02/22/15

Verliebt in Double Gauze

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Ihr Lieben,

verzeiht mir bitte die vielen noch unbeantworteten Kommentare und Emails. Ich bin momentan ein lausiger Blogger, ich weiß. Was soll ich sagen: Ich fühle mich, als sei es meine Aufgabe mit einem Küchenhandtuch eine vierköpfige Familie zufriedenstellend für die Nacht zuzudecken. Im Alltag allem gerecht zu werden: Nicht zu schaffen. Irgendwer schreit immer. Aber so ist es manchmal zwischen Familienleben, kranken Kindern, einem zeitaufwändigen Beruf, und meinem Jahresprojekt “Ab jetzt bitte etwas gesünder”. Und nicht zuletzt meinem Hobby, dem Nähen, und diesem Blog, den ich so lieb gewonnen habe. Also eigentlich nicht den Blog, das sind ja nur Worte und Bilder irgendwo in den Weiten des Word Wide Web. Nein genauer: Euch. Ich freue mich so über EMails und Kommentare und jedes Feedback von Euch. Über jede einzelne Nachricht ganz ganz doll. Ehrlich. Umso mehr tut es mir leid wenn ich es Tage lang nicht schaffe Fragen zu beantworten und Ihr im schlimmsten Fall mitten in einem Nähprojekt hängt und so gerne eine Antwort hättet. Entschuldigt bitte. Ich versuche in den nächsten Tagen das Feld von hinten aufzurollen und zu antworten. Versprochen.
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Aber dem Wahnsinn der letzten Wochen habe ich es doch hier und da an die Nähmaschine geschafft. Und was ich da fabriziert habe will ich Euch doch endlich mal zeigen!
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Schon in meinen Beiträgen aus Houston habe ich ausführlich über ein Material geschrieben, dass ich bis dato noch nicht verarbeitet hatte: Double Gauze. Schon seit vielleicht 2 Jahren habe ich es immer mal wieder in amerikanischen Blogs gesehen aber hatte keine rechte Vorstellung, was Double Gauze eigentlich ist. Vor allem das japanische Label Kokka und Nani Iro haben seit Jahren Double Gauze im Programm.
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Und dann habe ich es in Houston das erste Mal in der Hand gehabt: Butterweicher, feiner Stoff, den man einfach auf der Haut tragen möchte. Auch die Patchworkdecken daraus fand ich einfach herrlich. Für alle, die eine Vorstellung von dem Material bekommen wollen hat Cotton&Steel ein Video produziert, dass einen guten Eindruck vermittelt.

Es war also klar: Wenn die Double Gauze-Stoffe, die mich schon in Houston in ihrem Bann gezogen haben auf den Markt kommen, werde ich zuschlagen. Überhaupt habe ich mir für dieses Jahr mehr Kleidung vorgenommen, da passt das ja wunderbar in mein Beuteschema.

