08/16/16

“Eine Tüte brauche ich nicht, danke” – Ein Tutorial für einen Handtaschen-Einkaufsbeutel

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Jeder Deutsche verbraucht pro Jahr im Schnitt 71 Plastiktüten. Damit liegen wir zwar schon heute unter der EU-Vorgabe von 90 Tüten, aber mal ehrlich: Wie viele davon müssen wirklich sein?

Wenn ich zum Wocheneinkauf in den Supermarkt aufbreche, habe ich immer einen Korb und stabile Tüten dabei. Aber was ich leider bisher nicht gut hinbekommen habe, sind die vielen kleinen Alltagsbesorgungen, die ich über den Tag und zwischendurch erledige.  Kurz was vom Schuster, der Apotheke oder im Schreibwarenhandel mitnehmen, weil es gerade auf dem Weg liegt. Da stehe ich oft an der Kasse und muss die angebotene Tüte zähneknirschend annehmen, weil ich den Einkauf sonst nicht transportieren kann. Diese Einkäufe ärgern mich tütentechnisch immer wieder.
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Früher hatte ich immer diese kleinen Nylonbeutel in der Handtasche, die man in Drogeriemärkten kaufen kann. Sie sind zwar meist grässlich bunt aber sie machen sich in der Handtasche ganz klein und werden bei Nichtgebrauch in einem Beutel verstaut. Nur leider verschlampe ich ständig die Beutel! Warum sind die denn nicht festgemacht? Und irgendwann bin ich auf die Idee gekommen mir sowas einfach selber zu nähen.
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(Foto: Erster Prototyp. Stoffe von der Eulenmeisterei/Träger und die Dackel habe ich bei Elsbeth und ich gekauft).

Meine Beutel machen sich in der  integrierten Tasche zum Verstauen klein und passen damit in die Handtasche, sind aber aufgeklappt groß, stabil und schick.
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(Foto: Zweiter Prototyp: Stoffe von Kokka, leider nicht mehr erhältlich)

Wer auch einen solche Handtaschen-Einkaufsbeutel nähen will: Hier kommt die Anleitung. Ich habe mich darum bemüht viele Fotos zu machen damit auch weniger routinierte Näher und Näherinnen folgen können. Hier soll keiner auf dem Weg frustriert aufgeben.

Die Bildqualität ist leider nicht so dolle. Ich habe spät abends fotografiert und blöderweise einen hellen Canvas für die Anleitung gewählt. Das war nur, sagen wir mal, mittel-pfiffig. Ich hoffe, Ihr könnt trotzdem alles erkennen.

Vorab:

  • Auf Nahtzugaben braucht ihr nicht zu achten, sie sind im Zuschnitt inklusive
  • Alles wird füsschenbreit genäht, außer es ist in der Anleitung erwähnt. Damit ist gemeint, dass die Nadel mittig eingestellt ist und ihr den Nähfuss an der rechten Seite bündig am Stoff langführt.
  • Jede Naht wird am Anfang und am Ende verriegelt. Das bedeutet, dass ein paar Stiche vor und zurück genäht werden um die Naht zu sichern.

Ihr braucht:

50 cm von einen stabilen Stoff (Canvas, leichter Jeansstoff, ein Home-Dekorstoff oder stabiles Leinen) für die Tasche selbst

20 cm eines kontrastierenden stabilen Stoffs für  die Träger (wenn der Stoff 140 cm oder breiter liegt reichen auch 10 cm)

Stoffreste für die Innentasche bzw. den späteren Beutel (22 x 38cm). Ich nutze Canvas außen und Baumwolle innen.

22 cm Kordel, alternativ ein Stoffrest, der zum Band vernäht wird.

Ein stabiler Knopf, mindestens 23 mm Durchmesser passend zum Außenstoff der Innentasche, alternativ einen selbst beziehbaren Knopf und einen Stoffrest. Wie man einen Knopf bezieht habe ich hier erklärt.

Passendes Garn zu allen verwendeten Stoffen

Und so wird es gemacht:

Alle Stoffe bügeln, dann wird der Zuschnitt genauer.

Vom Außenstoff werden 2 Teile mit den Maßen 50cm hoch x 45 cm breit zugeschnitten.

