01/20/17

2016 – ein Jahresrückblick auf ein Jahr, dass sich wie zwei anfühlt

Ihr Lieben,

Seit 20 Tagen heißt das Jahr nun 2017. An Silvester habe ich in diesem Jahr besonders tief Luft geholt während die vergangenen 365 Tage im Geiste noch einmal an mir vorbeigezogen sind. Für mich war 2016 ein besonderes Jahr. Eines, dass in mir viel angestoßen hat. Eines, dass ich als eine andere wieder verlassen habe. Aber so ist das Leben: Manchmal läuft alles rund und in geregelten Bahnen, manchmal ist das Leben so schön, dass man es kaum fassen kann und manchmal reihen sich die großen und kleinen Katastrophen aneinander. In diesem Jahr war von allem ordentlich was dabei.

Hier auf dem Blog war es mehrfach viel zu lange ruhig. Das Leben hat getobt! Diejenigen, die mir auf Instagram folgen haben etwas mehr mitbekommen. Ein Foto lässt sich immer schnell hochladen. Ein Blogpost ist nicht ganz so schnell geschrieben.

2016 wird für mich in Erinnerung bleiben als das Jahr mit zwei schweren Autounfällen, einen alleine, einen mit der ganzen Familie auf der Autobahn. Gerade der Unfall mit der Familie, obwohl er im Ergebnis glimpflicher ausgegangen ist, hat mir gezeigt welches Ausmaß an Angst man in wenigen Minuten durchleben kann. Auch Sorge habe ich über die Maßen erfahren. Sorge um ein Kind. Monatelang hat sie mich Tag und Nacht begleitet. Eine unerwartete Wendung hat im Sommer alles verändert und die Tatsache, dass es meiner Tochter endlich gut geht, ist für mich das größte Glück des Jahres.

Seit dem Frühjahr haben wir wieder einen Hund im Haus! Ein silberner Labrador namens Duke mischt seitdem unseren Alltag auf. Er ist ein unglaublich lieber und lustiger Kerl aber eben auch ein Baby mit einer Menge Quatsch im Kopf und viel Freude an Bewegung. Auch an verregneten Herbst- und eiskalten Wintertagen. Brrrr. Ist ja an sich kein Fehler in solchen Momenten vor die Tür zu gehen, fühlt sich aber gleichzeitig so an.

Wir haben uns prima aneinander gewöhnt. Jedenfalls bis er auf die Idee kam das Kabel meines Nähmaschinenpedals zu zerbeißen. Das war ein durchaus schwieriger Tag für uns beide.
Collage Hund_kl(Auf den Fotos: Der Jumpsuit “Hoppe” nach einem Schnitt von Straight Grain. In Frottee sehr bequem und sommertauglich.)

2016 war gleichzeitig das Jahr der Feiern: Wir haben Einladungen erhalten zu einer Goldenen und einer Silberhochzeit, 7 Hochzeiten in drei Ländern und dazu mehrere runde Geburtstage. Das waren unglaublich schöne Tage.

Eine Hochzeit im März haben wir in Estoril bei Lissabon verbracht. Die Braut war Portugiesin und der Bräutigam ein Studienfreund. Die Hochzeit war unglaublich! Gefeiert haben wir in dieser alten Burg über dem Meer.
Collage Portugal2
Dann haben wir u.a. die junge Dame deren Babysitterin ich früher sein durfte und den besten Freund meines Mannes unter die Haube bekommen. Als Trauzeuge auch etwas ganz besonders Emotionales mit Rede und allem Pipapo und anschließend ein rauschendes Fest in der Zeche Zollverein.

Den Sommer haben wir in Tirol und Südtirol verbracht. Es waren herrliche Tage mit viel Sonne und Schwimmen in den Seen der Region. Fast überall durfte der Hund mit. Wir haben es uns richtig gut gehen lassen.
Südtirol
(Theresas Kleid ist “Joey”, ein Schnitt von “Make it perfect”, genäht aus wunderschönem Jersey von Katarina Rocella aus der “Lavish”-Serie)

Im September dann haben wir in Wien gefeiert. Auch diese Hochzeit war ein unglaubliches Erlebnis. Geheiratet in Grinzing und alle Mädels standesgemäß in selbst genähten Dirndln. Gegessen haben wir in Heurigen und gefeiert wurde im Haus des Meeres, einem mehrstöckigem Aquarium mit einer Location im 11. Stock hoch über Wien. Mit rund-um-Glasbalkon und über 20 Grad bis spät in die Nacht. Diesen Tag werde ich wohl nie vergessen. Dort durfte ich Fische mit der Hand füttern uns streicheln. Das war ein tolles Erlebnis!

