsvolle Starbucks-Küche leid, denn in den vergangenen Tagen hatten wir schon alles mindestens einmal gegessen, was dort morgens in die Vitrine geschoben wurde.
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Die Stadt Houston liegt ganz nah am Golf von Mexico und so stiegen wir ins Auto und fuhren die wenigen Meilen zum Meer. Auf dem Weg nach Kemah haben wir noch an einem Outletcenter angehalten um ein paar Dinge für die Daheimgebliebenen zu besorgen und dann waren wir da!
Kemah
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Kemah ist bekannt für seine Strandpromenade und den Freizeitpark.
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Wir haben die Sonne genossen und uns ein schönes Plätzchen in einem Seafood-Restaurant direkt am Wasser gesucht
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Von dort aus haben wir den Booten zuschaut, gequatscht und die definitiv besten Krabben unseres Lebens gegessen.
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Alleine für diese Firecracker-Shrimps würde ich nochmal einen Intercontinentalflug auf mich nehmen! Ein Gedicht. Und während die Boote vor unserer Nase vorbeifuhren und so langsam die Nacht hereinbrach, saßen wir draußen bei mildem Wetter, aßen Hummer und hatten eine richtig Zeit.
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Danach sind wir noch ein bisschen über den Boardwalk gewandert und haben typisch Amerikanisches beschaut.

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Und für den Rest der Zeit in Texas haben wir dann wieder nur Messehallen gesehen. Aber auch das kann bekanntlich herrlich sein, mehr davon bald.

Habt ein schönes Wochenende!
Barbara

11/12/14

Kommt Ihr mit nach Houston? Unsere Reise Tag 3 (Free Spirit)

Free Spirit 3
Hui, das hat jetzt aber lange gedauert. Ich habe eeeeewig gebraucht um mich durch die rund 1.800 Fotos zu wühlen. Und ich habe immer noch den Eindruck viel zu viele für den Blog rausgesucht zu haben. Nicht jedes Bild ist aus Fotografensicht toll aber im Eifer des Gefechts hab ich oft einfach draufgehalten. Außerdem ist das Licht in den Hallen teilweise weit weg von optimal und um jedes Bild nachzubearbeiten fehlt mir einfach die Zeit. Ich zeige Euch die Fotos aber trotzdem, damit Ihr einen möglichst genauen Einblick bekommt, was wir in Houston erlebt und gesehen haben.
Circus Act David Walker
Stoffe: Circus Act von David Walker

Wer den ersten Teil des Reiseberichts verpasst hat kann hier unsere Erlebnisse an Tag 1 und 2 nachlesen.
Kaffe Fassett Kaffe Fassett 2
Stoffe: Kaffe Fassett
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Zurück nach Houston. Am Samstagmorgen öffnet die eigentliche Messe und man kann durch Fenster in der ersten Etage auf die Messehallen blicken. Ziemlich wenig los, oder? Und so blieb es auch über die kommenden Tage. Gedränge gab es nie, es gab immer ausreichend Möglichkeit für Gespräche und Nachfragen. Es ist halt keine Endverbrauchermesse sondern nur für Einkäufer gedacht und nur sehr wenige Stände haben Ware zum Verkauf dabei (sehr gut für meine Reisekasse…)
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Stoffe: Tanya Whelan

Das Besondere des Quilt Markets und Hauptgrund, warum ich es mal live sehen wollte, sind die Stände der großen Stoffproduzenten. Sie sind gespickt mit Musterstücken und schaffen eine Atmosphäre, die eine neue Kollektion optimal zur Geltung bringt.
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In der Mitte gibt es den Bereich  indem das Geschäft stattfindet. Hier werden Musterschlaufen begutachtet und Bestellungen aufgenommen. Aber drum herum, in den Ständen, konnte ich mich gar nicht sattsehen an den vielen schönen Stoffen und Verwendungsbeispielen. Jeder Designer ist selbst für seinen “Booth” verantwortlich und sie überbieten sich gegenseitig was die Ideen angeht. Die schönsten Stände werden am Ende vom Quilt Market ausgezeichnet.