Vom Stoff für die Träger 2 Teile mit den Maßen 10 cm x 68 cm zuschneiden

Für den Beutel 22cm breit  x 38cm hoch und vom Innenstoff 21cm x 38 cm zuschneiden. Ja, der Innenstoff wird 1cm schmaler zugeschnitten.
Stoff statt Kordel
Wer keine Kordel zur Hand hat, schneidet ein Stoffstück 5 cm x 22 cm zu. Dieser Streifen wird jetzt längst gefaltet, die Falte gebügelt. Jetzt wieder aufklappen, die Außenseiten zur Mitte klappen und wieder bügeln. Entlang der Mittelkante wieder zuklappen und mit einer Näht die offene Seite knappkantig schließen. Wer mit dieser Textbeschreibung nicht viel anfangen kann, schaut einfach mal beim Schnullerband-Tutorial vorbei. Dort ist genau erklärt wie es geht, nur das der Streifen hier deutlich schmaler ist.

Beginnen wir mit den Trägern. Mit beiden Trägern parallel verfahren.
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Die 10 cm breiten Streifen werden längst gefaltet und festgesteckt. Mit einer Naht schließen. Dabei die kurzen Seiten oben und unten offen lassen.
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Jetzt den Träger so drehen, dass die Naht nicht mehr auf der Seite liegt sondern mittig. Mit Nadeln oder Clips fixieren, damit sich die Naht nicht wieder zur Seite rollt.
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Nun mit dem Fingernagel die Naht teilen, dann mit viel Dampf drüber bügeln bis sie gerade und flach anliegt.

Jetzt wird der Träger gewendet. Das geht mit einem Wendetool (ich liebe dieses Quick Turn Tool von Dritz), alternativ mit der hier erklärten Methode wenden.
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Wieder mit viel Dampf bügeln und darauf achten, das die Naht auf der Rückseite gerade mittig liegt.
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Nun werden die Träger mit Nähten stabilisiert. Dafür wird die Stichlänge auf ca. 3,5 verlängert und auf jeder Seite eine Naht füsschenbreit entlang der Kante genäht. Nun etwas schmaler als füsschenbreit auf beiden Seiten eine zweite Naht danebensetzen. Damit haben wir stabile Träger die nicht so schnell in der Hand zusammenknautschen und zusätzlich die umgebügelte Nahtzugabe innen mit einer Naht fixiert. Die Träger zur Seite legen. So kann auch nach dem Waschen nichts verdrehen.
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Nun wird der kleine Beutel genäht. Dafür das Außensteil längst vor Dich legen und einen Punkt mittig und 8cm unter der oberen Mitte markieren. Hier wird ein Knopfloch genäht.

Falls ihr noch nie ein Knopfloch genäht habt, dann ist es Zeit für das Erstlingswerk. Es ist leichter als gedacht! Viele Maschinen haben dafür ein gesonderten Nähfuss. Einfach der Anleitung der Maschine folgen. Alternativ wird hier auf You Tube  ganz wunderbar erklärt, wie es ohne Sondernähfuss geht.

Wichtig ist hierbei, dass wir das Knopfloch nicht für den Knopf, sondern als Durchlass für die Kordel brauchen. Es reicht also, wenn das Knopfloch rund 1,4 cm breit ist (je nachdem wie dick Eure Kordel ist).
Einkaufstasche 17
Das genähte Knopfloch wird mit einem Nahtauftrenner geöffnet. Zwei Stecknadeln vor den Außennähten schützen davor, dass ihr es aus Versehen einschneidet.

Wer sich kein Knopfloch zutraut, kann alternativ eine Öse einschlagen. Ösen gibt es von Prym, die Anleitung wie sie angebracht werden z.B. hier.
Einkaufstasche 18
Jetzt auf der Rückseite des Innenstoffes, 10 cm unter der Oberkante die Mitte mit einem Stift markieren. Aus der Kordel eine Schlinge formen und mit ca. 1cm Überstand auflegen (siehe Foto). An der mit einem Strich im Foto markierten Stelle mit einer eng gestellten Zick-Zack-Naht übernähen.
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Diese Naht liegt später innen und muss nicht schön aussehen. Sie muss nur stabil sein.
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Die Rückseite wird später im Inneren des Beutels liegen und sichtbar sein.
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Jetzt den Innenstoff des Beutels mit der Kordel nach oben auf die rechte Stoffseite des Außenstoffes der Innentasche legen. Der Außenstoff ist dabei 1cm breiter als der Innenstoff (siehe Foto). An einer Seite mit einer Naht schließen.
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Dann die zweite Seite. Wenden und bügeln.
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Die offene Oberkante wird nun 2 cm umgebügelt
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und gleich noch einmal 2 cm. So ergibt sich eine schöne Kante. Sie wird mit zwei Nähten (Stichlänge wieder auf 3,5 vergrößern) fixiert.
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Einmal knappkantig, ein weiteres Mal füsschenbreit neben der knappkantigen Naht nähen.
Einkaufstasche Innentasche5
Einkaufstasche Innentasche
So sieht das dann von innen aus.