Ich bin ja durch und durch Familienmensch. Endlich wieder alle Schwestern, Tanten und Cousins um mich! Diese Tage genieße ich sehr. Die Kinder fanden Wien und das Haus des Meeres so toll, dass wir in den Herbstferien wiedergekommen sind und danach noch ein paar Tage in der Wachau verbracht haben. Auf der Rückfahrt ist uns dann der Autounfall passiert.
Wien im Sommer
Zwischendurch immer wieder große und kleine Katastrophen. Einbrecher im Haus. Das war alles andere als schön. Die Kinder hatten wochenlang Angst im eigenen Zuhause. Dazu der Verlust von Erbschmuck, der mir viel bedeutet hat. Daran hatten wir eine ganze Weile zu knabbern.

Habt Ihr eigentlich mitbekommen, dass der Blog im Sommer mal eine Weile weg war? Auch nicht lustig. Es hat viel Mühe und Schweiß gekostet die Inhalte zu retten und alles wieder hochzuladen. Ich hab schon fest damit gerechnet, dass alles futsch ist.

Gedanklich habe ich Freunde durch schwere Zeiten begleitet. Denn am Ende des Tages ist ein Blog oder gestohlene Dinge sowas von wurscht, wenn ein Leben auf dem Spiel steht. Aber zum Glück scheint auch hier am Ende alles gut ausgegangen zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar.

Überhaupt ein guter Moment über das nachzudenken wofür ich dankbar bin: Für meine Familie und Freunde. Vielleicht sei hier im Blog besonders erwähnt, wie sehr ich mich über die freue, die durch mein Hobby Nähen und diesen Blog in mein Leben gekommen sind. Nähen ist definitiv ein Teamsport!
Nähen ist ein Teamsport(Im Uhrzeigersinn: Grete von Stoffsalat, aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken, Carola alias Idaroellchen, wir haben gemeinsame Näh- und Quatsch-Nachmittage für uns entdeckt, Bine von Echt Knorke, wir genießen nicht nur das Beisammensein, sondern auch gutes Sushi, Ina von Pattydoo, hier bei ihrer rauschenden Buchparty. In diesem Jahr durfte ich Teil ihrer Blogtour sein und last but not least Annelie von Ahoi, gern gesehener Gast in Bochum und Verbündete in Sachen guter Rotwein).

Im Herbst dann Segeln in Dänemark. Oh wie ich Euch beneide, die ihr da oben an der Küste wohnt! Bis ich im letzten Jahr zum ersten Mal auf einem Segelboot stand dachte ich immer ich sei der Berg-Typ. Aber dann. Die Tage auf dem Wasser und schlafen im Boot in einer Phase, in der ich innerlich mächtig aus dem Gleichgewicht geraten bin, war die beste Kur überhaupt. Wenn einem der Wind um die Nase weht vergisst man die Welt.
SegelnUnd auch mit einem kleinen Wurm auf dem Arm ist das Glück perfekt. Der kleine Elian bzw. meine Schwester Veronika hat mich im Dezember wieder Tante werden lassen und ganz großes Glück in unsere Familie gebracht. Ich bin sowas von verliebt!! Zu ihrem zweiten Baby des Jahres, ihrem neuen Buch, in den nächsten Wochen mehr!
Elian

Nach mehr als einem Jahrzehnt mit denselben Menschen habe ich vor ein paar Wochen beruflich neu angefangen. Der Schritt ist mir sehr schwer gefallen. Seit ein paar Wochen bin ich nun “die Neue”. Die Tage sind stressig und ich lerne eine Menge. Aber gleichzeitig wusste ich von Anfang an, dass ich richtig entschieden habe. Aber ein Alltag hat sich verständlicherweise noch nicht eingestellt.

Insofern geht der Wirbel vorerst weiter und ich versuche das Nähen und Bloggen irgendwie beizubehalten. So vieles habe ich in diesem Jahr genäht und gewerkelt und Euch vorenthalten.

Zum Beispiel meine neu entdeckte Liebe für Filz! Filigrane Oster- und Weihnachtsdeko oder Geburtstagskronen. Daran habe ich viel Freude. Endlich habe ich auch angefangen für mich zu nähen! Immerhin auf 3  Kleider habe ich es gebracht, die ich auch regelmäßig trage. Dazu so manches an Kindergarderobe.
Collage instagram
(Kosmetiktasche: Schnitt von Noodlehead (ich habe ihn etwas vergrößert), der Stoff ist Nightfall von Maureen Cracknell, das Kleid des kleinen Flitzers ist nach dem Schnitt von Townmouse Patterns namens Adelaide Sundress entstanden. Perfekt für warme Sommertage!)

