02/16/16

“Oh Pinwheels” oder besser: “Oh Mist!”

Oh Pinwheels Quilt Noteworthy Sweetwater4
Meine geschätzte Leserschaft deckt, soweit ich das aus Kommentaren, Email und aus persönlichem Kontakt weiß, ein weites Feld ab. Einige von Euch sind richtig gute, erfahrene Näher und Patchworker, andere haben gerade erst Feuer gefangen und stehen noch mit einem Haufen Fragen ganz am Anfang.
Quilt Noteworthy Sweetwater7
Dieser Post heute dient der ersten Gruppe eher zum Unterhaltung, ich hoffe aber, dass ich all denjenigen, die sich gerade an die ersten Patchworkdecken wagen, kostbare Hilfestellung leisten kann.
Quilt Noteworthy Sweetwater6
Ein paar Dinge, die beim Patchworken sehr wichtig sind, lernt man wie so oft im Leben nur durch Fehler. Oder man lässt andere die Fehler machen und lernt daraus. An sich meine bevorzugte Variante aber den heute beschriebenen Fehler habe ich höchst selbst begangen und für mein Nähleben daraus gelernt.

Vor rund 3 Jahren, mitten in meiner Nestbautrieb-Phase (sprich: Schwangerschaft mit Charlotte) habe ich beschlossen, alles Textile im Kinderzimmer selbst zu nähen und habe das auch getan. Weitestgehend aus der Stoffserie “Noteworthy” von Sweetwater, die damals gerade im “Stoffsalat” eingetrudelt ist.
Lampenschirm Noteworthy-2Gardine Noteworthy Sweetwater2
Eine Decke für das Tagesbett bzw. unser Lesesofa sollte auch dabei sein und als im Moda-Bake-Shop, dem Schnittmuster-Blog des großen Patchworkstoff-Produzenten Moda, diese kostenlose Anleitung erschienen ist, war es um mich geschehen. “Oh Pinwheels” heißt der Schnitt und war als eher einfach klassifiziert. Die Decke sollte es also werden.
Quilt Noteworthy Sweetwater5
Also los, Stoffe kaufen (die einfachste Übung, wird bei mir immer umgehend und gerne erledigt) und zuschneiden. Und da erhielt meine Euphorie und mein Tatendrang einen ersten Dämpfer. Bis dahin hatte ich nur die Basisversion von Patchworkdecke genäht: Das simple Aneinandernähen von Quadraten. Eine Decke nach einer richtigen, für mich komplexen, Anleitung war mir neu. Es ging gleich damit los, dass ich den Zuschnittplan überhaupt nicht verstanden habe.

Das angloamerikanische Maß ist uns Europäern ja erst einmal fremd. Alle Maßangaben sind nicht in cm sondern in Inch und gerne auch in Brüchen dargestellt. Schon mit den ersten englischsprachigen Schnittmustern habe ich mir deshalb ein zweites Lineal mit Inch-Angaben zugelegt und rechne nichts mehr um. Wenn ich in Inch nähe, bleibe ich auch im Inch-System. Das hat sich seitdem sehr bewährt, ist wesentlich einfacher und weniger fehleranfällig. Wer das einmal ausprobieren möchte und nicht gleich in ein teures Quiltlineal investieren möchte, dem kann ich dieses Rollhandmaß von Prym empfehlen. 300 cm lang, auf einer Seite mit cm-Angabe, auf der anderen Inch.
Ecke Pinwheels Quilt
In besagter Anleitung stand nun (ich zitiere):
Cutting

  1. Choose 25 strips from your Noteworthy Jelly Roll.
    From 9 strips, cut:

    • 2 – 2.5″ x 8.5″ strips
    • 2 – 2.5″ x 4.5″ strips

    From 8 strips, cut:

    • 1 – 2.5″ x 13.5″ strips
    • 8 – 2.5″ squares

    From 8 strips, cut:

    • 1 – 2.5″ x 10.5″ strips
    • 8 – 2.5″ square
  2. For background, sashing and inner borders, cut:
    • 21 – 4.5″ x 8.5″ rectangles
    • 16 – 2.5″ x 4.5″ rectangles
    • 116 – 2.5″ squares
    • 8 – 4.5″ squares
    • 9 – 2.5″ x WOF strips, subcut into:
      • 6 – 2.5″ x 40.5″ strips
      • 2 – 2.5″ x 52.5″ strips
    • For binding, cut 7 – 2.5″ x WOF (width of fabric) strips