Auch wenn wir an allen Messetagen ein bisschen kreuz und quer gelaufen sind habe ich die Fotos nach den Firmen sortiert. Am ersten Tag haben wir uns vorrangig bei Free Spirit aufgehalten, die für mich mit die schönsten Stände hatten.
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Fangen wir an mit Amy Butler. Sie ist sicherlich die in Deutschland bekannteste amerikanische Designerin. Ihre letzten Serien waren mir ehrlich gesagt zu wild aber viele Prints aus ihrer neuen Serie “Violette” und der “True Colors”-Serie, die sie in Houston vorgestellt hat, gefällt mir richtig gut.
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Ist das nicht toll gequiltet?
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Besonders das Königsblau und die Kombination grau/Flieder. Da sind tolle Motive für z.B. Taschen dabei!
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Zusätzlich zur Baumwolle wird es eine etwas schwerere Home-Dekor-Serie geben
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und zum ersten Mal Jerseys!
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Auch leichte Voiles für Blusen oder Sommerschals sind wieder dabei. Die Serie erscheint bei uns im Frühjahr 2015, ab Januar 2015 ist sie in den USA erhältlich.
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Mit Renaissance Ribbons hat sie außerdem neue Webbänder produziert, ebenfalls ab Januar im Handel. Eine ganz tolle Auswahl an Amy Butler Webbändern gibt es übrigens schon jetzt bei Still Water Design, bis zum 16.11. mit 15% Rabatt (gilt für den ganzen Shop)
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Direkt daneben hat ihr Mann David Butler aka Parson Gray seine neue Serie vorgestellt. Ehrlich gesagt nicht mein Ding, ich habe mir noch nicht mal den Namen gemerkt.
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Heather Baileys neue Kollektion “Clementine” hatten wir ja schon am Vortag bewundert aber auch dieser Stand war wie zu erwarten sehr schön
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Heather Bailey ist nicht nur bekannt für ihre wunderschönen Stoffserien (die letzten beiden Lottie Da und Up Parasol sowie die  True Colors gibt es im Stoffsalat – ich hab da schon gut zugeschlagen!), sondern hat auch tolle Schnittmuster im Programm.
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Ein Stapelspiel für Babies und viele süße Nadelkissen
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Die kleinen Elefanten sind seit Jahren meine Favoriten. Ich habe den Schnitt schon eine Weile und ihn sowohl als Nadelkissen, als auch mit einer Rassel im Bauch als Babyspielzeug verschenkt. Den Schnitt gibt es nur auf englisch und auf Papier, aber er ist in Deutschland erhältlich, zum Beispiel hier.
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Ganz neu im Programm sind die Eulen, ebenfalls als Nadelkissen gedacht.
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Denyse Schmidts neue Serie “Franklin” kannte ich auch schon vom Vortag. Dieses Kleid aus Unis hat es mir echt angetan!
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Für mich bisher eher unbekannt, in den USA aber ein riesen Hit sind die Stoffe von Tim Holtz. Er selbst war für mich definitiv eine der nettesten Quilt Market Begegnungen.
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Für mich der coolste Stand der Messe: Tula Pink. Hier stand alles unter dem Zeichen der neuen Elisabeth-Kollektion, erhältlich ab März 2015 in den USA und dann Ende April in Deutschland (Grete als riesen Tula-Fan wird die Kollektion komplett einkaufen, sie wird also im Stoffsalat zu bekommen sein)
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Im Frühjahr wird es sogar eine Tula Pink-Bernina geben! Die Frau ist wirklich schwer angesagt.
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Joel Dewberry hat mit “Flora” ebenfalls eine richtig tolle Kollektion mitgebracht. Grete hat glaube ich auch hier zugeschlagen und ein paar Prints ziehen ganz sicher bei mir ein
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Nach dem Schnitt der Tasche wurde ich schon auf Instagram gefragt.  Es ist die Carry on! Travel Bag von Annie. Kann hier bei Annies direkt in den USA bestellt werden oder eine Email an Grete@Stoffsalat.de
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Und zu guter Letzt: Anna Maria Horner mit “Honor Roll” und ihren “True Colors”. Bei aller persönlichen Sympathie für Anna Maria (die Frau hat übrigens 7 Kinder, das sieht man ihr so gar nicht an, oder?), die Stoffe sind mir diesmal zu wild. Jedenfalls alle miteinander verwendet.
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Auch sie hat mittlerweile eine Jersey-Kollektion
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und schon lange eine Liebe fürs Handsticken.
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Stickmuster hat sie ebenfalls im Programm.
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Die Taschenschnitte stammen auch alle von ihr. Einige der Schnittmuster gibt es ebenfalls bei Still Water Design im Angebot.