Nun wird an der Oberkante am Außenstoff eine Linie 4 cm unter dem Rand markiert. Die Kordel durch das Knopfloch ziehen und mit einer Nadel aus dem Weg stecken.
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Jetzt den unteren Teil bis an diese Linie einklappen und feststecken.
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Nun an beiden Seiten von oben bis ganz unten nähen. Dabei doppelt über die Übergangsstelle auf Höhe der markierten Linie nähen.
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Diese Naht wird später beim Aus-und Einwickeln beansprucht, deshalb ist es wichtig, dass sie stabil ist.
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Die Innentasche wenden, die Ecken mit Hilfe eines stumpfen Bleistift ausformen und bügeln. Dabei müsste sich der Teil oberhalb der 4 cm-Linie umklappen und der Innenteil faltenfrei anliegen. Damit der Innenstoff etwas mehr auf Zug ist, haben wir ihn 1cm knapper zugeschnitten.

Sollte es noch Falten geben, zu den Seiten ausstreichen und unter der umgeklappten Kante verstecken. Am besten oben mit einer Nähmaschinen- oder wie hier mit einer Overlocknaht fixieren damit es glatt bleibt. Diese offene Kante wird später nicht zu sehen sein.

Die Innentasche zur Seite legen. Jetzt wird die Außentasche genäht:
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Dafür die Stoffteile der Außenseite so vor Euch legen, dass die Seiten 5 cm länger sind als die Ober- und Unterkante.

Beide Teile rechts auf rechts, also mit den schönen Stoffseiten, aufeinander legen und an den Seiten feststecken. Unten nun mit Hilfe eines Lineals an beiden Seiten Ecken mit den Maßen 5 x 5 cm ausmessen und abschneiden. Das wird der Boden.
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An der kurzen Seite der Tasche (der Oberkante) wird der Stoff 3 cm umgebügelt.
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dann weitere 3 cm umbügeln. Ich nutze dafür en Modii Kantenformer, dass ich hier schon mal vorgestellt habe. Jetzt die umgebügelten Kanten wieder aufklappen.
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Bitte jetzt entscheiden, wie die Nahtzugaben innen versäubert werden sollen. Wenn die Nahtzugaben mit einer Overlock (wie in meiner Anleitung), alternativ mit einem Zick-Zack-Stich versäubert werden sollen, werden die Stoffe nun rechts auf rechts gelegt.

Wenn sie dank einer französischen Naht innen nicht sichtbar sein sollen, werden die Stoffe jetzt links auf links zusammengenäht. Wie eine französische Naht funktioniert ist hier gut erklärt.

Bei meiner Versäuberungsvariante mit einer Overlock bzw. einem Zick-Zack-Stich geht es so weiter:
Einkaufstasche 8x
Die Seiten und den Boden feststecken, nur die Ecken bleiben offen (der Teil zwischen den Nahtauftrennern, also die Ecke selbst, wird nicht genäht). Die Seiten und den Boden mit einer Naht schließen und mit einer Overlock-Maschine oder einen Zick-Zack-Stich versäubern.
Einkaufstasche 9x
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Jetzt die Nähte und Nahtzugaben von innen und außen bügeln. Sie Seitenteile beide in dieselbe Richtung, den Boden in die Gegenrichtung.