Damals dachte ich nur: Bitte was??? Und deshalb hier eine kleine Erläuterung für all diejenigen, die mit diesem System und der üblichen Darstellungsweise in amerikanischen Quiltanleitungen nicht vertraut sind:

Hier steht:

1. Suche Dir 25 Streifen aus der Jelly Roll aus (enthält üblicherweise rund 4o Streifen insgesamt). Aus neun dieser Streifen schneidest Du:

–  je zwei Teile mit den Maßen 2.5 Inch (in Anleitungen nur ” für Inch) x 8.5 Inch
– je zwei Teile mit den Maßen 2.5 x 4.5 Inch

Weitere 8 Streifen werden wie folgt zerschnitten:

– je 1 Stück mit den Maßen 2.5 x 13.5 Inch
– aus den Resten jedes Streifens  je 8 Quadrate mit den Maßen 2.5 x 2.5 Inch zuschneiden

Wieder 8 der Jelly Roll Streifen werden zerschnitten in

– Je ein Streifen mit den Maßen 2.5 x 10.5 Inch
– aus den Resten jeweils 8 Quadrate mit den Maßen 2.5 x 2.5 Inch.

Der Hintergrundstoff wird wie folgt zugeschnitten:

…jetzt ist das Prinzip klar, oder?

Nachdem ich das irgendwann verstanden, alles zugeschnitten und gemäß der Anleitung die Blöcke genäht hatte, habe ich den entscheidenden Fehler gemacht, der dazu geführt hat, dass ich die halbfertige Decke für 2 1/2 Jahre in die Ecke geworfen und mich furchtbar über sie oder vielmehr über mich geärgert habe: Das kleine Sätzchen “Trim your Blocks” habe ich ignoriert. Auf deutsch heißt das: Den fertigen Block am Ende Korrektur schneiden.
Rückseite Quilt Noteworthy Sweetwater
Jaaaa, ihr habt richtig gelesen: Diese Decke war für über 2 Jahre ein UFO (sprich, ein “unfertiges Objekt”) in meinem Nähzimmer. Und als ich mit Grete im letzten Sommer für eine Woche nach Holland zum exessiven Nähen gefahren bin, habe ich alle meine UFO’s mitgenommen um sie endlich fertig zu nähen.
Quilt wieder auseinanderne
Als ich Grete kurz geschildert habe, wie lange und warum dies halbfertige Decke in der Ecke lag (ich musste alles wieder auseinandernehmen, schneiden und neu zusammensetzen – eine sau-blöde und langwierige Arbeit), war ihre Antwort ein herzliches Lachen und ein “Aber, Schätzchen: Das weiß man doch!”.
Oh Pinwheels Quilt Noteworthy Sweetwater
Jaaaa, heute weiß ich das, aber das ist doch kein Wissen, dass einem mit der Muttermilch mitgegeben wird! Da nimmt einen doch keiner am Schulhof zur Seite, schaut verschwörerisch von links und rechts und erklärt einem dann frei heraus in ein paar knappen, dahingemurmelten Sätzen, was beim Patchworken unerlässlich ist! Nix tun die am Schulhof, gar nix! Und noch nicht Mal Arte hat sich bisher zu einem Themenabend hinreißen lassen. Woher soll man das also bitte ganz selbstverständlich wissen???

Sonderlich logisch ist es jedenfalls nicht, dass man mit einem Patchworklineal maximal akkurat zugeschnittenen und nachweißlich gerade genähten Stoffstücke noch einmal Korrektur schneiden muss. Man sollte meinen, dass jetzt immer noch alles gerade ist. Das ist aber mitnichten so. Heute weiß ich das. Gerade durch das anschließende (und unerlässliche!) Bügeln der Nähte ergeben sich zwar keine Zentimeter, aber immerhin Verschiebungen in Millimeterbereich. Und wenn eine Decke nicht nur aus einfachen, großen Quadraten besteht, wo eine solche Differenz sicher wenig auffällt, dann ergibt die Summe vieler kleiner Teile mit vielen Millimetern Längen- und Höhenunterschied unschöne Übergänge und so gar nichts will mehr so richtig zusammenpassen.
Binding Quilt2
Quilts mit richtigen Mustern werden deshalb in Blöcken genäht und als Schritt in der Anleitung steht als letztes “Trim”. Und damit ist das Korrekturschneiden des Blocks auf ein einheitliches Maß gemeint. Und ich kann nur empfehlen diesen Schritt nicht und niemals leichtfertig zu überspringen. Diese Ungenauigkeiten kann man im Nachgang mit nichts mehr retten.
Ecken Pinwheels Noteworthy SweetwaterDank der Auftrenn und-neu zusammensetz-Aktion passt der Rahmen rundherum farblich nicht mehr. Ein blauer Randblock unter einem blauen Quiltblock ist nun wirklich nicht optimal, aber es hilft ja nix, die Decke sollte endlich fertig werden.

