05/29/15

Ein bisschen Kinderzimmer-Deko und ein kleiner aber feiner Nähtrick

Drache Wickeltisch1
Während ich vor knapp 2 Wochen das Stoffsalat-Team zur Nadelwelt, einer Messe speziell für Patchworker und Stoffbegeisterte, begleitet habe, sind Mann und Kinder an die Nordsee gefahren. Während der 3-tägigen Messe in Karlsruhe habe ich einige von Euch persönlich kennenlernen dürfen. Vielen lieben Dank für so manche herzliche Begrüßung! Das war wirklich schön.

Als wir uns am Montagmorgen als Familie wieder hatten, erzählte mir die kleine Charlotte unaufhörlich von “Gacha”. Nach ungefähr drei Minuten war mir dann auch sofort klar, dass “Gacha” ein Drache ist und es davon am Strand einige imposante Modelle zu sehen gab. Das ist schon spannend mit der Sprachentwicklung. Die meisten Dinge und Menschen haben bei Charlotte zwar einen Namen, verstanden wird sie dabei aber nur von Eingeweihten. Richtig klar und deutlich aussprechen kann sie nur “Mama”, “Papa”, “Ja”, “Nein”, “Ich”, “Meins”, “Tasche” (jaaaa, sie kommt nach mir) und seit dem Wochenende allein mit Papa und der großen Schwester auch “Party” und “Erdbeereis”. Mir scheint, das Mama-freie Wochenende war jetzt nicht allzu übel.
Drache Wickeltisch
Seit zwei Wochen wird also alles am Himmel eindeutig als “Gacha” identifiziert, und sei es nur eine dicke Schleierwolke. Und als ich vor ein paar Tagen überlegt habe, wie ich an ihrem Wickeltisch mal gescheit das Kleinzeugs wie Haarspangen und Zahnungskügelchen griffbereit unterbringen kann, kam mir eine Anleitung in den Sinn, die ich schon vor einer Ewigkeit auf dem Blog von Ann Kelle gesehen habe, nämlich ein Patchwork-Drache mit kleinen Täschchen.
Drache Wickeltisch2
Gesagt getan und so hängt da nun ihr eigener Drache. Kam ziemlich gut an, das gute Stück. Und darüber freue ich mich immer sehr, denn so gut wie alles außer die Möbel selbst habe ich in den Kinderzimmern selbstgemacht, meist genäht. So sind es ganz individuelle Zimmer, mit viel Liebe und vielen praktischen Details.
Drachen Aufbewahrung3
Und das oft mit einfachen aber wirkungsvollen Mitteln wie z.B. bei Theresas Zimmerzelt (genäht aus jeder Menge günstigem IKEA-Stoff, einem Hoola-Hoop-Reifen und ein paar schönen Stoffen für die Details). Oder der Kinderbettwäsche (hier und hier).

Die Stoffe für den Drachen habe ich vom “Charlotte-Stapel” aus meinem Stoffschrank. Der besteht aus Stoffen der “Noteworthy“-Serie von Sweetwater, die vor gut 2 Jahren das Grundgerüst für ihre Kinderzimmer-Deko waren, erweitert um einige Birchstoffe in gelb, grau und grün, die gut dazu passen und noch ein paar weitere, die gut harmonieren. Diese Stoffe hüte ich, damit ich in Ihrem Zimmer immer wieder etwas Passendes ergänzen kann.