Nun werden die Ecken zu einem “O” geformt und in der Mitte zusammengesetzt.
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Da die Nahtzugaben in unterschiedliche Richtungen gebügelt wurden, rasten die Nähte nun ineinander wenn man sie in der Mitte zueinander schiebt.
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Auf beiden Seiten die Nahtzugabe mit einer Stecknadel fixieren und mit einer Naht schließen.
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Nun einmal kurz zur Kontrolle wenden. Wenn die Naht von außen so aussieht, von innen versäubern. Mit der zweiten Ecke genauso verfahren. Ecken ausbügeln.
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Wenn Ihr, wie ich, mit einer Overlock versäubert, ist es wichtig, die Nahtenden an beiden Seiten zu fixieren.
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Die Tasche ist nun an den Seiten und am Boden geschlossen. Die vorher umgebügelte Kante müsste sich jetzt fast von alleine rundherum zweimal umklappen. Wir haben es nur vorher gemacht weil es viel einfacher ist zwei kurze gerade Strecken sauber umzubügeln als einen Ring. Nochmals ringsherum mit Dampf bügeln.Einkaufstasche 26
Den Taschenteil in der Mitte falten und die jeweilige Mitte mit einer Stecknadel auf beiden Seiten markieren.
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Mit dem Beutel genauso verfahren und mit einer Stecknadel des Beutels nicht an der noch unversäuberten Oberkante, sondern an der Taschenkante fixieren.
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Jetzt wird der 4 cm Überstand unter den Taschenumschlag geschoben. Dabei sollte sich die Mittelmarkierung der Tasche und die Mitte der Innentasche genau treffen. Oben mit Stecknadeln oder wie hier, mit Clover Clips, feststecken.
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Die Träger werden nun mit einem Abstand von 9 cm zu Innenkante der Träger links und rechts der Innentasche festgesteckt indem auch der Träger unter dem Umschlag geschoben werden. Dabei schaut die Trägerseite mit der Mittelnaht nach unten.
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Auf der Gegenseite ohne Beutel genauso verfahren. Die Träger 9 cm links und rechts der Stecknadel unter den Rand schieben. So sollte es nun in Eurer Tasche aussehen.
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Zusätzlich die Träger etwa 6 cm unter der Kante mit einer Nadel fixieren. Sie können sonst beim Nähen leicht verrutschen.
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Jetzt rund herum knappkantig nähen. Dafür die Stichlänge wieder auf 3,5 verlängern und auf ein Garn passend zum Außenstoff wechseln. Bei einer Seitennaht die Naht beginnen und beenden.

Alle Stecknadeln und Clips entfernen. die Träger hochklappen. Dabei darauf achten, dass sich die Unterkante des Umschlags der Außentasche nicht hochrollt. Mit einer Stecknadel von außen mittig fixieren. Der Träger sollte ganz gerade anliegen.
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Jetzt die äußere Markierung an der Nähmaschine (ich zeige mit dem Nahtauftrenner auf die Markierungslinie) zur Orientierung nutzen, alternativ mit einem gut sichtbaren Klebeband eine Markierungslinie ca. 2,5 cm entfernt von der Nadel anbringen und erneut einmal rund herum nähen. Dabei die Oberkante der Tasche entlang dieser Linie führen.
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Nun werden die Träger zusätzlich mit einem “Haus vom Nikolaus” fixiert. So hält die Tasche auch dem Transport schwerer Gegenstände stand. Am besten dafür das “X” einzeichnen und nachnähen. Einkaufstasche 36P
Um die Tasche zusammenzufalten werden die Träger in die Tasche gelegt und der Beutel nach außen geklappt, mit der offenen Seite nach oben.
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Nun die Seitenteile nach innen klappen,
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4x von unten umschlagen
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und mit dem 5. Umschlag in die Innentasche befördern.
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Jetzt die Kordel nach vorne schlagen und die Stelle mit einem Stift markieren, an der der Knopf angebracht werden soll.
Knopf anbringen
Lieber die Kordel etwas auf Zug anhalten, sonst wird es zu locker. Mit der Hand den Knopf annähen. Wenn möglich dabei nur den oberen der Taschenstoffe durchstechen, dann bleibt der angenähte Knopf an der Tascheninnenseite unsichtbar.
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Und fertig ist der Handtaschen-Einkaufsbeutel!

Ich habe für diesen Beutel folgende Stoffe verwendet:

Außenstoff: Canvas von Clarke & Clarke, gekauft beim Stoffekontor.
Träger und Innentasche: Bekko Tatami von Trenna Travis für Michael Miller, z.B. hier, in pink in verschiedenen Ausführungen bei Stoffsalat
Innenstoff Beutel: Moda Bella Solid
Knopf: “Blue Daisy” von StillWaterDesigns (hier ist gerade Räumungsverkauf und auch die Knöpfe sind 50% reduziert!)