Den ersten Hersteller-Stand habt Ihr jetzt also gesehen. Ich glaube, wir wandern noch bis Weihnachten gemeinsam über die Messe wenn ich nicht nochmal eine Vorauswahl treffe…

Liebe Grüße Barbara

11/10/14

Nähblog Contest – Kohle unter unseren Füßen

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Vor ein paar Wochen wurde mein Blog nominiert für das Bundesland Nordrhein-Westfalen am bundesdeutschen Nähblog-Contest teilzunehmen. Es ist mir meine Ehre mein Bundesland zu vertreten und ich stelle mich der Aufgabe, die mir in dem Zusammenhang gestellt wurde: Es galt in der 2. Runde etwas zu nähen, dass unverwechselbar zum betreffenden Bundesland gehört.

Nordrhein-Westfalen ist mit rund 17,6 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland und was die Fläche betrifft das Viertgrößte. Ganze 29 der insgesamt 76 deutschen Großstädte liegen in Nordrhein-Westfalen und ich habe lange überlegt, was den überhaupt alle Einwohner gleichermaßen verbindet. Meinem Empfinden nach ticken die Menschen im Münsterland völlig anders als die Sauerländer, die Rheinländer, die Kölner oder Düsseldorfer. Und nochmal ganz anders die Menschen im Ruhrgebiet. Und ich muss gestehen, ich bin auf nichts gekommen, dass für mich ganz persönlich meine Heimat ausmacht und für ganz Nordrhein-Westfalen steht.
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Dem Pass nach bin ich österreichischer Staatsbürger, geboren in Düsseldorf. Aufgewachsen in Leverkusen und Bergisch-Gladbach, also mitten im Rheinland, und seit 15 Jahren in Bochum zu Hause. Ich habe also durchaus Bezug zu verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen und doch ist das Ruhrgebiet der Ort, der in mir heute Heimatgefühle auslöst.
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Der Ballungsraum Rhein-Ruhr gehört mit seinen rund 10 Millionen Einwohnern zu den 30 größten Metropolregionen der Welt und ihm widme ich meinen Beitrag für Nordrhein-Westfalen, in der Hoffnung, dass es mir die Sauerländer, Rheinländer und Münsterländer nachsehen.

Mit 19 Jahren hat es mich zum Bochumer Traditionsunternehmen “ARAL” verschlagen. Mir ist es damals schwer gefallen das schöne Rheinland zu verlassen um in den grauen Kohlenpott zu ziehen. Ich wurde von meinem rheinischen Umfeld offen bemitleidet und ein bisschen habe ich mich damals auch selbst bemitleidet.
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Und heute, 15 Jahre später, will ich nirgendwo anders mehr sein. Auch wenn es hier wirklich schöne Ecken gibt, machen wir uns nichts vor – es gibt anderswo noch viel schönere Gegenden. Wie sagt Frank Goosen in seinem Programm A40 so treffend: “Wir im Ruhrgebiet laden ja jeden ein um seinen Begriff von Schönheit zu erweitern. Ich meine so ein mittelalterliches Städtchen mit Stadtmauer, Fachwerkäusern und Residenzen schön zu finden, das kann ja jeder! Aber auf dem Gasometer in Oberhausen zu stehen, sich umzuschauen und sagen: “Boa wat ne geile Gegend!” – Das muss man wollen!”
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Aber was ist es dann was mich hier so hat ankommen lassen? Ganz klar, die Menschen hier. Der Ruhrgebietler an sich ist offen, direkt, unkompliziert und hat eine raue Herzlichkeit. “Hier wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld” sang Herbert Grönemeyer 1984 in seiner Hymne an die Stadt Bochum und so empfinde ich es auch wenn ich Ur-Bochumern begegne.
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An die Direktheit musste ich mich tatsächlich gewöhnen, passt es doch so gar nicht zur Wiener Höflichkeit, wie ich sie von Zuhause mitbekommen habe. Wenn man hier nach dem Weg fragt kann schon mal die Antwort kommen: “Herrje, wat willste denn da? ”
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Das Ruhrgebiet ist geprägt vom Bergbau, vom Malochen unter Tage. Vieles wird heute romantisiert aber mir ist schon klar: Das war knüppelharte Arbeit für Mensch und Tier (bis 1966 haben Pferde mit unter Tage gearbeitet und die Grubenwagen gezogen). Bei dieser körperfeindlichen und gefährlichen Arbeit war eines überlebenswichtig: Unter Tage gute Kumpel zu haben und selber einer zu sein. Sich auf seine Kumpel verlassen können und gemeinsam anpacken. Und auch wenn heute nur noch ganz wenige Menschen im Ruhrgebiet “einfahren” sind es diese Werte, die Bestand haben.
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Ich habe also den Blog-Contest zum Anlass genommen und für meine Kinder ein Grubenpony und einen Grubenwagen samt Kohleladung genäht, für mich das Sinnbild des Ruhrgebiets. Und ich werde die Gelegenheit beim Spielen nutzen und zumindest der Größeren erzählen vom Arbeiten unter Tage.
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Zu Spitzenzeiten haben zeitgleich Zehntausende Ponys im Ruhrgebiet und bis zu 70.000 in England unter Tage gearbeitet und hatten oft auch ihre Ställe in der Hitze tief unten in stillgelegten Strecken. Kaum vorstellbare Bedingungen für die Tiere und natürlich auch für die Bergleute selbst. Aber eines ist klar: Ohne sie und den Bergbau im Ruhrgebiet wäre Deutschland nach 1945 nicht so schnell wieder auf die eigenen Füße gekommen. Deshalb widme ich meinen Beitrag nicht nur dem Ruhrgebiet und seinen Menschen sondern auch den hunderttausenden Grubenponys, die im Bergbau gearbeitet haben.
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Und jetzt gehe ich mal schauen, was die anderen Teilnehmer für Ihr Bundesland genäht haben. Ein paar Beiträge habe ich schon gesehen und bin schwer begeistert. Die komplette Liste der einzelnen Vertreter Ihrer Bundesländer findet Ihr hier.
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Glück auf, Ihr Lieben!
Eure Barbara

