01/28/16

Lebenszeichen

Ein frohes neues Jahr, meine Lieben! Darf man das an einem 28. Januar überhaupt noch wünschen? Aber es bleiben Euch und mir ja immer noch 11 Monate, um viel Schönes zu erleben und um Euch mit unserem gemeinsamen Hobby so richtig kreativ auszuleben. Kurzum: Ein erfülltes, analoges Leben. Das wünsche ich Euch.
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Und da sind wir auch schon bei meinem aktuellen Dilemma. Mein letzter Blogpost ist schon viele Wochen alt. Eine so lange Pause hat sich hier noch nie eingeschlichen. Mir liegt jetzt auf der Zunge (bzw. in den Fingern) eine Entschuldigung hinterherzuschieben. Weil ich es selber nicht so will und mir wünsche, dass ich sehr regelmäßig zum Bloggen komme. Nur noch eine Entschuldigung mehr, denn es ist mittlerweile ein echtes Mantra geworden, jeder Blogleser-Email und jedem Blogpost eine Entschuldigung beizulegen. Für die viel zu späte Antwort. Für die immer noch nicht gezeigten Bilder aus Houston (ist ja erst ein Vierteljahr her, dass wir da waren…), für die Dinge, die hier längst umgesetzt hätten werden sollen und immer noch auf Veröffentlichung warten. Auf nicht besprochene Bücher, und so weiter, und so weiter. Tatsache ist: Mein Anspruch an meinen Blog und die Wirklichkeit driften immer weiter auseinander. Und damit bin ich nicht glücklich.
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(Charlotte mit Ihrer Bluse aus Liberty Tana Lawn, Schnitt: Oliver & S, Butterfly Blouse. Die Bluse hat es leider nie in den Blog geschafft. Völlig unverdient, denn Schnitt, Stoff und Model sind toll!)

Als ich diesen Blog gestartet habe, hätte ich niemals damit gerechnet, dass hier mal tausende Menschen verfolgen, was ich mir in meinen regelmäßigen Nachtschichten so zusammenbastle. In meinen kühnsten Träumen nicht. Selbst in den letzten Wochen, ohne das es hier irgendetwas Neues zu sehen gäbe, schauen jeden Tag Tausende vorbei. Ich empfinde das als großes Kompliment und ich danke Euch dafür.

Damals, als ich diesen Blog gestartet habe, habe ich auch nicht im Ansatz absehen können, was das für mich und meinen Alltag bedeutet. Jeden Tag erreichen mich Emails mit Fragen aller Art, Sponsorenanfragen und auch die Social Media Kanäle wollen gepflegt werden. Probenähen und Blogtouren haben feste Abgabetermine für Beiträge. Und so gibt es neben einer beruflichen, mittlerweile auch eine tägliche Blog-to-do-Liste, die ich am Feierabend abarbeiten muss. Eigentlich ist dieser Blog, wollte man ihn auf dem Professionalitätslevel halten, auf dem ich ihn gerne hätte, ein Halbtagsjob. Ich hab aber schon einen Job, und der ist nicht halbtags. Und ich habe eine Familie mit zwei kleinen Kindern, deren Bedürfnisse an erster Stelle stehen.

Sicherlich könnte ich diesen Blog mittlerweile auch kommerzialisieren und ihn zu einem (Teilzeit-) Job für mich machen. Und es würde mir sogar Spaß machen, da bin ich sicher. Denn das Nähen und Schreiben macht mir wahnsinnig viel Freude. Aber kommerzialisieren heißt, mit Firmen zusammenarbeiten und Euch vieles vorstellen, wofür ich von Auftraggebern bezahlt werde. Ich finde es absolut legitim als Blogger solche Angebote anzunehmen und sich für die viele Arbeit auch entlohnen zu lassen. Und viele Blogger haben das sehr gut im Griff, schreiben abwechslungsreiche, informative und absolut lesenswerte Posts, auch wenn ein Sponsorenauftrag dahintersteht. Und vor allem wählen sie mit Bedacht, welche Kooperation ihnen für ihre Leser sinnvoll und glaubwürdig erscheinen. Eine echte Gradwanderung und Hut ab vor jedem, der das gut im Griff hat.