Viel Freude beim Nachnähen.

Viele Grüße Barbara

P.S. Und weil heute Dienstag ist – auf zum Creadienstag!

12/20/14

Buntstifterolle nähen – Ein Tutorial & mit Giveaway!

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Wie gestern schon angekündigt bin ich heute der Wichtel hinter Türchen Nummer 20 beim Lila-Lotta Adventskalender! Und dort (und natürlich parallel auch hier) zeige ich Euch eine ausführliche Anleitung für die Buntstifterollen, die ich z.B. hier und hier schon genäht habe.

helmut weihnachten 2.psd

Dir, liebe Sandra, vielen Dank, dass ich dabei sein durfte! Und vor allem Deine Zeichnung von mir finde ich großartig! Für alle, die sich an einer Buntstifterolle versuchen wollen aber nicht ausreichend Stoffauswahl haben gibt es weiter unten die Verlosung für 2 Materialpakete. Also, auf geht’s!
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Für mein Wichtel-Türchen habe ich mir ein kleines Tutorial überlegt, mit dem ich Euch hoffentlich eine Freude machen kann. Eine Buntstifterolle!
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Die erste Rolle habe ich vor rund 3 Jahren für meine Tochter genäht. Gedacht war sie um in ihr ein bisschen die Freude am Wegräumen all ihrer Malstifte zu wecken indem ich für jeden Stift einen passenden Stoffstreifen eingenäht habe und so jede Farbe einen festen Platz hat. Und ich muss sagen: Es funktioniert! Womit ich nicht gerechnet habe sind die vielen Besucherkinder, die unbedingt auch so eine Rolle haben wollten. Und noch viel weniger mit den begeisterten Müttern, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen. Uns so habe ich in den letzten  Jahren bestimmt schon 15 solcher Rollen verschenkt und Kindern zwischen 2-12 damit eine Freude gemacht. Vielleicht ist mein All-Time-Favorite-Kindergeschenk ja auch was für Eure Lieben?

Um eine solche Rolle zu nähen braucht ihr:
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Zuerst eine Packung Buntstifte. Ich nutze immer den 24-er Pack von Farber Castell. Die Stifte liegen mit der eckigen Form und den kleinen Noppen auch bei Kindern gut in der Hand und vor allem kann jede Farbe überall im Handel einzeln nachgekauft werden. Damit hat man über Jahre Freude an der Rolle weil man sie wieder und wieder bestücken kann wenn die Stifte runtergespitzt sind oder einer verloren geht.

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Ich ergänze die 24 Stifte grundsätzlich um die Farben Gold und Silber (der Hit bei den Mädels) und mindestens 4 weitere Farben, die  einzeln erhältlich sind. Meine Stifterollen sind also immer auf 30 oder mehr Stifte ausgelegt. Denn je schöner der Regenbogen, umso toller sieht die Rolle aus.
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Nun benötigt Ihr für jede Farbe einen passenden Stoffstreifen mit den Maßen 3,5x28cm. Das ist zugegeben mit ein bisschen Wühlerei in den Beständen verbunden ist aber gleichzeitig eine wunderbare Resteverwertung.

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Wichtig ist aber, dass die Farbe gut wie möglich zur Stiftfarbe passt, damit die Kinder später keine Probleme mit der Zuordnung haben. Vielleicht hat eine Nähfreundin ja noch einen kleinen Rest im richtigen Grünton?
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Zusätzlich einen halben Meter Unistoff. Ich persönlich finde, dass besonders die Farben grau und beige die Farben der Stifte besonders schön zum Leuchten bringen. Ich nutze meistens beigen Leinenstoff.

  • Ein 30cm-Stück Vlieseline H640
  • Zum Unistoff passendes Garn
  • Ein einfaches Haargummi (meine kaufe ich im 10-er Pack bei dm)
  • Einen hübschen Knopf mit einem Durchmesser von ca. 23cm, alternativ einen beziehbaren Knopf (z.B von Prym)
  • Optional einen 4cm breiten Streifen Soft & Stable als Rausfallschutz
  • Optional hübsche Stoffreste zum Verzieren der Außenseite und zum Beziehen des Knopfs (ich habe für die Patchwork-Variante diverse Reste von Heather Bailey verwendet. Der Häuserstoff heißt “Petite Street” von Wendy Kensen/Dashwood Studio und ist noch bei mehreren DaWanda-Händlern zu bekommen).