Oh Pinwheels Quilt Noteworthy Sweetwater4

Ein bisschen habe ich doch geschlampt und darauf verzichtet, die vielen Windräder wieder auseinanderzubauen. Damit passt das Muster nicht hundertprozentig aber dafür haben wir jetzt endlich eine Decke. Gedacht für die vielen Nächte in denen ein kleines Mädchen Durst, Bauchweh oder einfach nur keine Lust auf Durchschlafen hat und die Mutter beim in-den-Schlaf-schuckeln nicht erfrieren will.

Dafür kam sie jetzt leider, dank meiner unschönen Angewohnheit meinen UFO’s erst einmal eine angemessen lange Zeit böse zu sein, ein wenig zu spät. Aber jetzt werden mit der Decke Höhlen gebaut, Umhänge gebastelt, Puppen zugedeckt und beide Mädels darunter gekuschelt während wir allabendliche Bilderbücher anschauen.
Bücherecke
Die finalen Maße der Decke sind übrigens 140 x 165cm. Das Binding habe ich auf der Rückseite mit der Hand angenäht. Das sieht einfach schöner aus und ist eine wirklich entspannende Tätigkeit vor dem Fernseher oder auf langen Autofahrten.

Die Kissen dazu sind schon seit Jahren fertig. Über das Cathedral Window-Kissen habe ich hier schon mal geschrieben.
Cathedral Window Pillow Noteworthy Detail Cathedral Window Kissen
Dank der sehr langen Fertigstellungszeit kann ich Euch leider keine Bezugsquelle mehr für den Stoff nennen.  Was ich noch sagen kann, ist, dass der cremefarbende Kombistoff auf der Vor-und Rückseite Moda Bella Solid Porcelain ist und die passende Garnfarbe fürs Quilten Aurifil #2026.

Mein bevorzugtes Batting, also die Volumeneinlage, ist ein reines Wollvlies ohne Synthetik. Ich mag dieses Vlies für Decken am liebsten, weil es dank der 100% Wolle schön warm ist. Ich finde wärmer als Polyesterwolle obwohl es viel dünner ist. Außerdem ist das Vlies sehr flach und lässt sich damit sehr gut quilten. Dieses Vlies gibt es in einer Breite von 2,40 oder  3,00 Meter und wird im gewünschten Maß von der Rolle geschnitten. Für das Quilten ist es wichtig, dass der Rückseitenstoff und das Vlies ca. 10cm breiter sind als die Vorderseite. Am Ende wird dann Korrektur geschnitten.
Quilt gefaltet
Apropos quilten. Schwieriges Thema. Bei dieser Decke wollte ich alles richtig machen, habe mir extra parallel Gretes Makerist-Lehrvideo zum Quilten-lernen angeschaut um dann ganze vier Mal meine Handschuhe mit anzunähen.
Binding Quilt
Das Mäander-Muster ist zwar insofern geglückt, wenn man dabei bedenkt, dass die einzige Regeln lauten:

1. Baue keine Ecken ein
2. Verteile die Kurven gleichmäßig auf der Decke
3. Achte darauf, dass Du nicht in der Größe variierst (zum Beispiel zum Ende hin immer kleiner werdend)
4. Nähe von Anfang bis Ende durch. Kein sichtbarer Anfang und kein Ende.

Quilting Noteworthy Quilt
Soweit habe ich es auch diesmal geschafft. Aber wenn ich auf diese Decke schaue, dann ist sie für mich eine Hommage an die männlichen Geschlechtsteile. Ich fürchte, ich bin talentfrei.