Dieser Drache ist übrigens auch für Jungs-Zimmer eine schöne Deko, vielleicht auch etwas größer an der Decke? Oder verkeinert in einem Mobile? Die gut bebilderte Anleitung dazu findet ihr hier.
Drachen Aufbewahrung2
Übrigens auch eine wunderbare Gelegenheit um Quilten oder ein Binding als Einfassung zu üben. Auf so kleiner Fläche lässt sich das im Gegensatz zu einer ganzen Decke ganz wunderbar unter jeder Maschine bewegen. Hauptsache, die Taschen werden nicht mit zu gequiltet.
Drachen Aufbewahrung1
Den Drachenschwanz habe ich etwas anders gemacht indem ich Stoffstreifen genäht, gewendet und geflochten habe.
Detail Drache5
Anfangs war es für mich immer Höchststrafe, einen schmalen Stoffschlauch nach dem Nähen wenden zu müssen. Trotz Wendehilfe von Prym und einigen anderen Tricks war es immer ein Krampf. Bis ich diesen Trick gelernt habe. Total einfach und funktioniert selbst bei ganz schmalen Streifen:
Anleitung Wendehilfe1
Man braucht lediglich ein entsprechendes Stück Stoff (die gewünschte Breite des späteren Streifens plus 1,5cm und in der Länge ca. 2. cm länger als das finale Stück) und eine solche Haarklammer.
Anleitung Wendehilfe2Anleitung Wendehilfe3
Zuerst wird der Stoffstreifen der Länge nach rechts auf rechts gelegt und füsschenbreit zusammengenäht
Anleitung Wendehilfe4
Anschließend wird die Nahtzugabe zurückgeschnitten. Möglichst knapp aber mit soviel Abstand, dass sie dennoch die Naht hält.
Anleitung Wendehilfe5
Nun wird an einem Ende des Schlauchs auf der Gegenseite zur Naht ca. 2cm unterhalb einmal bis zur Mitte hin eingeschnitten.
Anleitung Wendehilfe6
Nun wird die Nadel mit einer Seite da durchgefädelt
Anleitung Wendehilfe7
Anschließend die komplette Nadel in den Tunnel führen und durchziehen.
Anleitung Wendehilfe8
Das geht recht gut, denn man kann die Nadel gut fühlen und führen.
Anleitung Wendehilfe9Anleitung Wendehilfe10
Tadaaa! Gewendet. Geht ruck-zuck und zuverlässig bei jeder Tunnelbreite, die eine solche Nadel noch durchlässt. Perfekte Spaghetti-Streifen in Minuten!
Anleitung Wendehilfe11
Jetzt nur noch die eingeschnittenen 2 cm abschneiden und bügeln. Fertig!

Habt ein schönes Wochenende!
Viele Grüße

Barbara

 

05/5/15

Die Nevena Bag: Eine rucki-zucki Tasche zwischendurch

Tasche komplett
Eine liebe Bekannte hatte am 03. Mai Geburtstag. Wie immer, sehen wir uns am Montagmorgen. Das wäre dann der 04. Mai. Das alles ist mir pünktlich am Sonntagnachmittag eingefallen. In diesen Dingen ist auf mich absolut Verlass. Da wollte ich doch am Montag nicht mit leeren Händen dastehen! Aber wie heißt es bei Instagram so schön: #nähenistwiezaubernkönnen. Wäre doch gelacht, wenn sich da nicht etwas Ansprechendes zurechtklöppeln lassen würde. Aber was?
Label
Kosmetiktasche (mein Klassiker an dieser Stelle) hatte sie schon, bei einigem anderen aus meinem Hau-Ruck-Repertoire war ich mir nicht so sicher, ob ich ihr das schon einmal geschenkt habe (Notiz an mich: Aufschreiben, was Du wem schenkst) und somit hab ich einfach etwas ganz Neues genäht. Ist ja auch für mich spannender als immer dieselben Dinge zu nähen.
Nevena Bag_CoverNevena Bag Cover
Fotorechte: I Think Sew

Meine Wahl viel auf einen Taschenschnitt, der mit wenigen Schnitteilen, einer einfachen und nicht allzu umfangreichen Anleitung und wenig Zubehörteilen überzeugte. Ich hatte ja schließlich keine Möglichkeit mehr irgendeinen speziellen Verschluss oder D-Ringe zu besorgen.

Dieser Schnitt heißt “Nevena Bag” und stammt von I Think Sew. Es ist eine englische Anleitung. Das Zusammenfügen der Schnittteile war etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Ausdrucke hatten keine Passzeichen für das Zusammenfügen der Blätter. Also einfach nach Augenmaß geklebt. Da es nur 4 Schnitteile sind, war das eine lösbare Aufgabe.
Innentasche-2
Die Anleitung hält zwei Versionen für Innentaschen bereit, eine mit einem Reißverschlussfach und eine mit einem Schubfach. Ich habe mich für die Reißverschlussvariante entschieden, würde sie beim nächsten Mal aber größer zuschneiden als angegeben. Ein Portemonnaie sollte schon reinpassen, finde ich. Ansonsten ist sie gut bebildert und zu verstehen.