Und so geht’s:
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Zuerst die Stoffstreifen mit den Maßen 3,5 x 28cm zuschneiden, bügeln und in der gewünschten Reihenfolge auslegen. Danach von dunkel nach hell stapeln und schon geht es an die Nähmaschine.
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Den obersten hellen Streifen vor Dich legen und den zweiten Streifen rechts auf rechts darauflegen. An der rechten Seite füsschenbreit zusammennähen. Danach aufklappen und den nächsten Streifen wieder rechts auflegen und annähen. Darauf achten, dass die Stoffe immer rechts auf rechts zusammenliegen!
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So fortfahren, bis der letzte Streifen angenäht ist. Anschließend links und rechts einen Streifen mit den Maßen 3,5 x 28cm vom Unistoff annähen.

Anschließend das Stück bügeln. Dabei darauf achten, dass die Nahtzugaben immer zum dunkleren Stoff hin gebügelt werden damit später nichts durchscheint. Dabei kann sich er Stoff schon mal etwas verziehen, besonders Leinen. Mit ein bisschen dehnen wird das aber wieder. Jetzt das fertige Stück nochmals oben und unten gerade schneiden.Stifterolle 9
Die zusammengenähten Streifen dienen jetzt als Vorlage für die anderen Teile. Das Stück auf den Unistoff legen und ein Stück mit selben Maßen zuschneiden. Mit denselben Maßen die Vlieseline zuschneiden. Zusätzlich einen Streifen aus den Unistoffen mit dem Maß 14cm x Breite der eigenen Rolle zuschneiden. Wenn die Außenrolle mit Stoff dekoriert werden soll auch hier ein Stück mit einer maximalen Breite von 10cm zuschneiden. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
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Anschließend auf den wieder zusammengesetzten Außenstoff die Vlieseline aufbügeln und den Stoffüberstand des langen Streifens abschneiden, damit das Außenstück  genauso lang ist wie der aufgebügelte Vlies.
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Das Stück mit den Maßen 14cm x Länge der Stifterolle wird an einer der langen Seiten 2 Mal rund 1cm umgebügelt.
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Mir hat mein Kantenformer dabei schon so manches Mal gute Dienste geleistet.
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Die umgebügelte Kante füsschenbreit festnähen.
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Nun wird der Streifen auf den Farbstreifen aufgelegt und mit Hilfe eines Lineals gerade ausgerichtet.
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Anschließend mit Hilfe vieler Nadeln fixieren und ggf. mit einem Markierstift oder Schneiderkreide gerade Linien markieren.
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Auf den Linien nähen und dabei am Anfang und Ende jeder Naht gut verriegeln.
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Anschließend Stifte reinstecken um zu testen ob alle Stiftefächer groß genug sind.

Optional: Annähen des Rausfallschutzes. Diesen Streifen nähe ich erst seit kurzem ein um ein Rausfallen der Stifte beim Tragen der geschlossenen Rolle zu verhindern. Mit der Zeit dehnt sich der Stoff und die Stifte sitzen lockerer in ihren Laschen.
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Dafür einen Schaumstoffstreifen (ich nutze dafür ein Reststück von ca. 4cm x volle Breite „Soft and Stable“, eigentlich ein Taschenvlies) schlage ich einmal ein und nähe die offenen Seiten knappkantig oben ein.
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Später stellt sich das Vlies auf und verhindert das Rausrutschen der Stifte.