Ich selbst habe mir zu Anfang auf die Fahnen geschrieben hier niemals ein Produkt anzupreisen, dass ich nicht vorab selbst getestet und für gut befunden habe. So gut, dass ich es meiner besten Freundin empfehlen würde. Und daran habe ich immer festgehalten. Deshalb lautet meine tägliche Antwort in Emails bei Sponsorenanfragen: Danke für die Email und Anfrage, aber nein.

IMG_7990 IMG_7989(Charlottes erste Frage nach dem Kindergarten: Mama, darf ich Dir heute wieder die Nase anmalen? Wenn es mal nur bei der Nase bliebe…)

Vor ein paar Wochen hat mein analoges Leben von jetzt auf gleich meine volle Aufmerksamkeit verlangt. Ich habe Dienstreisen abgesagt, Weihnachtsgeschenke online bestellt und mich voll und ganz der Familie gewidmet. Und während dieses ungeplanten Rückzugs habe ich mich wirklich gefragt, ob ich das noch so will. Ob es mir gut tut mich für ein Hobby einem ewig schlechten Gewissen auszusetzen. “Aber Du schuldest doch keinem was” sagt mein Mann dann immer. “Entspann Dich!”. Aber das fällt mir schwer. Wenn mir jemand eine Email mit einer dringenden Frage schickt und ich erst Tage später antworten kann, dann tut mir das leid! So möchte ich nicht mit Euch umgehen. Auch eine Sponsorenanfrage nicht zu beantworten, auch wenn die Antwort “Nein, danke” lautet, ist einfach unhöflich.

Und nach langem inneren Hin und Her, bei dem ich für mich auch die Option durchdacht habe mit dem Bloggen ganz aufzuhören, habe ich mich dazu entschieden, weiter zu schreiben. Aber wahrscheinlich seltener als bisher. Eben so wie ich es schaffe, ohne mir dafür ein Bein ausreißen zu müssen.

Für mich hat sich Instagram, ein soziales Netzwerk, in dem Fotos geteilt werden, als beste Möglichkeit herausgestellt in Kontakt mit anderen Nähbegeisterten zu bleiben. Da wird oft nur ein schnelles Handybild hochgeladen, ein Satz dazu – fertig. Das kriege ich hin, auch mehrmals die Woche. Wie genau Instagram funktioniert wird hier gut erklärt.
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(eine Patchwork-Schultüte, die ich in diesem Sommer genäht habe, Stoffe: Mo Bedell, Full Moon Lagoon für Andover, leider nicht mehr zu bekommen. Auch hierzu hat es leider nie einen Blogpost gegeben)

Und so gibt es in meinem Instagram-Profil mittlerweile immer die aktuellen Fotos. Alle hier gezeigten Fotos stammen aus meinem Instagram-Feed. Und auch wenn viele Blogger mittlerweile ganz zu Instagram abdriften, werde ich das nicht tun. Ich schreibe gerne, ich gebe mir gerne Mühe mit einem Foto und einer Anleitung und deshalb wird es auch den Blog weiter geben. Wer mir aber bei Instagram folgen will, ist herzlich eingeladen. Dort heiße ich, wie hier, Dasmachichnachts (Namen werden dort immer zusammengeschrieben oder können nur durch Sonderzeichen getrennt werden). Wenn Ihr mir etwas Genähtes zeigen oder mich etwas fragen wollt, schreibt unter Euer Foto @dasmachichnachts, dann taucht Eure Nachricht bei mir auf und ich kann Euch antworten. Das hat sich für mich als die schnellste Art der Kommunikation rausgestellt.
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Von mir gibt es also an dieser Stelle keine Vorsätze für dieses Jahr. Was kommt, das kommt. Ich freue mich, wenn wir uns auch über kleinere Pausen hinweg erhalten bleiben und ich Euch hin und wieder mit etwas Schönem hier willkommen heißen darf.
Cotton and Steel kl
Aber hiermit lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster. Momentan nähe ich nach einer kleinen Patchworkphase zwei Taschen, die es definitiv kommende Woche hier zu sehen gibt. Frau Machwerk war nämlich wieder fleißig und hat, so finde ich, ihren bisher besten Schnitt konzipiert. Ich bin gespannt, ob er Euch auch so gut gefällt wie mir. Aber mehr dazu in ein paar Tagen.

Viele Grüße
Barbara