Sei’s drum. Wie immer im Leben: Alles ist schwer, bevor es einfach wird. Irgendwann lerne sogar ich das noch. Hoffe ich.

Kommt gut durch die Woche!
Liebe Grüße

Barbara

P:S: Huch, so gerade eben noch Dienstag! Also auf zum Creadienstag!

02/5/16

EWA die Zweite, ein Stoffschatz und ein toller US-Online-Shop

Machwerk_EWA9
Ich liebe meine Stoffe. Da pflege ich ein für Außenstehende nicht nachvollziehbares, inniges Verhältnis. Das ist mir erst vor ein paar Wochen wieder aufgefallen, als ich mein komplettes Nähzimmer innerhalb des Hauses in einen neuen, aber noch unfertigen Raum umgezogen habe (dazu in ein paar Monaten mehr. So lange wird es sicherlich noch dauern bis alles fertig ist. Jedenfalls wenn es im jetzigen Tempo weitergeht). Jeden einzelnen Stoff habe ich angefasst (und tue es noch), weil die neuen Schränke ein anderes Maß haben und damit alles neu gefaltet werden muss. Was für eine Aufgabe bei den Massen, die sich hier angesammelt haben! Aber auch schön, denn so manchen Schatz habe ich gewissermaßen wiederentdeckt und durch Zufall haben sich neue, ganz ungeahnte Kombinationen auf dem Nähtisch ergeben. Schön ist das! Ich kann Euch nur raten, wenn Ihr mal kreativen Input braucht, reißt mal alles aus dem Schrank oder Regal und sortiert neu.
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Und doch liebe ich einige Stoffe noch ein bisschen mehr als andere. Zum Beispiel die Octopusse von Sarah Watts aus der Serie Tokyo Train Ride von Cotton & Steel. Dieser Stoff kam auch unter Patchworkern super an, dabei gab es ihn in dieser Farbe nur als Lawn, also auf einer sehr dünnen, feinen Baumwolle, die man vorrangig für Bekleidung nutzt. Und beherzt habe ich mir 3 Meter bestellt, um mir daraus eine Tunika zu nähen. Und als ich mich noch in Geduld übte, während meine Bestellung wochenlang über den großen Teich und durch den deutschen Zoll geschleust wurde, kamen langsam Zweifel auf, ob bei meiner Figur ein so großes Muster nicht die komplett falsche Wahl war. In einer zarten XS-Version sicherlich bezaubernd. Aber ich sehe damit wahrscheinlich aus wie ein lebendes Großraumaquarium. Und so lag ein echter Stoffliebling für sehr lange Zeit ungenutzt im Schrank. Ein Jammer.
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Als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal ein Foto von Frau Machwerks neuer EWA-Tasche sah, kam mir der Gedanke, dass diese große Taschenfläche außen perfekt geeignet wäre um wenigstens ein paar Zentimetern des Octopus-Schatzes endlich ins Leben zu verhelfen. Die Anleitung sah zwar vor, dass ein tendenziell fester Außenstoff wie Wachstuch, Canvas, (Kunst-) Leder oder ähnliches verwendet werden soll, aber dank meiner Wunderwaffe Vlieseline G700, die aus jedem Stoff eine etwas festere Version macht ohne jedoch den Stoff zu versteifen, habe ich es gewagt und diesen dünnen Bekleidungsstoff als Außenstoff für meine EWA verwendet. Einfach alle beide Außenteile damit bebügeln und schon kann jeder Patchworkstoff als Taschenstoff herhalten. Liebe Allison, ich kann Dir gar nicht genug für diesen Tipp danken!
Machwerk_EWA3
Auch hier habe ich auf weitere Vlieseline innen und außen verzichtet und stattdessen auf die beiden Taschenaußenteile und den Taschenboden Soft & Stable aufgenäht. Und auch hier ist das Ergebnis eine Tasche, die aus sich selbst heraus steht, aber nicht wie ein Surfbrett unterm Arm liegt und biegsam ist.

Diesmal habe ich auf die größere Version des Schnitts zurückgegriffen und an der Seite weniger Falten gelegt als vorgesehen. Damit ist der Eingriff breiter. Ob mir das so besser gefällt weiß ich noch nicht. Vielleicht ergänze ich noch Ösen um mehr Falten zu erzeugen.