Und Quilts. Da liegt hier so einiges im fertigen und halbfertigen Zustand rum. Die Ergebnisse streue ich dann in den kommenden Wochen und/oder Monaten hier im Blog ein. Die nächsten drei sind schon im Geiste in Planung. Quilttops nähe ich wirklich gerne. Fast so entspannend wie Kosmetiktaschen.
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Aber erstmal geht es hier im Blog mit einer Verlosung weiter. Grete und ich haben bereits vor ein paar Wochen gewerkelt und uns einen, wie ich finde, tollen Preis für Euch überlegt. Und viel Inspiration für alle anderen. Ich hoffe, das gefällt Euch so gut wie mir. Dazu in den nächsten Tagen mehr.

An sich schaue ich also ganz entspannt auf 2017. Es läuft gut an! Wobei – vor ein paar Tagen ist das Wasserbett geplatzt. Nachts. Ich lag drin. Das ist im Nachhinein deutlich komischer als in dem Moment mitten in der Nacht.

Ich bin also vorsichtshalber auch für das neue Jahr auf alles gefasst. Euch von Herzen alles Gute für 2017!

Viele Grüße,
Barbara

01/28/16

Lebenszeichen

Ein frohes neues Jahr, meine Lieben! Darf man das an einem 28. Januar überhaupt noch wünschen? Aber es bleiben Euch und mir ja immer noch 11 Monate, um viel Schönes zu erleben und um Euch mit unserem gemeinsamen Hobby so richtig kreativ auszuleben. Kurzum: Ein erfülltes, analoges Leben. Das wünsche ich Euch.
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Und da sind wir auch schon bei meinem aktuellen Dilemma. Mein letzter Blogpost ist schon viele Wochen alt. Eine so lange Pause hat sich hier noch nie eingeschlichen. Mir liegt jetzt auf der Zunge (bzw. in den Fingern) eine Entschuldigung hinterherzuschieben. Weil ich es selber nicht so will und mir wünsche, dass ich sehr regelmäßig zum Bloggen komme. Nur noch eine Entschuldigung mehr, denn es ist mittlerweile ein echtes Mantra geworden, jeder Blogleser-Email und jedem Blogpost eine Entschuldigung beizulegen. Für die viel zu späte Antwort. Für die immer noch nicht gezeigten Bilder aus Houston (ist ja erst ein Vierteljahr her, dass wir da waren…), für die Dinge, die hier längst umgesetzt hätten werden sollen und immer noch auf Veröffentlichung warten. Auf nicht besprochene Bücher, und so weiter, und so weiter. Tatsache ist: Mein Anspruch an meinen Blog und die Wirklichkeit driften immer weiter auseinander. Und damit bin ich nicht glücklich.
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(Charlotte mit Ihrer Bluse aus Liberty Tana Lawn, Schnitt: Oliver & S, Butterfly Blouse. Die Bluse hat es leider nie in den Blog geschafft. Völlig unverdient, denn Schnitt, Stoff und Model sind toll!)

Als ich diesen Blog gestartet habe, hätte ich niemals damit gerechnet, dass hier mal tausende Menschen verfolgen, was ich mir in meinen regelmäßigen Nachtschichten so zusammenbastle. In meinen kühnsten Träumen nicht. Selbst in den letzten Wochen, ohne das es hier irgendetwas Neues zu sehen gäbe, schauen jeden Tag Tausende vorbei. Ich empfinde das als großes Kompliment und ich danke Euch dafür.

Damals, als ich diesen Blog gestartet habe, habe ich auch nicht im Ansatz absehen können, was das für mich und meinen Alltag bedeutet. Jeden Tag erreichen mich Emails mit Fragen aller Art, Sponsorenanfragen und auch die Social Media Kanäle wollen gepflegt werden. Probenähen und Blogtouren haben feste Abgabetermine für Beiträge. Und so gibt es neben einer beruflichen, mittlerweile auch eine tägliche Blog-to-do-Liste, die ich am Feierabend abarbeiten muss. Eigentlich ist dieser Blog, wollte man ihn auf dem Professionalitätslevel halten, auf dem ich ihn gerne hätte, ein Halbtagsjob. Ich hab aber schon einen Job, und der ist nicht halbtags. Und ich habe eine Familie mit zwei kleinen Kindern, deren Bedürfnisse an erster Stelle stehen.