11/2/14

Völlig aus dem Häuschen…

Was für unglaubliche Wochen im Hause B.! Bevor ich Euch wieder mit nach Houston nehme (wenigstens virtuell) muss ich Euch von meinem Sonntag im Glück erzählen.
Veronika
Vielleicht haben es diejenigen unter Euch, die unser beider Blogs lesen und uns via Facebook oder Instagram folgen, schon mitbekommen, für alle anderen vorab zur Erklärung: Ich habe eine Schwester, die ebenfalls unter die Blogger gegangen ist. Veronika schreibt einen Food-Blog, und zwar einen ganz Besonderen. Seitdem sie vor 3 Jahren wegen der Allergien ihres Babies die Familienernährung umgestellt hat, bastelt sie an besonders leckeren und sehr gesunden Rezepten.

Auf www.carrotsforclaire.com hilft sie mit alltagstauglichen Rezepten und Tipps all denjenigen weiter, die aus Überzeugung, aus gesundheitlicher Notwendigkeit oder weil sie abnehmen wollen ihre Ernährung in eine etwas gesündere, aber kein Stück weniger leckere Richtung lenken wollen. Hier habe ich schon einmal über Ihren Blog geschrieben.

Ich schreibe ja nun selbst einen Blog und gebe mir Mühe mit halbwegs abwechslungsreichen Blogposts und ansprechenden Fotos und kenne den damit verbundenen Aufwand. Das ist aber nichts gegen den Aufwand, den ein Food-Blogger mit seinen Posts hat. Mal ganz zu schweigen von der guten Kameraausstattung die es benötigt um Essen so lecker zu fotografieren wie es auch schmeckt! Ich weiß also um den enormen Einsatz, den meine Schwester eingeht um allen, denen das Thema so am Herzen liegt wie ihr, Hilfestellung und Anregung zu geben.
Müsli
In unseren Speiseplan haben schon so mancher ihrer Rezepte Einzug gehalten. Ihr Müsli ist mittlerweile mein Lieblingsfrühstück und immer wenn ich das Einweckglas öffne und mir der Duft von gebrannten Mandeln in die Nase strömt kann ich gar nicht glauben das ich hier in ein sehr gesundes Müsli blicke und nicht in eine Tüte Naschkram vom Weihnachtsmarkt.
Waffeln
Oder die Waffeln! Oh wie ich Waffeln liebe! Gestern Nachmittag habe ich gleich 4 ihrer gesunden Waffeln gegessen und das ohne schlechtes Gewissen! Sie schmecken zwar wie ein feiner Nachtisch, aber Zucker oder Butter sind darin gar nicht zu finden.