Kombiniert habe ich dazu einen marineblauen Ziegenvelours für den Taschenboden. Ziegenvelours ist ein sehr dünnes, weiches, fast schon elastisches Rauleder und sicher gut geeignet für alle, die sich zum ersten Mal an Leder wagen wollen. Damit kommt absolut jede Nähmaschine zurecht. Ohne einer Verstärkung wie Soft & Stable ist es allerdings als Taschenboden zu dünn.
Träger EWA Machwerk_EWA5
Für die Henkel war das Ziegenvelours ebenfalls zu dünn, deshalb habe ich einen Streifen Ziegenvelours auf einen Streifen etwas stabileres Lammleder genäht. Damit sind die Träger weich und biegsam, aber formstabil und zweifarbig.
Machwerk_EWA2
Eigentlich wollte ich aus dem Lammleder eine Paspel zwischen Boden und Außentasche setzen. Doch während des abendlichen Nähens habe ich ein Hörbuch gehört , völlig in Gedanken vor mich hin genäht und sie einfach vergessen. Blöd. Wieder Auftrennen ist bei Leder keine gute Idee, deshalb habe ich die geplante Paspel einfach weggelassen.
Innenleben EWA
Innen habe ich die pinken Sprinkle von Cotton & Steel vernäht. Für das Trennfach und die Handytasche wieder die Octopusse und für das Tascheninnenleben sowohl innen, als auch außen, die Cotton & Steel Sprinkles in Midnight. Diese Sprinkles sind ein wirklich toller Basicstoff.
Innenleben EWA2Machwerk_EWA6
Die Ringe, Reißverschlüsse und der Schieber stammen auch bei dieser Tasche aus dem Machwerk-Shop.

Eigentlich sieht der Schnitt vor, den Druckknopf aus Stabilitätsgründen mit Leder oder Filz zu unterlegen. Ein wirklich kostbarer Hinweis! Ich erinnere mich an die erste Kindergartentasche, die ich genäht habe. Dort war im Schnittmuster kein Hinweis auf eine Verstärkung und natürlich war der Druckknopf ruck-zuck ausgerissen. Um das zu reparieren, muss man die Tasche wieder auseinandernehmen. Eine ätzende Aufgabe.
Druckknopf verstärken
Seitdem verstärke ich alle Druckknöpfe mit einer doppelten Lage Soft & Stable. Damit kann man auf die Verstärkung außen verzichten (außer man möchte sie aus dekorativen Gründen anbringen).
Machwerk_EWA10
Und gerade heute morgen durfte ich neue Stoffschätze von Zoll abholen. Die Stoffe gehören zur aktuellen “Bluebird”-Serie von Cotton & Steel . Viele verschiedene Muster in verschiedensten Blautönen.
Cotton_and_Steel_Bluebird
Und wegen großer Nachfrage gibt es auch wieder die Octopusse, diesmal u.a. in königsblau und auf Quilting Cotton, also normaler Baumwolle. Mal sehn, was ich daraus nähe. Denn auch wenn ich für mich eine Lösung gefunden habe aus meinem dünnen Bekleidungsstoff eine Tasche zu nähen ist Quilting Cotton dafür sicher besser geeignet.
Unbenannt
Meine Stoffe kommen übrigens von Stash Fabrics, einem der wenigen US-Online-Shops, die auch 1/4 Yard, also ca. 23 cm bei voller Stoffbreite von 110cm, zuschneiden. Für eine Tasche zu wenig, aber für eine Kosmetiktasche mehr als genug. Ganz generell sind Patchworkern die normalerweise angebotenen 1/2 Yard-Mindestmengen (ca. 46 cm) oft zu viel. Wer also Variation sucht ist bei Stash Fabrics genau richtig.
Stash Farbics Kona Cotton
Besonders gefällt mir bei Stash Fabrics die riesige Auswahl an Uni- und Basicstoffen verschiedenster Hersteller wie Kona Cotton (oben) oder Pure Elements von Art Gallery (unten).
Pure Elements_Art Gallery
Zum Beispiel führt Stash Fabrics alle 303 Unis von Kona Cotton. Wer kann da schon widerstehen?
Stash Farbics Kona Cotton dark Kona_Cotton_bright