Was die Vlieseinlage betrifft orientiere ich mich mittlerweile nicht mehr an den Vorgaben der Schnittmuster. Ich mach das nach Gefühl und bin in diesem Fall mit einer Kombination aus Vlieseline G700 für außen und H630 für innen sehr gut gefahren. Zuerst habe ich an meine Taschenvlies-Allzweckwaffe “Soft & Stable” gedacht, mich dann aber aufgrund der gefalteten Außentasche dagegen entschieden.
Falten Boden
Etwas vergeigt habe ich den Zuschnitt des großen floralen Prints. Ich habe überhaupt nicht darauf geachtet, wo später die Falten sitzen und so verschwindet die große Blume zum Teil in einer Falte. Blöd.

Die Stoffe für die Tasche stammen alle von Amy Butlers Serie “Midwest Modern”, die schon ein paar Jahre alt ist. Sie ist bis heute eine meiner Lieblingsserien von Amy Butler und, wenigstens in den USA, immer noch komplett  erhältlich. In Deutschland muss mein ein bisschen suchen, aber hier und hier gibt es auch noch was.

Und woran merkt man, dass man des Nachtens doch besser schlafen statt nähen sollte? So sah die Tasche am Montag morgen aus, als ich sie verpacken sollte.
Träger falsch
Also nochmal die Henkel auftrennen und neu zusammensetzen.

Aus den Zuschnitt-Resten habe ich noch schnell ein Täschchen genäht und mit Ziegenleder an den Ecken aufgepeppt.
Kleine Tasche
Tasche hinten2
Die ist wieder mit “Soft & Stable” gefüttert und damit sehr stabil.
RV
Ecken
Dieses Täschchen wandert nun in meine Weihnachtsvorbereitungs-/Notfallgeschenke-Box. Die sollte ich besser noch etwas mehr füllen, damit solche Nacht- und Nebel-Aktionen ein bisschen seltener werden…

Den Taschenschnitt werde ich sicher noch einmal nähen. Ich mag die Form, die Größe der Tasche und die dezenten Falten. Und für eine Tasche ist sie auch ungewöhnlich schnell genäht und dank der wenigen Materialien (neben Stoff und Vlieseinlage braucht man nur einen kurzen Reißverschluss und einen Magnetverschluss) kann man sie schnell mal zwischendurch nähen ohne extra Besorgungen machen zu müssen, die manchen Taschenschnitt am Ende wahnsinnig teuer machen. Richtig gut gefällt sie mir wie im Beispiel oben komplett aus einem Stoff. Das probiere ich auch mal.

Wem diese Art Tasche gefällt, der findet hier eine deutsche und kostenlose Anleitung für die Getelies-Tasche, die ähnliche Proportionen hat. Sie ist aber eher ein schicker Beutel mit kurzen Trägern.
Gretelies Bild
Fotorechte: Gretelies / Anne Jakopovic-Plath

Von Amy Butler gibt es einen Taschenschnitt namens “Birdie Sling“, den ich auch schon einmal genäht habe und empfehlen kann. Es war eine der ersten Taschen, die ich je genäht habe, also nur Mut all denjenigen, die gerade erst angefangen haben. Das kann man schaffen!

Die “Birdie Sling” ist aber trotzdem noch ein wenig aufwändiger zu nähen und auch größer als die “Nevena Bag“.
Birdie Sling Bag Amy Butler
Fotorechte: Amy Butler Designs

Die Amy Butler-Anleitung gibt es nur als Papierschnitt und auf Englisch. Sie sind, wie alle Anleitungen, bei Still Water Design gerade im Angebot!

Der Stoff der Birdie Sling kommt mir übrigens irgendwie bekannt vor…

Euch eine gute Woche!
Liebe Grüße

Barbara

P.S: Total kreativ, deshalb geht es für mich nach Langem mal wieder rüber zum Creadienstag!