Und tatsächlich stand ich schon Stunden nachdem die Pakete ausgepackt wurden im Stoffsalat und habe gemeinsam mit herrlichen Voile-Stoffen (ebenfalls ein perfekter Bekleidungsstoff, hier in blau, hier in pink)
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und dem Gold-Sparkle-Canvas von Cotton & Steel
Cotton and Steel Canvas
auch von allen drei verfügbaren Double Gauze aus der Serie “Bespoke” etwas mitgenommen.
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Als erstes habe ich eine wunderbar leicht fallende Tunika für Theresa genäht. Und was soll ich sagen: Sie will das Ding gar nicht mehr ausziehen! Und ich finde sie einfach wunderschön darin auch wenn der Schnitt eher was für einen warmen Frühlingstag als für frostige Spätwinternachmittage ist.
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Der Schnitt der Tunika stammt aus der aktuellen Ottobre Kids (“Home Girl” Ausgabe 1/2015).
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Ein total süßer und dennoch einfacher Schnitt (als Bluse und Tunika im Heft enthalten), den ich sicherlich nochmal nähen werde.
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Vorne mit einem witzigen Detail und hinten mit einem verdeckten Reissverschluss (bei mir leider nicht ganz verdeckt eingenäht. Ups!).
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Wahrscheinlich werde ich die Tunika sogar noch mal aus Double Gauze nähen denn mittlerweile habe ich ein bisschen Auswahl daheim. Meine liebe Schwester hat mir nämlich von ihrer New York-Reise, die sie im Herbst als Hauptpreis beim Foodblog-Award gewonnen hatte (Ihr erinnert Euch?) nicht nur den erhofften Meter sondern gleich einen Stapel Double Gauze mitgebracht. Ach ich liebe sie. Aus so vielen Gründen.
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Und zwei Kokka-Stoffe, in die ich mich in Houston verliebt habe, hab ich mir selbst bestellt. Ich hab sie bei Fabricworm gekauft aber mittlerweile gibt es sie auch in Deutschland, z.B. bei der Glücksmarie in Hamburg.
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Double Gauze näht sich meinem Empfinden nach wie normale Baumwolle und ist nicht sonderlich empfindlich oder flutschig. Wenn es an präzise Arbeiten wie beim Quilten geht wird aber Sprühstärke empfohlen, damit der weiche Stoff absolut stabil bleibt. Für die Tunika habe ich darauf verzichtet und bin auch so wunderbar klar gekommen.

Und ganz demnächst werde ich mir einen Schal aus Double Gauze nähen. Und auch eine Tunika. Irgendwann in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten… Aber zum Glück wird Stoff ja nicht schlecht.
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Weitere Inspiration in Sachen Double Gauze gibt es hier (eine Babydecke), hier (eine Damenbluse), hier (zu einem Washi-Dress vernäht), hier als Schal, hier als Loop, hier als Kinderkleid (Stitched together ist ein ganz toller Blog für alle, die Kinderkleidung nähen! Absolute Leseempfehlung!), hier noch eine Damenbluse und hier noch ein Quilt. So viele Verwendungsmöglichkeiten! Da werde ich sicher noch so einiges ausprobieren.

Double Gauze findet Ihr bei Stoffsalat, der Glücksmarie (im Laden und am besten bei Instagram folgen!), Frau Tulpe, über DaWanda, Fabricworm (USA), Hawthorne Threads (USA), Miss Matatabi (direkt aus Japan) und für alle Quilter als Fat Quarter-Paket bei Westwood Acres (USA).

Habt einen schönen Sonntag!

Liebe Grüße
Barbara

02/5/15

Nützliches Zubehör {4} Das Jelly Roll-Lineal & Nähen mit Jelly Rolls

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Beim Quilt Market in den USA habe ich ein interessantes Lineal gesehen und gleich mitgenommen, womit sich die Schneidearbeiten für viele Quiltmuster um ein Vielfaches vereinfachen und verkürzen lassen.
Jelly Roll Kona Cotton
Die Breite von 2 1/2 Inch (6,35 cm) ist unter Quiltern ein gängiges Maß. Es ist die Breite eines Jelly-Roll-Streifens (so heißen diese süßen Päckchen mit Streifen aller Farben aus einer Serie, immer 2 1/2 Inch breit bei voller Stoffbreite von 110cm). Mit diesen Streifen kann man eine ganze Menge anstellen und es gibt im Netz unzählige Quiltmuster, kostenfreie und kostenpflichtige, die man mit einer Jelly Roll nachnähen kann.
Jelly Roll Kona Cotton2Jelly Roll Kona Cotton3
Jelly Rolls erfreuen sich aus 3 Gründen großer Beliebtheit: 1. kann man auf einfachem Wege eine ganze Kollektion kaufen und vernähen. Alles Stoffe passen zueinander und man kann einfach loslegen 2. Die Streifen sind bereits geschnitten und damit ist ein gutes Stück der Schneidearbeit im Vorfeld schon präzise erledigt und 3. ist es ein recht kostengünstiger Weg eine Patchworkdecke zu nähen. Eine Jelly Roll kostet gut 50 Euro und daraus kann man die komplette Vorderseite einer großen Decke nähen. Jeder, der schon mal im Laden selbst ein Stoffpaket für eine Decke zusammengestellt hat weiß, dass man da oft deutlich oberhalb von 50 Euro rauskommt. Also: Ein Hoch auf die Jelly Rolls!