Aber warum erzähle ich Euch das jetzt alles? Gestern hat Veronika eine große und mehr als verdiente Anerkennung für die vielen (Nacht-) Stunden Arbeit für Ihren Blog bekommen: Gestern gab es für sie im Rahmen einer großen und edlen Feier den ersten Platz auf dem Siegertreppchen beim Deutschen Food-Blog-Award. Sie ist fast durchgedreht vor Glück und mir sind bei unserem Telefonat in der Nacht Tränen der Freude über die Wangen gelaufen. Freude über eine so tolle Würdigung all Ihrer Arbeit. Und weil ich mich so wahnsinnig an ihrer Freude erfreut habe. War das jetzt ein deutscher Satz? In jedem Fall ist Glück ansteckend, das kann ich Euch versichern.
Edle Location Award für bestes Rezept
Sie hat den Preis für das beste Rezept unter 304 Kandidaten bekommen und das mit meinem Lieblingsgericht, ihrer selbst kreierten Best of Lasagne.
Lasagne
Heute habe ich sie ihr zu Ehren gekocht, denn hier wird die Lasagne auch von meinen 3 bekennenden Fleisch-Fans gerne gegessen. Und es gibt kein anderes Gericht, bei dem ich ihnen allen so viel Gesundes auf einmal untermogeln kann und sie noch um Nachschlag bitten.
Zutaten best of Lasagne
Hab ich schon erwähnt wie wahnsinnig stolz ich auf meine Schwester bin? Nein? Dann nochmal: Veronika, Du bist der Wahnsinn! Ich bin immer noch voller Endorphine. Und wenn Du Deinen Hauptpreis, die Reise nach New York, antrittst, dann bring mir doch bitte einen Meter Stoff mit, ja? Ich hab fast keinen mehr und war schon soooo lange nicht mehr in Amerika…(oder so, hihi…)

Alles Liebe
Barbara

11/2/14

Oktoberprojekt Stoffabbau – Einkaufstaschen

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Ich fasse das Oberthema “Taschen” bei Emmas Stoffabbauprojekt mal etwas weiter, denn was ich hier immer gebrauchen kann sind Einkaufstaschen. Ich nähe sie immer nach dem selben Schnitt (hier und hier habe ich sie schonmal gezeigt). Es ist die “Jane Market Bag” von Posie gets Cosy. Die Anleitung ist zwar auf englisch, aber wirklich gut verständlich. Der Schnitt ist einfach und die verwendeten Stoffe kommen dabei super zur Geltung.
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Ich kann es im Moment einfach nicht lassen: Auch hier habe ich wieder kleine Details aus Ziegenvelours und meine Lederlabel angebracht. Sieht es nicht gleich viel edler aus damit?
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Das amerikanische Schnittmuster kennt natürlich keine Einkaufschips aber ich verliere die Dinger ständig und es hat sich bewährt einen Hacken dafür einfach an die Tasche zu nähen. Damit klippe ich ihn nach dem Einkauf wieder an und alles ist an seinem Platz.
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In diese Tasche passt ein ganzer Einkauf und in der Handtasche oder im Kofferraum macht sie sich ohne Inhalt klein, denn sie ist nicht mit Vlies gefüttert. Gleichzeitig ist sie gefüllt ein echtes Raumwunder und sehr stabil.
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Der mint-farbende Stoff außen und die Punkte innen gehören zur Serie “Littlest” von Art Gallery Fabrics.
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Die Henkel stammen aus der Serie “Arizona” von April Rhodes und der honig-farbende Uni ist einer meiner Liebsten, “Honey” ebenfalls von Art Gallery Fabrics, beides bei der Glücksmarie in Hamburg erhältlich oder hier und hier.
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Der beige Leinen und das Leder stammen von Alfatex (beides Saisonartikel) und die Label von Sirogane Leather Works (weitere Infos dazu hier).
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Im Moment mein ständiger Begleiter, selbst in Houston war sie jeden Tag dabei.

Noch mehr Taschen im Rahmen von Emmas Oktoberprojekt Stoffabbau findet Ihr hier.

Habt einen schönen Sonntag!
Viele Grüße

Barbara