 

05/1/15

Neun Regeln zum Stoffkauf, von denen ich wünschte, ich hätte sie von Anfang an beachtet

Fabric Strash

Jeder, der je mein kleines Nähzimmer betreten hat, wird sich jetzt wahrscheinlich fragen warum gerade ich mich berufen fühle gute Tipps zum Stoffkauf zu geben, denn: Da liegt eine Menge Stoff. Eine große große Menge, also zwei Schränke voll. Soll heißen: Scheinbar kauft sie mehr als sie braucht, weit mehr. Das kann ja eigentlich nicht Ziel der Übung sein.
Lulu Magnolia
(Foto: Stoffserie “Lulu Magnolia” The Quilted Fish/Riley Blake, gekauft im Fat Quarter Shop)

Grete hat mir mal erzählt, dass eine Kundin Ihres Patchworkladens jedes Projekt so plant, dass nicht ein Fitzelchen Stoff übrigbleibt. Ich bin mir nicht sicher ob ich das bewundern soll. Es ist gewissermaßen das Kontrastprogramm zu mir. Aber ganz ehrlich: Ich würde nicht mit ihr und ihrer enormen Disziplin tauschen wollen. Ich liebe meine Stoffe, und zwar alle. Ich kenne den Namen zu jedem einzelnen und weiß in aller Regel auch nach Jahren noch wo ich ihn gekauft habe und welche Idee ich dazu hatte.

Fabric Stash by Color

Meine Stoffe sind nach einem festen System sortiert. Die Baumwollstoffe vorrangig nach Farbe und in einem zweiten Schrank nach Designer, wenn ich aus einer Serie oder serienübergreifend etwas angesammelt habe. Der Erfahrung nach verwende ich sie später auch oft zusammen und so muss ich sie nicht mühsam zusammensuchen.

Dazu gibt es einen Stapel Voile, einen mit Flanell, einen mit Wollstoffen für Bekleidung und ausgelagert im Keller, die Jerseys. Sonderstoffe wie Plüsch, Frottee oder Samt lagern in Kisten (davon habe ich aber auch nicht viel). Laminierte Baumwolle und Wachstuch bewahre ich aufgerollt auf damit sie nicht zerknicken.

Stoffreste werden ebenfalls wieder einsortiert, sofern sie eine Mindestgröße von einem DinA4-Blatt überschreiten, alles darunter wandert in die Restekiste.

Der Anblick meiner Stoffe macht mich glücklich und das jeden Tag. Ich liebe den Farbrausch und ich liebe die Auswahl, wenn ich abends spontan mit etwas Neuem beginnen will. Ich will es nicht anders auch wenn einige von Euch diese Dokumentation meiner Sammelleidenschaft mit viel Wohlwollen als leicht verhaltensauffällig bezeichnen würden.
V & Co. Color Theory2 V & Co. Color Theory
(Fotos: V& Co. Color Theory)

Ich habe von meinen Nähfreunden schon viele lustige Geschichten über Ihren “Stash”, also ihre Stoffsammlung zu Hause, gehört. Von Tüten, die heimlich abends im Dunkeln im Schlafanzug und mit Zahnbürste im Mund vom Kofferraum in den Keller geschleppt wurden, damit der Gatte es nicht mitbekommt. Von dem Grauen vor dem anstehenden Umzug, weil dann den anderen Familienmitgliedern das Ausmaß des Stofflagers vor Augen geführt wird, das sich so unauffällig auf viele kleine Kisten auf die Wohnung und den Dachboden verteilt. Von den großen Kisten im Keller, in denen angeblich Gästebettwäsche gelagert wird und vieles mehr.
Patchwork mit Unis
(Foto: Serie “Indian Summer von Sarah Watson, Art Gallery Fabrics mit passenden Unis) 

Im Grunde haben die meisten Näher eine Menge Stoff im Haus. Ich finde das nicht verwerflich. Ein gut zusammengesetztes Stofflager ist eine feine Sache. Blöd nur, wenn man zwar viel Stoff im Haus hat, aber nie das Passende für ein geplantes Projekt. Das eigene Lager dahingehend zu perfektionieren ist also das Ziel.

Ich habe offensichtlich in meinem Nähleben (das erschreckenderweise ja noch gar keine Jahrzehnte umfasst, was ja eine brauchbare Entschuldigung für den zusammengetragenen Berg wäre) schon eine Menge Stoff gekauft.

Vielleicht bin ich also doch genau die Richtige um all denjenigen, die gerade erst mit dem Nähen und Stoff einkaufen anfangen, die Tipps zu geben, die ich gerne am Anfang meiner Sammelkarriere bekommen hätte.