Wer sich damit mal etwas mehr befassen möchte findet hier, hier und hier schöne Muster  (und natürlich auch bei Pinterest) und hier, hier oder hier eine gute Auswahl an Jelly Rolls verschiedenster Serien und Hersteller.

Die einfache und schöne Jelly-Roll-Decke ist das Schnittmuster “Jelly Roll Jam” vom Fat Quarter Shop. 2 Decken mit einer Jelly Roll, das ist nicht schlecht. Die ausführliche und kostenfreie Videoanleitung findet Ihr hier.
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Fotorechte: Vanessa Christenson / V & Co.
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Mit dem hier gezeigten Lineal kann man die Vorarbeiten um ein Vielfaches verkürzen und gleichzeitig sehr präzise arbeiten. Denn das ist beim Quilten unerlässlich.
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Das Lineal hat seitliche Führungsschienen. Damit kann ein Stoffstapel während des Zuschneidens nicht verrutschen. Bis zu 12 Streifen können in beliebiger Länge so ganz akkurat auf einmal geschnitten werden. Zu einer Seite hin gerade, auf der anderen Seite mit exaktem 45 Grad-Winkel.
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Zusätzlich kann die Mittelschiene genutzt werden um JellyRoll-Streifen ganz sauber der Länge nach zu halbieren.
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Hergestellt wird das Lineal von PM Quilting und hier gibt es ein Demo-Video dazu. Für alle, die gerne und viel mit Streifen arbeiten eine gute Investition!

Soweit ich weiß hat Grete ein paar Lineale für den Laden mitgebracht. Bei Interesse also einfach rüber zum Stoffsalat hüpfen und eine Email schreiben.

Viele Grüße
Barbara

02/3/15

“Winged” oder ein Schmetterling für meine Große

Hier bei uns zu Hause sind Decken heiß begehrt. Nicht nur auf dem Sofa sondern auch in den Kinderzimmern zum Höhle-Bauen, Zudecken, drauf spielen und zum Einkuscheln. Ein Grund mehr noch ein paar Weitere zu nähen.
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Diese hier war ein Weihnachtsgeschenk an meine Große. Sie liebt Schmetterlinge! Und ich liebe den Stoff dazu. Im Sommer erschien die Kollektion “Winged” von Bonnie Christine (Art Gallery Fabrics)
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und dazu eine kostenfreie Anleitung für diesen Quilt.
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Fotorechte: Bonnie Christine /Going Home To The Roost

Die Vorgängerkollektion “Sweet as Honey” habe ich rauf und runter genäht (z.B. hierhier, hier oder hier)  und auch “Winged” passt wunderbar in mein Beuteschema.

Also habe ich mir einiges aus der Serie bei Hawthorne Threads bestellt und das kostenlose Schnittmuster hier runtergeladen. Ich habe mich nicht ganz an die Stoffvorgaben gehalten sondern 2 Stoffe, die mir im Vorschlag nicht gut gefielen, gegen “Sweet as Honey”- Reste aus meinem Bestand ausgetauscht und zwar die grauen Blumen (Orchad Blossom)
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und die gelben Bienenhäuser (Honey House)
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Die Decke war für mich aus 2 Gründen spannend: 1. Weil ich den Schmetterling richtig schön fand und wusste, dass er Theresa gefallen würde und 2. weil ich die dafür verwendete Technik vorher noch nie ausprobiert habe.