Nun wird das Außenteil rechts auf rechts auf das Innenteil gelegt und festgesteckt.
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Dabei das Zopfgummi an der Seite mit der dekorierten Außenseite mit Nadeln fixieren. An der langen Seite unten eine Wendeöffnung von ca. 7cm offen lassen.
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Ich nutze einen Unterteller um alle Ecken abzurunden. Füsschenbreit ringsherum mit einer Naht schließen.
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Anschließend wenden und sorgsam bügeln, alternativ mit Clover-Clips die Kanten fixieren.
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Abschließend ringsherum knappkantig und mit einem größeren Stich (ca. 3,5) fixieren und dabei auch die Wendeöffnung schließen.
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Nun wieder mit den Stiften befüllen und zurollen um zu prüfen wo der Knopf angenäht werden muss. Knopf (ggf. noch mit passendem Stoff beziehen) mit der Hand annähen.
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Und fertig ist die Stifterolle! Eingangs wirkt der untere Teil der Rolle etwas unter Spannung. Meiner Erfahrung nach weitet sich der Stoff dort sehr schnell und die Rolle ist später oben und unten gleichlang.
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Und so sieht die Stifterolle mit gemusterten Stoffen aus:
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Ist das nicht ein herrlicher Farbrausch? Ich erwische mich auch hin und wieder beim gedankenverlorenen Stifte-einsortieren am Abend…
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Ich hoffe, Ihr könnt mit Eurer eigenen Stifterolle jemandem eine große Freude machen. Für alle Näh-Frischlinge sei gesagt: Nur Mut! Ich nähe ehrlich gesagt besonders gerne für Kinder. Sie wertschätzen ein solches Geschenk sehr und kümmern sich kein bisschen um schiefe Nähte sondern freuen sich einfach an dem Regenbogen.

Unter allen, die sich an einer Stifterolle versuchen wollen aber noch keinen entsprechenden Stoffvorrat haben, verlose ich zwei komplette Materialsets inklusive der 30 Buntstifte (ob Uni-oder Patchworkstoffen, sowie das Motiv für die Außenrolle könnt Ihr selber wählen)! Wer mitmachen möchte kann das mit einem Kommentar unter diesem Blogpost tun. Am 30.12. 2014 wird Mr. Random die beiden Gewinner wählen. Viel Glück!

EDIT: Eine Liste der notwendigen Stoffe habe ich hier zusammengestellt. Ihr könnt sie größtenteils als Paket mit 10cm-Streifen bei Stoffsalat bestellen.

Viel Spaß beim Nachnähen und Verschenken! Dir, liebe Sandra, vielen Dank, dass ich in diesem Jahr einer Deiner Wichtel sein durfte!

Viele Grüße
Barbara

01/10/14

Fixiergewichte selbst herstellen – ein Tutorial

Für mich ist neben der kreativen Komponente das Schönste an der Näherei, dass man sich Dinge kurzerhand selbst nähen kann wenn man sie gerade braucht. Herrlich, oder?

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Ich besitze 3 Fixiergewichte. Das ist deutlich zu wenig wenn es an das Zuschneiden von Bekleidung geht. Also wird alles Mögliche rund um den Nähtisch zweckentfremdet. So langsam geht mir das auf den Keks, deshalb brauchte ich dringend weitere kleine Gewichte.

Noch dazu sind die drei in meinem Bestand auch nur provisorischer Natur. Einer ist ein von einem Spaziergang mitgebrachter Stein der die perfekte Größe und Form hat, die beiden anderen Gewichte sind richtige Fixiergewichte von Prym wie es sie in jedem Kurzwarengeschäft zu kaufen gibt. Ich finde sie ehrlich gesagt nicht sehr praktisch. Diese Pickser auf der Rückseite, die den Stoff fixieren sollen, beschädigen feine Stoffe schnell. Da benutze ich sie dann andersrum und greife ständig rein. Nicht sehr lustig.

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In den kommenden Wochen will ich wieder mehr Bekleidung nähen und deshalb brauchte ich jetzt endlich eine Alternative. Im Internet habe ich verschiedenste Anleitungen mit unterschiedlichen Formen und diversen Füllmaterialien gefunden und einfach mal einen Feldversuch gestartet und en paar der Vorschläge ausprobiert.

Als Füllmaterial habe ich benutzt:

IMG_1162bReis, Cent-Münzen und eine Mischung aus Gartenkiesel und getrocknetem Lavendel. Alles Vorschläge aus dem Internet. Ich habe einfach mal alle probiert.

Auch was die Form betrifft gibt es verschiedene Ideen. Ich habe mich auch hier für zwei Verschiedene entschieden. Genäht sind beide Varianten ruck-zuck. Ich wollte wissen, ob eine praktischer ist als die andere.