1. Kaufe niemals einen Stoff, nur weil er im Angebot ist.

Die Verlockung ist groß bei einem Schnäppchen zuzuschlagen. Aber erfahrungsgemäß sind es gerade diese Käufe, die im Regal Staub ansetzen. Ich für meinen Teil kann sagen: Wenn ich einen Stoff nicht von Minute Eins an toll finde, kaufe ich ihn nicht. Egal was er kostet (dieses Prinzip hat sich übrigens auch bei Kleidungskäufen sehr bewährt).

2. Kaufe nie einen Stoff, ohne dass Dir spontan einfällt, was Du daraus machen willst.

Wenn mir ein Stoff in einem Geschäft oder Online-Shop spontan gefällt überlege ich immer zuerst, was ich daraus machen möchte. Eher was für eine Babydecke, oder ein Kinderkleid? Eine Tasche? Ein Kleidungsstück für mich? Wenn das Muster trotz schöner Farbe schwierig zu verwenden ist, die Farbe oder das Motiv zwar mir, wahrscheinlich aber den Kindern nicht gefällt oder mir spontan nichts einfällt, was ich daraus machen kann, kaufe ich ihn nicht.

Wenn mir etwas dazu einfällt kaufe ich die Menge, die man voraussichtlich für das Projekt benötigt. Wenn es ein Taschenstoff ist kaufe ich 60cm. Daraus kann man meiner Erfahrung nach fast jeden Taschenschnitt nähen. Wenn es ein guter Kombistoff für eine Kosmetiktasche oder ein kleines Accessoire ist (und die nähe ich konsequent jede Woche, sie sind bei mir also viel im Einsatz) nehme ich 30-40cm, in US-Shops einen halben Yard.

Kindergartentasche HHLs
Kindergartentasche HHL3
(Foto: Kindergartentasche nach dem Schnitt von Lillesol und Pelle, allerdings mit Soft & Stable gefüttert und damit stabiler. Stoffe: Hamburger Liebe, Elephant Love)

Bei kleingemusterten Stoffen eher 30cm, bei größeren Mustern, bei denen man beim Zuschnitt vielleicht ein bisschen rumrangieren muss und mehr Verschnitt hat, 40cm.

Bei Kleidungsstücken habe ich ungefähr im Kopf, was ich für einen Rock, ein Jerseykleid oder ein Kinderkleid brauche und orientiere mich daran.

Auch wenn der Stoff dann erst einmal in meinen Vorrat wandert komme ich mit diesem Mengen erfahrungsgemäß auch gut zurecht, wenn ich ihn später für etwas anderes verwende. So richtig verändert er seine Bestimmung nämlich nie.

3. Kaufe immer die beste Qualität, die Du Dir leisten kannst.

Je weniger mein Nähbudget hergibt, desto konsequenter befolge ich diese Regel. Lieber bewusster (soll heißen besser geplant und genau die Menge zum anstehenden Nähpojekt) und eine bessere Qualität kaufen. Nichts ärgert mehr, als wenn das über Stunden genähte Kleid oder die Decke nach dem Waschen einläuft, die Farben verliert oder ausleiert. Und nichts ist eine größere Geldverschwendung.

Ich will lange etwas davon haben und freue mich, wenn ich ein für meine Kinder genähtes Kleidungsstück noch an die Cousinen weitervererben kann. Schließlich habe ich Arbeit, Zeit, Geld und Herzblut hineinsteckt.

4. Vergiss die Unis nicht!

Zu Anfang habe ich einfach das gekauft was mir gefallen hat und hatte dann einen Stapel schöner Muster ohne Begleitstoffe. Begleitstoffe sind Prints mit kleinem Muster aus maximal 2 Farben und eben Uni-Stoffe.

April Showers_Solids
(Foto: Stoffe aus der Serie Bonnie & Camille “April Showers” mit passenden Moda-Unis)

Sie aber sind das Salz in der Suppe und werden, bei mir jedenfalls, viel mehr verbraucht.
Stoffregal
Anfangs fand ich Unis langweilig aber mittlerweile sind sie meine Lieblinge und ständig im Einsatz.
Oliver and S. 2+2 Blouse
(Foto: Schnitt:  2+2 Blouse von Oliver & S., Stoff Monaluna “Westwood” von der Eulenmeisterei)

Ich verwende sie als Akzent an einem Kleid oder an einer Bluse, für selbstgemachtes Schrägband in der perfekt passenden Farbe oder als ruhiger Vermittler zwischen großen und grafischen Mustern.