Sicherlich könnte ich diesen Blog mittlerweile auch kommerzialisieren und ihn zu einem (Teilzeit-) Job für mich machen. Und es würde mir sogar Spaß machen, da bin ich sicher. Denn das Nähen und Schreiben macht mir wahnsinnig viel Freude. Aber kommerzialisieren heißt, mit Firmen zusammenarbeiten und Euch vieles vorstellen, wofür ich von Auftraggebern bezahlt werde. Ich finde es absolut legitim als Blogger solche Angebote anzunehmen und sich für die viele Arbeit auch entlohnen zu lassen. Und viele Blogger haben das sehr gut im Griff, schreiben abwechslungsreiche, informative und absolut lesenswerte Posts, auch wenn ein Sponsorenauftrag dahintersteht. Und vor allem wählen sie mit Bedacht, welche Kooperation ihnen für ihre Leser sinnvoll und glaubwürdig erscheinen. Eine echte Gradwanderung und Hut ab vor jedem, der das gut im Griff hat.

Ich selbst habe mir zu Anfang auf die Fahnen geschrieben hier niemals ein Produkt anzupreisen, dass ich nicht vorab selbst getestet und für gut befunden habe. So gut, dass ich es meiner besten Freundin empfehlen würde. Und daran habe ich immer festgehalten. Deshalb lautet meine tägliche Antwort in Emails bei Sponsorenanfragen: Danke für die Email und Anfrage, aber nein.

IMG_7990 IMG_7989(Charlottes erste Frage nach dem Kindergarten: Mama, darf ich Dir heute wieder die Nase anmalen? Wenn es mal nur bei der Nase bliebe…)

Vor ein paar Wochen hat mein analoges Leben von jetzt auf gleich meine volle Aufmerksamkeit verlangt. Ich habe Dienstreisen abgesagt, Weihnachtsgeschenke online bestellt und mich voll und ganz der Familie gewidmet. Und während dieses ungeplanten Rückzugs habe ich mich wirklich gefragt, ob ich das noch so will. Ob es mir gut tut mich für ein Hobby einem ewig schlechten Gewissen auszusetzen. “Aber Du schuldest doch keinem was” sagt mein Mann dann immer. “Entspann Dich!”. Aber das fällt mir schwer. Wenn mir jemand eine Email mit einer dringenden Frage schickt und ich erst Tage später antworten kann, dann tut mir das leid! So möchte ich nicht mit Euch umgehen. Auch eine Sponsorenanfrage nicht zu beantworten, auch wenn die Antwort “Nein, danke” lautet, ist einfach unhöflich.

Und nach langem inneren Hin und Her, bei dem ich für mich auch die Option durchdacht habe mit dem Bloggen ganz aufzuhören, habe ich mich dazu entschieden, weiter zu schreiben. Aber wahrscheinlich seltener als bisher. Eben so wie ich es schaffe, ohne mir dafür ein Bein ausreißen zu müssen.

Für mich hat sich Instagram, ein soziales Netzwerk, in dem Fotos geteilt werden, als beste Möglichkeit herausgestellt in Kontakt mit anderen Nähbegeisterten zu bleiben. Da wird oft nur ein schnelles Handybild hochgeladen, ein Satz dazu – fertig. Das kriege ich hin, auch mehrmals die Woche. Wie genau Instagram funktioniert wird hier gut erklärt.
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(eine Patchwork-Schultüte, die ich in diesem Sommer genäht habe, Stoffe: Mo Bedell, Full Moon Lagoon für Andover, leider nicht mehr zu bekommen. Auch hierzu hat es leider nie einen Blogpost gegeben)

Und so gibt es in meinem Instagram-Profil mittlerweile immer die aktuellen Fotos. Alle hier gezeigten Fotos stammen aus meinem Instagram-Feed. Und auch wenn viele Blogger mittlerweile ganz zu Instagram abdriften, werde ich das nicht tun. Ich schreibe gerne, ich gebe mir gerne Mühe mit einem Foto und einer Anleitung und deshalb wird es auch den Blog weiter geben. Wer mir aber bei Instagram folgen will, ist herzlich eingeladen. Dort heiße ich, wie hier, Dasmachichnachts (Namen werden dort immer zusammengeschrieben oder können nur durch Sonderzeichen getrennt werden). Wenn Ihr mir etwas Genähtes zeigen oder mich etwas fragen wollt, schreibt unter Euer Foto @dasmachichnachts, dann taucht Eure Nachricht bei mir auf und ich kann Euch antworten. Das hat sich für mich als die schnellste Art der Kommunikation rausgestellt.
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Von mir gibt es also an dieser Stelle keine Vorsätze für dieses Jahr. Was kommt, das kommt. Ich freue mich, wenn wir uns auch über kleinere Pausen hinweg erhalten bleiben und ich Euch hin und wieder mit etwas Schönem hier willkommen heißen darf.
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Aber hiermit lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster. Momentan nähe ich nach einer kleinen Patchworkphase zwei Taschen, die es definitiv kommende Woche hier zu sehen gibt. Frau Machwerk war nämlich wieder fleißig und hat, so finde ich, ihren bisher besten Schnitt konzipiert. Ich bin gespannt, ob er Euch auch so gut gefällt wie mir. Aber mehr dazu in ein paar Tagen.