Ich sehr offensichtlich nicht. Euch allen ein schönes Wochenende!
Viele Grüße Barbara

02/1/16

EWA – ein echter Taschenliebling

Bevor ich Euch jetzt seitenlang von einem neuen Taschenschnitt namens EWA vorschwärme (denn der es mir wirklich angetan), möchte ich ein ganz herzliches Dankeschön für Eure Kommentare und Nachrichten loswerden. Danke für Euer Verständnis und die vielen lieben Worte.
Machwerk EWA 1

Aber jetzt zur wesentlichen Nachricht des Tages: Seit heute morgen ist Frau Machwerks neuer Taschenschnitt “EWA” als Download im Machwerk-Shop. Zwei Versionen habe ich mir in der letzten Woche genäht und ich bin RESTLOS begeistert von diesem Schnitt. Aber seht selbst:
Machwerk EWA 6
Von außen ist EWA eine schlichte Tasche mit raffinierten Details. Eigentlich sieht das Schnittmuster eine Paspel zwischen Boden und Stoff vor. Die habe ich hier bewusst weggelassen,  denn ich wollte sie außen schlicht halten. Aber in der wie immer ganz hervorragenden Bild-für-Bild-Anleitung ist genau erklärt wie das gemacht wird.
Machwerk EWA Ringe-2
Machwerk EWA Schlaufenbügel
An der Seite wird die Tasche in Falten gelegt. Diese hochwertigen Ringe, die sich öffnen lassen, geben ihr das gewisse Etwas. Ihr bekommt sie im Machwerk-Shop. In der großen Größe und in dieser hochwertigen Ausführung habe ich sie sonst noch nirgends gesehen.
Machwerk EWA 9
Einziges Extra außen ist die Reißverschlusstasche für alles, was man schnell erreichen will. Der Reißverschluss hat eine Metalloptik, ist aber aus Kunststoff und damit ganz einfach zu verarbeiten. Über die Zähnchen kann man einfach drübernähen. Bei Metallreißverschlüssen muss man da höllisch aufpassen, dass die Nadeln nicht abbrechen.
Machwerk EWA Außentasche
Mit diesen Reißverschlüssen hat man alle optischen Vorteile der Metallvariante aber ohne Risiko. Wenn das mal nix ist.
Machwerk EWA Tassel2
Dieser Bommel ist aus einem Reststück Ziegenvelours gemacht. Ein kleines, süßes Detail an jeder Tasche. Wie man so etwas macht seht ihr z.B. hier oder hier.
Machwerk EWA Innenleben
Aber jetzt kommen wir zum eigentlichen Highlight des Schnitts: Das Innenleben. Da geht mir doch gleich das Herz auf! Eine geräumige Innentasche, unterteilt durch ein Mittelfach mit Reißverschluss. Das Mittelfach ist auch in der normalen Grösse groß genug um ein Tablet oder einen E-Reader  darin zu verstauen. Zusätzlich hat EWA zwei Seitenfächer für Handy, Taschentücher und Co. und ein kleines Plätzchen für einen Stift. Da bleiben doch keine Wünsche offen, oder? Auch hier wird eine dekorative Paspel eingenäht.
Machwerk EWA Druckknopf
Geschlossen wird die Tasche zusätzlich mit einem Magnetknopf um den Inhalt vor Eingriffen zu schützen. Damit der Knopf auch bei häufigerem Gebrauch nicht ausreißen kann, wird er noch dekorativ unterlegt. Auch das sieht das Schnittmuster so vor.
Machwerk EWA 8
Ich muss gestehen: Ich habe schon einige Taschen genäht, die sich im Alltag nicht bewährt haben. Zu klein oder zu groß, welche, die sich nicht vernünftig schließen lassen,  Taschen ohne Inneneinteilung und Versionen, die sich als optisch zu wild und damit für mich als nicht alltagstauglich herausgestellt haben. Dieser Schnitt ganz sicher nicht. EWA hat echtes Lieblingstaschenpotential!