Ein weiterer Aspekt ist nicht zu verachten: Sie sind günstiger als gemusterte Markenstoffe und damit wunderbar für die Innenseite von Taschen, und die Rückseite oder Einfassung von Decken geeignet.
Geranium Desses
(Foto: Kleiderschnitt: Geranium Dress von Made by Rae, genäht aus Art Gallery Pure Elements in Cherry Lipgloss und Cozumel Blue)

Aus Unis habe ich aber auch schon Kleider genäht und Reste lassen sich bis zum letzten Fitzel wunderbar zum Beziehen von Knöpfen oder für Stifterollen verwenden.

Unis erleben gerade einen wahren Boom und Quilts daraus sind ein echter Trend. Genau mein Ding, deshalb steht das auch noch auf meiner To-Sew-Liste. Eine riesige Auswahl gibt es zum Beispiel hier.

Kurzum: Für mich sind sie das Rückgrad meines Stoffvorrats. Welche ich kaufe und warum habe ich hier schon einmal ausführlich aufgeschrieben.

5. Kaufe Pre-Cuts mit Bedacht

Zu vielen amerikanischen Baumwollstoff-Serien gibt es sog. Pre-Cuts. Das sind Zuschnitte verschiedenster Größe, in denen jeder Stoff der ganzen Serie mindestens einmal enthalten ist. Eine tolle Idee für Patchworker.
Pre-Cuts-2
Pre-Cuts bieten viele Vorteile: Man erspart sich viel Zeit beim Zuschneiden, kann eine ganze Kollektion in seine Decke einbauen und kommt dabei meist günstiger weg als wenn von einer Serie im Laden Streifen der Mindestabnahmemenge abgeschnitten wird.

Ich kenne aber mittlerweile auch die Nachteile: Nicht jeder Print einer Serie gefällt mir gleich gut. Vieles hätte ich einzeln nicht gekauft. Will ich diese Prints also wirklich in meiner Decke haben?

Wenn ich einen Pre-Cut, zum Beispiel einen Layer Cake (also Quadrate, die ca. 25,4 x 25,4cm groß sind) oder eine Jelly-Roll (ca. 6,3 cm x 110cm lange Stoffstreifen) kaufe, bin ich sehr eingeschränkt in meinen Möglichkeiten. Nur eine kleine Auswahl an Quiltmustern kommt damit in Frage.

Nachdem ich ein paar Pre-Cuts angesammelt habe, die ich eher mit einer losen Idee im Kopf gekauft habe, kaufe ich sie heute nur noch wenn ich genau weiß, für welchen Schnitt ich sie einsetzen will. Dann sind sie eine super Sache.

 6. Vorsicht bei großen Prints

Wenn ich besonders großformatige Muster kaufe, nehme ich immer etwas mehr als üblich und achte darauf, dass das Hauptmotiv beim Zuschnitt im Laden nicht zerschnitten wird. Denn was bringt mir z.B. ein in der Mitte zerschnittene Hirschkopf? Verschwendete 20 cm Stoff, die ich aber mit bezahle.

Etwas mehr nehme ich deshalb, weil ich das Muster aus dem Stoff ausschneiden muss und damit gibt es viel Verschnitt. Für diese extra-hohe Kosmetiktasche habe ich einen halben Meter gebraucht weil das Muster so riesig ist und ich es so zuschneiden wollte, dass es sich an den Seiten trifft. Der komplette Rest war Verschnitt, ein Fall für die Restekiste.
Cosmetic bag Wishes
Matching S.-Seams
(Foto: Stoff: Wish von Valorie Wells uns Squared Elements von Art Gallery Fabrics, Schnitt nach meiner Anleitung, aber höher)

Aber auch bei kleineren Mustern gibt es Verschnitt. Bei Taschen z.B. achte ich darauf, dass sich das Muster genau am Reißverschluss oder an der Öffnung trifft. Auch das führt zu erhöhtem Stoffverbrauch.
Matching Prints
(Foto: Stoff Heather Bailey, Up Parasol, Anleitung für das Täschchen: kommt)

Für Quilts sind großformatige Motive schwer zu verwenden. Da halte ich mich immer eher an die Begleitstoffe und kleinen Prints, die auch zerschnitten noch schön zur Geltung kommen.