Das Ganze funktioniert nämlich so:
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Nach Schnittplan werden insgesamt 1.186 Quadrate zugeschnitten. Puhhh…
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Dummerweise habe ich schon vor Houston alles zugeschnitten. Vom Quilt Market haben Grete und ich uns ein Spitzen-Lineal mitgebracht mit dessen Hilfe man Jellyroll-Streifen stapelweise ganz akkurat zuschneiden kann (ich glaube, Grete hat noch ein oder zwei davon falls jemand Bedarf hat).
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Wie das genau funktioniert zeige ich mal in einem separaten Post. In jedem Fall eine lohnenswerte Anschaffung für alle, die viel quilten und/oder Jelly Rolls verarbeiten. Das Maß 2,5 Inch ist in Quilt-Anleitungen sehr verbreitet deshalb kann man es regelmäßig gebrauchen). Das wäre eine enorme Zeitersparnis gewesen. Aber ab einem gewissen Punkt hat so eine Aufgabe ja was Meditatives….
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Einige Quadrate werden zu Half Square Triangles (=aneinander genähte Dreiecke aus unterschiedlichen Farben) weiterverarbeitet. Dafür 2 Stoffteile mit den Maßen 3×3 Inch aufeinanderlegen, die Mitte markieren, links und rechts der Markierung mit einem 1/4 Inch-Fuss langnähen und auf dem Strich zerschneiden.
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Den Überstand peinlich genau wegschneiden und fertig.
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Dann wird das Muster des Schmetterlings aufgeteilt in 4 Segmente. Man nehme Quilters Grid, ein Bügelvlies mit einem Rastermuster (meines kommt vom Stoffsalat, im Laden erhältlich aber nicht im Online-Shop), die Stoffquadrate werden nach Anleitung aufgelegt und vorsichtig aufgebügelt.
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Und erst jetzt wird genäht indem das Vlies auf der Linie gefaltet wird und mit einem 1/4 Inch-Fuss (wie bei Quilts üblich) genäht wird.
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Das geschieht längst und quer (wobei beim Richtungswechsel die Nahtzugaben der ersten Naht vorsichtig eingeschnitten und umgelegt werden) und erst dann werden die 4 Segmente zum Schmetterling zusammengesetzt.
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Der Vorteil an dieser Technik: Das Ergebnis ist sehr akkurat und man hat bis zuletzt immer nur kleine Teile der Decke unter der Nähmaschine zu manövrieren. Zudem ist die Decke nach dieser Technik von jedem zu meistern der gerade zuschneiden und gerade nähen kann. Im Grunde ist es eine reine Fleißaufgabe.
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Der Nachteil: Die Decke wird etwas streifer weil das Vlies selbst eine gewisse Stabilität hat. Zuerst wollte ich die Decke komplett quilten. Grete hat mir dann aber den Tipp gegeben das Quilten auf ein Minimum zu beschränken und ein hochfloriges Vlies zu benutzen damit die Decke kuschelig bleibt.
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Also habe ich wie auch bei den Babydecken das hochflorige Vlies 295 genommen und nur mit ein paar Quernähten gequiltet. Mal sehen, ob es mit den wenigen Nähten zum Vernähen der Lagen lange hält.
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Die fertige Decke hat die Maße 185 x 150 cm, Die vorgeschlagene Pom-Pom-Borte habe ich weggelassen.
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Die Fotos habe ich vor Weihnachten nicht mehr hinbekommen (auch wenn ich im Herbst damit angefangen habe ist die Decke erst am 23. Dezember fertig geworden) und erst vor ein paar Tagen gemacht. In der Zwischenzeit war die Decke schon ordentlich im Einsatz, verzeiht also bitte die etwas zerknautschte Decke.

Viele Grüße
Barbara

P.S: Und damit jetzt nach Langem mal wieder zum Creadienstag!