Viele Grüße
Barbara

01/28/15

Ein besonderes Geschenk

Ende des letzten Jahres habe ich, während ich die Collagen für den Jahresrückblick zusammengestellt habe, eine Menge Fotos von meinen selbstgenähten Stücken gesichtet. So vieles hat es nie hier auf den Blog geschafft weil ich a) keine oder nur schlechte Fotos gemacht habe, b) ich es mir zwar vorgenommen, aber es einfach noch nicht gebacken bekommen habe oder in vielen Fällen c) weil ich mich darum bemühe nur etwas zu schreiben, wenn ich dazu auch etwas zu sagen habe und wen interessiert schon die 13. Stifterolle, die 10. Leggins oder schon wieder eine Kosmetiktasche?
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Und eben diese Kosmetiktaschen habe ich beim Sichten der Bilder gemerkt, habe ich wirklich in rauen Mengen genäht. 42 Stück waren es, Wahnsinn. Da hab ich ja bis auf den Briefträger so ziemlich jeden in meinem Umfeld mit einer bedacht!

Umso peinlicher war es mir, als mein von mir sehr geliebter Vater vor ein paar Wochen im Vorbeigehen meinte, dass wenn ich mal irgendwann Zeit hätte (aber bitte auf keinen Fall nachts, da soll ich schlafen!) und von irgendeinem Stoff noch ein Rest über wäre (zzzz…keine Sorge, an Stoff wird es mir in diesem Leben nicht mangeln), er sich sehr über eine Reisetasche für seine Sachen freuen würde. Um Himmels Willen: Wie konnte ich meinen Papa vergessen?!
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Dazu muss ich vielleicht etwas weiter ausholen: Mein Papa ist nicht nur mein treuester Blogleser seit den ersten Zeilen (und das obwohl er sich so gar nicht für die Materie interessiert) sondern seit 35 Jahren mein Fels in der Brandung. Ich habe das große Glück einer wunderbaren Familie, zwei liebende Eltern und die großartigsten 5 Geschwister der Welt. Und doch war ich von klein auf ein Papa-Kind. Zu ihm schaue ich bis heute auf, er ist mein Ratgeber und Zufluchtspunkt, von ihm habe ich für mein Leben gelernt. Er lebt mir vor, wie man ohne dem Ausfahren von Ellenbogen beruflich erfolgreich sein kann, wie man selbst ein glückliches Leben führt und trotzdem für andere da ist. Er ist großzügig, humorvoll, warmherzig, charmant und sehr intelligent. Er hat mir gezeigt, wie man offen und mit großen Vertrauen ins Leben zieht und wie man noch so hart in der Sache diskutieren kann aber niemals dabei den Gegenüber persönlich verletzt. Dieses Vorbild ist ein Schatz für mein ganzes Leben. Er ist mein heißgeliebter Vater.

Heute wird mein Vater 70 Jahre alt. Ich bin so dankbar, dass es 70 gesunde und schöne Jahre waren und wünsche ihm und mir so sehr, dass noch ganz viele folgen.