Man benötigt neben dem Füllmaterial Stoffreste. Eine wundervolle Gelegenheit beherzt in die Restekiste zu greifen und den letzten Resten von lieb gewonnen Stoffen ein ehrenvolles Plätzchen im Nähzimmer zu geben. Meine Stoffreste sind alle von Amy Butler (Midwest Modern und Daisy Chain). Ich habe pro Gewicht 2 Quadrate mit den Maßen 8 x 8 cm zugeschnitten. Je größer, desto einfacher ist das Wenden später, beim nächstem Mal würde ich es mit 10 x 10 cm versuchen.
IMG_1166bZusätzlich jeweils ein Stück passendes Band, ebenfalls 8 cm lang (auch hier eine tolle Gelegenheit um Reste aufzubrauchen).

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Und dann geht es los:

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Das Band einmal einschlagen und auf die rechte (also die schöne Seite) des Stoffes mit einer Stecknadel oder einem Clip in der linken oberen Ecke befestigen. Die zweite Stoffhälfte drauflegen und an 3 Seiten fixieren.

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Dann geht es an die Nähmaschine und die drei Seiten werden genäht. Am Anfang und Ende das Verriegeln nicht vergessen! Dann an den Ecken die Nahtzugabe einkürzen. Aber nicht zu nah an die Naht! Sie muss aufgrund des Füllmaterials ja später noch was aushalten.

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Wenn es ein einfaches Quadrat werden soll wird auch an der jetzt noch offenen Seite genäht und in der Mitte ein Wendeöffnung gelassen. Dann wenden. Für ein Tetraeder geht es so weiter:

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Die offene Seite wird geschlossen und knapp neben der Mitte eine Wendeöffnung gelassen.

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Dann wenden. Das ist jetzt etwas fummeling, das innenliegende Band hilft dabei aber sehr. Mithilfe eines stumpfen Bleistifts oder dem Deckel vom Nahttrenner (so mach ich es jedenfalls) die Ecken vorsichtig ausformen. Wer das Bedürfnis hat nochmal drüber zu bügeln sollte dem jetzt nachgeben.

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Jetzt können die Gewichte befüllt werden. Am besten beim Reis einen Trichter verwenden. Danach werden die Wendeöffnungen mit einem Leiterstich geschlossen. Wie das geht wird in diesem YouTube-Video gut erklärt.

IMG_1214bNach ein paar Tagen der Nutzung kann ich sagen: Alle funktionieren wunderbar! Reis fühlt sich am besten an, die Cent-Münzen sind am schwersten (klappern aber ein bisschen) und die Lavendel/Kiesel-Pakete duften herrlich. Ich finde auch beide Formen gleich praktisch. Dank des Bändchens macht es in der Handhabung keinen Unterschied.

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Wenn ich mich für eine Version entscheiden müsste, dann würde ich beim nächsten mal die Quadrate mit Cent-Stücken gefüllt nähen. Aber das ist wirklich Geschmackssache.

Da liegen sie nun und warten auf den nächsten Einsatz..IMG_1250b

Viele Grüße
Barbara

10/29/13

Amy Butlers Tasche für mich und die Anleitung dazu für Euch

Vor rund einem Jahr (oder ist es schön länger her? Ich weiß es gar nicht so genau) hat Amy Butler ihre Stoffserie “Cameo” veröffentlicht. Vieles war mir wie immer etwas zu bunt und mit zu großflächigen Mustern bedruckt aber ein Print hatte es mir völlig angetan und zwar dieser hier. Im Grunde war es gar nicht der Stoff allein sondern das Werbefoto dazu. Amy Butler hatte daraus eine Tasche genäht und genau so eine wollte ich auch haben.

Amy Butler Cameo

Fotorechte: Amy Butler

Den Stoff zu besorgen war jetzt nicht so schwer, schließlich gibt es Amy Butler-Stoffe allerorten zu kaufen aber der Schnitt machte mir etwas Sorgen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt erst zwei Taschen selbst genäht und hab mir nicht zugetraut einen Schnitt selbst zu basteln.

Also habe ich mich auf die Suche nach einem ähnlichen Schnitt gemacht. Und gefunden habe ich, manchmal habe ich mehr Glück als Verstand, genau den Schnitt, den die liebe Amy für Ihre Tasche verwendet hat. Und -hurra! – er ist noch dazu ganz ausführlich bebildert und umsonst. Continue reading