Und deshalb habe ich auch direkt zwei EWAs genäht, die optisch jedoch sehr unterschiedlich sind. Für diese hier habe ich die normale Schnittgröße gewählt.  Die zweite Version ist eine große EWA und folgt mit vielen Bildern in den nächsten Tagen.
Machwerk EWA Außen
Für mich ist grün eine ungewöhnliche Taschen- und auch Garderobenfarbe. Im Alltag ist marineblau meine Lieblingsfarbe.  Aber als mir dieser Stoff in diesem Geschäft für Möbelstoffe durch Zufall die Hände fiel war mir sofort klar, dass ich hieraus eine Tasche nähen wollte. Schön stabil aber trotzdem weich und ein herrlicher Glanz! Beim Nähen habe ich ihn zusätzlich lieben gelernt denn er lässt sich toll verarbeiten und “schluckt” die Stiche. Damit sieht es noch ein bisschen cleaner aus.

Der Boden der Tasche ist aus cognac-fabendem Nappaleder genäht. Dasselbe Leder habe ich hier schonmal verwendet. Ein tolles Material mit einer unglaublich schönen Haptik.
Der Lederversand Berlin
Gekauft habe ich ihn damals über den Ebay-Shop vom  “Lederladen” in Berlin, den ich gemeinsam mit Grete inzwischen auch persönlich besucht habe. Und wir haben ordentlich was rausgetragen. Meine Güte! Lederkaufrausch könnte man das nennen. Auch wenn ich ehrlich gesagt nicht viel Vergleich habe, finde ich die Preise dort absolut in Ordnung.
Der Lederversand Berlin2
Was die Baumwollstoffe innen betrifft, so hatte ich nicht viel Auswahl im Schrank. Ein für mich recht ungewöhnlicher Zustand aber grün ist eben keine erklärte Lieblingsfarbe von mir. Gefunden habe ich die Sterne von Tula Pink und zwei echte Schätzchen von Sarah Watts für die Innentasche und das Futter des Außenbeutels aus ihrer Serie Feather ‘n Stitch für Blend. Der Stoff ist schon ein paar Jahre alt und ich habe leider keine Bezugsquelle dafür mehr finden können. Aber schön isser, oder? Und in den Tiefen des Stoffschranks habe ich auch noch ein Stück perfekt passender Samt-Paspel finden können, die ich mal von meiner Freudin Anne geschenkt bekommen habe. Auch hier habe ich leider keine Ahnung wo man so etwas finden kann.
Machwerk EWA 3
Die Henkel zu dieser Tasche habe ich von Martina/Frau Machwerk geschenkt bekommen. Sind die nicht schick? Sie hat sie selbst gemacht und auch ein paar für ihren Online-Shop produziert. Sie passen so gut zu diesem Schnitt. Vielen Dank nochmal dafür, Martina! Da hast Du mir eine große Freude gemacht. Und mit  dem Schnitt erst recht.

Nur was das Futter betrifft habe ich mich nicht an Martinas Anleitung gehalten und statt eines Volumenvlieses bzw. Decofil light auf mein Lieblingstaschenvlies “Soft and Stable” zurückgegriffen. Für mich muss eine Tasche einfach Stand und eine gewisse Festigkeit haben. Gefüttert habe ich das Leder und den Außenstoff. Das reicht völlig und so ist EWA für mich perfekt.

EWA ist eine schlichte aber raffinierte Tasche und wird ganz sicher ein Dauerbrenner, nicht nur bei mir. Da Martinas Anleitungen wirklich sehr genau beschrieben sind, kommt damit auch ein fortgeschrittener Anfänger zurecht. Wer etwas Bammel hat lässt für den Anfang vielleicht das innere Reißverschlussfach weg.

Die Bezugsquellen nochmal zusammengefasst:

Machwerk EWA 2

Schnittmuster: EWA von Machwerk, genäht in der normalen Größe, ohne Paspel
Futter: Soft & Stable von Stoffsalat
Leder: Der Lederversand, Berlin
Schlingträger, Ringe, Magnetverschlüsse und Reißverschlüsse: Machwerk-Shop (es gibt auch ein Materialpaket für diese Tasche)
Stoff außen: Möbelstoff von Stoff Wohnkultur in Berlin, leider ohne Online-Shop
Stoffe innen: Feather ‘n Stitch, Dot Trellis Green von Sarah Watts für Blend (eine alte Serie) und Tula Pink, Fox Field Vintage Stars, z.B. hier oder hier.
Ösen: Prym, 11mm

Und in ein paar Tagen dann EWA zwei. Kommt gut durch die Woche!
Viele Grüße

Barbara