Und zu seinem Geburtstag hat mein Vater endlich seine Tasche bekommen. Genauer gesagt habe ich zwei genäht weil ich mich einfach für keine Variante entscheiden konnte. Denn selbstverständlich habe ich nicht wahllos einen Stoffrest aus dem Schrank gezogen sondern nach einer Farbe oder einem Motiv gesucht, dass auch zu ihm passt. Und ich muss sagen: Ich finde es schwierig für Männer etwas Farbenfrohes zu nähen, was eben immer noch männlich aussieht und nicht wie die ausgeborgte Tasche der Frau oder Enkelin.
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Die erste Tasche ist eine Mischung aus braunem Nappa-Leder und einem gehüteten Stoffschatz von Anna Maria Horner. Er heißt “Hugs & Kisses” aus der Serie Lou Lou Thi in der Farbe ocean. Das fand ich sehr passend. Im Englischen ist das Kürzel “XOXO” die Kurzform für Hugs & Kisses, also “Umarmung und Küsschen”.
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Innen habe ich die Tasche mit einem passenden Uni gefüttert, Kona Cotton in der Farbe “Jamaica“.
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Die zweite Tasche ist ebenfalls aus einem meiner Lieblingsstoffe. Es sind Canvasstoffe aus der Birch-Serie The Groove, die ich bereits schon einmal hier zu einer Tasche vernäht habe. Mein Vater liebt Wildtiere, sowohl vor dem Fenster im Garten und vielleicht noch ein bißchen mehr auf dem Teller. Deshalb dachte ich, diese Tasche könnte ihm ebenfalls gefallen.
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Der Futterstoff stammt aus der Elk Groove-Serie, ist aber Baumwolle. Die Serie ist leider nur noch in kleinen Resten zu bekommen, deshalb kann ich hier keine Quelle benennen. Eine schöne Auswahl an Birch-Stoffen in Deutschland gibt es aber hier.
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Gefüttert sind sie wie immer mit Soft & Stable (etwas anderes kommt mir nicht mehr ins Haus) und der Schnitt ist selbstgebastelt. Wenn ich es irgendwann mal auf die Reihe bekomme kommt zu dieser Kosmetiktaschenversion auch eine ausführliche Anleitung.

Die Lederlabels stammen von Sirogane Leather Works aus Südkorea (hier dazu mehr, mit dem Hinweis “Das mach ich nachts” bekommt ihr bei der Bestellung Rabatt), die Metallreissverschlüsse habe ich bei ZipIt, einem Etsy Shop in den USA, bestellt. Sie sind von YKK und dort günstig und in großer Auswahl zu bekommen. Das Leder habe ich schon vor einer Weile als Reststück bei Ebay bestellt.
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Aber jetzt wieder zurück zu den wichtigen Dingen! Alles Liebe zum Geburtstag, Du bester Papa, den einem der Herrgott nur mit auf den Weg geben kann!

XOXO Barbara

12/19/14

Adventszeit und weihnachtliches Sticken

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Dieses Weihnachten. Eigentlich händelbar, sollte man meinen. Das Thema kommt ja schließlich ziemlich zuverlässig Ende Dezember in jedem Jahr auf uns zu. Und jedes Jahr wieder nehme ich mir im Frühjahr vor mir rechtzeitig Gedanken zum Thema Geschenke zu machen, vor allem zu denen, die ich selber nähen möchte. Im Hochsommer gibt es dann in allen Quilblogs, Zeitschriften und US-Shops “Christmas in July”-Aktionen denn die Weihnachtsstoffe kommen auf den Markt und spätestens das sollte dann als kleine Gedankenstütze dienen. Was soll ich sagen: Hat nur so mittel-gut geklappt. Im Oktober war ich noch euphorisch und voller Ideen. Und jetzt – hoppla-di-hopp – haben wir Mitte Dezember und mein Mann würde sagen: Sie hat gerade angefangen. Ich würde sagen: Zielgerade. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Zu meiner Verteidigung muss ich eine Großfamilie anbringen, die diesen Namen auch verdient hat. Liebe Kollegen und Erzieherinnen, bei denen es mir ein Anliegen war mit einer Kleinigkeit “Danke” zu sagen. Da galt es also so einiges zu produzieren. Somit erklärt sich der recht ruhige Dezember hier auf dem Blog. Aaaber, wie gesagt: Zielgerade.
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Abgesehen vom Geschenke-Wahnsinn habe ich in den Wach-Phasen der Kinder ganz bewusst zurückgeschaltet. Wir hatten als Familie eine wunderschöne Adventszeit und dafür bin ich sehr dankbar. Oma hat das Kekse backen mit den Kindern übernommen und sich mit dem Kekshaus selbst übertroffen.