Für Bekleidung finde ich große Prints super, aber auch hier braucht man etwas mehr Stoff, um ein Muster gut zu platzieren. Bei Kindern noch unproblematisch, bei Frauen um die Brust herum gar nicht so einfach…
Kleid von vorne
(Foto: Schnitt Oliver & S. Seashore Sundress, Stoff Tula Pink, Foxfield, mehr dazu hier)

7. Lass Dich nicht von Trends beeinflussen

Die Stoffindustrie ist auch nur eine Modebranche. Bestimmte Designer oder Stilrichtungen sind im einen Sommer hip, im nächsten out. Auch ich habe Stoffe im Schrank, weil sie mal eine Art “must have” waren. Das passiert mir mittlerweile nicht mehr. Was mich nicht 100%-ig begeistert kaufe ich nicht, völlig egal wie hip Eulen, Heather Ross, Hamburger Liebe oder Amy Butler oder wer auch immer gerade ist. Da kaufe ich was mir gefällt denn nur die Stoffe verwende ich später auch. Manchmal, völlig un-hip, Monate oder Jahre später.

Im Moment sind sog. Low Volume Prints ein echter Trend, also Stoffe, die als Hauptfarbe weiß haben aber trotzdem gemustert sind. Auch wenn ich sie schön finde und absolut bewundere, was andere damit tun, ich mache einen Bogen um diesen Trend weil ich genau weiß, dass ich daraus keine Decke nähen werde (ein Hoch auf meine Willenskraft!).

8. Welche Farben ziehen Dich an? Was heißt das für den eigenen Stoffvorrat?

Jede von uns hat Lieblingsfarben und solche, die wir nicht so sehr mögen. Ich ertappe mich zwar dabei, dass selbst eine früher ungeliebte Farbe wie senfgelb (ihr erinnert Euch?) sich langsam und durch die Hintertür zu einer viel genutzten Farbe entwickeln kann. Aber einige Farben werde ich wohl nie mögen und andere noch nach Jahren lieben.

Stas_Favorites
Beim Blick in meinen Stoffschrank erkennt man klar meine Lieblingsfarben. Ich kaufe sie vorrangig und ich verwende sie vorrangig. Und trotzdem hat es sich für eine gute Durchmischung bewährt auch links und rechts der Lieblingsfarben zu kaufen. Da ergeben sich auf einmal ungeahnte Kombinationen!

Stoffe türkis

Oft nähe ich Geschenke für Familie und Freunde und nicht jeder liebt Türkis oder Mint wie ich. Da kann ich mich dann auch an der offensichtlichen Lieblingsfarbe eines anderen orientieren.

Und auch wenn rot im Alltag eine wenig genutzte Farbe von mir ist, was wäre Weihnachten ohne rot?

 9. Trenne Dich von denen, die Dir nicht mehr gefallen

Zugegeben, damit tue ich mich schwer. Und ja, ich müsste mal wieder. Es ist ja nicht so, dass ich Stoffe, die ich einmal schön fand und für die ich gutes Geld bezahlt habe, heute furchtbar finde, aber ich greife bei der Auswahl regelmäßig an ihnen vorbei weil ein anderer Stoff mich mehr anlacht. Also gebe ich sie ab. Bisher an meine Mutter, die daraus etwas für den Kirchenbasar näht oder an liebe Freunde.

Ich habe nach schlechten Erfahrungen mit Facebook-Gruppen, bei denen man kleine Stoffauktionen durchführen kann, auch über einen “Destash” über Instagram nachgedacht oder eine Flomarktecke hier im Blog. Irgend etwas in dieser Art werde ich wohl mal versuchen.

Viele raten an der Stelle dazu, die “B-Ware” im Schrank für Innentaschen oder Deckenrückseiten zu nutzen. Ich für meinen Teil kann das nicht. Ich will etwas nähen, dass mir rundum gefällt. Pure Restverwertung ist einfach nicht mein Ding. Jedenfalls nicht, wenn ich noch etwas im Schrank gehabt hätte, mit dem das Ergebnis mir noch besser gefallen hätte.

Und jetzt bin ich gespannt, nach welchen Regeln Ihr Eure Stoffe kauft. Erzählt Ihr mir davon?

Liebe Grüße
Barbara