Auf dem Wunschzettel der Großen standen in diesem Jahr nur 3 Dinge:

1. ein selbstgemachter Adventskalender (Ihr erinnert Euch an die Just-in-Time-Produktion im letzten Jahr? In diesem Jahr musste auch noch ein zweiter her denn die kleine Charlotte sollte nun auch einen haben. Ich habe also wieder 24 Leinensäckchen in unterschiedlichen Größen genäht und mit den Adventskalenderzahlen von Smila’s World, diesmal in blau,  bestickt).
Adventskalender blauAdventskalender rot

2. einen Adventskranz, den wir gemeinsam dekorieren,
Adventskranz
und 3. ein eigener kleiner Weihnachtsbaum in ihrem Zimmer.
Weihnachtsbaum
Einen eigenen Baum hatte sie im letzten Jahr das erste Mal und fand es einfach großartig. Alles fing damit an, dass wir was die Dekoration des Familienbaums betrifft nun, sagen wir mal, sehr unterschiedlicher Meinung waren. Ich hab es gerne klassisch und eher zurückhaltend, sie maximal bunt mit Glitzer.
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Ihr Kompromissvorschlag, sie dekoriert die untere linke Seite in pink und türkis mit Glitzer und ich den Rest des Baums in klassisch rot, schien mir keine Lösung zu sein und so kam mein Mann kurzerhand mit einem Mini-Baum, einer LED-Lichterkette und sehr bunten Kugeln nach Hause und war für den Rest der Adventszeit der Held im Haus. So einfach kann das manchmal sein.
kleiner Weihnachtsbaum
Womit ich nicht gerechnet habe ist, wie sehr sie ihren Baum liebt. Er wurde auch in diesem Jahr mit viel Begeisterung geschmückt, zwei neue Kugeln wurden ausgesucht und ich habe ein paar bunte Weihnachtssterne gestickt.
Weihnachtsstern orange Weihnachtsstern gelb
Die Stickdatei stammt ebenfalls von Smilas World und ich habe sie schon x-Mal gestickt. Genau genommen sind es zwei verschiedene Dateien und zwar Wonder Stars 1 und Wonder Stars 2.

Weihnachtsstern grün

Ich bin zugegeben kein großer Sticker aber diese Datei hat sich für mich mehr als gelohnt. Es ist eine “In the Hoop”-Datei, das heißt hier wird der komplette Stern im Stickrahmen angefertigt und am Ende wird nur noch mit der Hand die Wendeöffnung geschlossen. Ich habe sie schon in den unterschiedlichsten Farben und Stilrichtungen angefertigt und auch den Stern blanko, dafür mit dem Namen des Babies und einer Rassel oder Quitsche im Bauch, zur Geburt als Spielzeug verschenkt.Weihnachtsstern lila
Abends und manchmal sogar nachmittags sitzen wir nun vor dem kleinen Baum,  singen Weihnachtslieder, lesen Weihnachtsgeschichten und genießen den Moment. Ich glaube an der Tradition des Kinderzimmer-Baums (darf man etwas nach 1-maliger Wiederholung schon Tradition nennen?) halten wir fest.

So, meine Lieben, genießt die letzten Adventstage!

Liebe Grüße
Barbara

P.S: Und mein Plan fürs nächste Jahr: In jedem Monat werde ich etwas für Weihnachten produzieren. Mein erster Vorsatz für 2015. Ob der den Januar überlebt? Wir werden sehen.

P.P.S. Für meine Große nähe ich gerade noch einen Quilt für Weihnachten. Ich bin schon sehr gespannt auf das Ergebnis. Ich glaube der wird richtig schön! Mehr dazu demnächst hier in diesem Theater…

P.P.P.S: Und morgen gibt es etwas für Euch! ich darf drüben bei Lila-Lotta Weihnachtswichtel sein und mit einer Anleitung das 20. Türchen öffnen. Hui, ich freu mich schon!

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11/10/14

Nähblog Contest – Kohle unter unseren Füßen

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Vor ein paar Wochen wurde mein Blog nominiert für das Bundesland Nordrhein-Westfalen am bundesdeutschen Nähblog-Contest teilzunehmen. Es ist mir meine Ehre mein Bundesland zu vertreten und ich stelle mich der Aufgabe, die mir in dem Zusammenhang gestellt wurde: Es galt in der 2. Runde etwas zu nähen, dass unverwechselbar zum betreffenden Bundesland gehört.

Nordrhein-Westfalen ist mit rund 17,6 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland und was die Fläche betrifft das Viertgrößte. Ganze 29 der insgesamt 76 deutschen Großstädte liegen in Nordrhein-Westfalen und ich habe lange überlegt, was den überhaupt alle Einwohner gleichermaßen verbindet. Meinem Empfinden nach ticken die Menschen im Münsterland völlig anders als die Sauerländer, die Rheinländer, die Kölner oder Düsseldorfer. Und nochmal ganz anders die Menschen im Ruhrgebiet. Und ich muss gestehen, ich bin auf nichts gekommen, dass für mich ganz persönlich meine Heimat ausmacht und für ganz Nordrhein-Westfalen steht.
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Dem Pass nach bin ich österreichischer Staatsbürger, geboren in Düsseldorf. Aufgewachsen in Leverkusen und Bergisch-Gladbach, also mitten im Rheinland, und seit 15 Jahren in Bochum zu Hause. Ich habe also durchaus Bezug zu verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen und doch ist das Ruhrgebiet der Ort, der in mir heute Heimatgefühle auslöst.
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Der Ballungsraum Rhein-Ruhr gehört mit seinen rund 10 Millionen Einwohnern zu den 30 größten Metropolregionen der Welt und ihm widme ich meinen Beitrag für Nordrhein-Westfalen, in der Hoffnung, dass es mir die Sauerländer, Rheinländer und Münsterländer nachsehen.

Mit 19 Jahren hat es mich zum Bochumer Traditionsunternehmen “ARAL” verschlagen. Mir ist es damals schwer gefallen das schöne Rheinland zu verlassen um in den grauen Kohlenpott zu ziehen. Ich wurde von meinem rheinischen Umfeld offen bemitleidet und ein bisschen habe ich mich damals auch selbst bemitleidet.
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Und heute, 15 Jahre später, will ich nirgendwo anders mehr sein. Auch wenn es hier wirklich schöne Ecken gibt, machen wir uns nichts vor – es gibt anderswo noch viel schönere Gegenden. Wie sagt Frank Goosen in seinem Programm A40 so treffend: “Wir im Ruhrgebiet laden ja jeden ein um seinen Begriff von Schönheit zu erweitern. Ich meine so ein mittelalterliches Städtchen mit Stadtmauer, Fachwerkäusern und Residenzen schön zu finden, das kann ja jeder! Aber auf dem Gasometer in Oberhausen zu stehen, sich umzuschauen und sagen: “Boa wat ne geile Gegend!” – Das muss man wollen!”
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Aber was ist es dann was mich hier so hat ankommen lassen? Ganz klar, die Menschen hier. Der Ruhrgebietler an sich ist offen, direkt, unkompliziert und hat eine raue Herzlichkeit. “Hier wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld” sang Herbert Grönemeyer 1984 in seiner Hymne an die Stadt Bochum und so empfinde ich es auch wenn ich Ur-Bochumern begegne.
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An die Direktheit musste ich mich tatsächlich gewöhnen, passt es doch so gar nicht zur Wiener Höflichkeit, wie ich sie von Zuhause mitbekommen habe. Wenn man hier nach dem Weg fragt kann schon mal die Antwort kommen: “Herrje, wat willste denn da? ”
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Das Ruhrgebiet ist geprägt vom Bergbau, vom Malochen unter Tage. Vieles wird heute romantisiert aber mir ist schon klar: Das war knüppelharte Arbeit für Mensch und Tier (bis 1966 haben Pferde mit unter Tage gearbeitet und die Grubenwagen gezogen). Bei dieser körperfeindlichen und gefährlichen Arbeit war eines überlebenswichtig: Unter Tage gute Kumpel zu haben und selber einer zu sein. Sich auf seine Kumpel verlassen können und gemeinsam anpacken. Und auch wenn heute nur noch ganz wenige Menschen im Ruhrgebiet “einfahren” sind es diese Werte, die Bestand haben.
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Ich habe also den Blog-Contest zum Anlass genommen und für meine Kinder ein Grubenpony und einen Grubenwagen samt Kohleladung genäht, für mich das Sinnbild des Ruhrgebiets. Und ich werde die Gelegenheit beim Spielen nutzen und zumindest der Größeren erzählen vom Arbeiten unter Tage.
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Zu Spitzenzeiten haben zeitgleich Zehntausende Ponys im Ruhrgebiet und bis zu 70.000 in England unter Tage gearbeitet und hatten oft auch ihre Ställe in der Hitze tief unten in stillgelegten Strecken. Kaum vorstellbare Bedingungen für die Tiere und natürlich auch für die Bergleute selbst. Aber eines ist klar: Ohne sie und den Bergbau im Ruhrgebiet wäre Deutschland nach 1945 nicht so schnell wieder auf die eigenen Füße gekommen. Deshalb widme ich meinen Beitrag nicht nur dem Ruhrgebiet und seinen Menschen sondern auch den hunderttausenden Grubenponys, die im Bergbau gearbeitet haben.
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Und jetzt gehe ich mal schauen, was die anderen Teilnehmer für Ihr Bundesland genäht haben. Ein paar Beiträge habe ich schon gesehen und bin schwer begeistert. Die komplette Liste der einzelnen Vertreter Ihrer Bundesländer findet Ihr hier.
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Glück auf, Ihr Lieben!
Eure Barbara