02/3/18

Die Brax-Tasche oder Frau Machwerk hat sich selbst übertroffen. Mal wieder.

Ihr Lieben,

erst einmal ganz herzlichen Dank für Euer reges Interesse an meinen Stoff-Flohmarkt. Um ehrlich zu sein wurde ich von der Nachfrage ziemlich überrumpelt. Binnen weniger Stunden war so gut wie alles weg und ich hatte eine Menge zu verpacken und zu verschicken. Das war am Ende doch zeitintensiver als ursprünglich angenommen. Jetzt ist aber alles soweit geregelt und ich hoffe die Pakete sind wohlbehalten bei Euch Käuferinnen angekommen.

Allerdings muss ich sagen, dass mich der Blick des Postbeamten verfolgt, den er für mich übrig hatte als ich mit über 60 Paketen um die Ecke bog. 15 Minuten vor Schließung der Filiale. Der war nicht ohne.  Ich fürchte ich muss mir eine neue Postfiliale suchen.

Es tut mir wirklich leid, dass am Ende nicht jede das bekommen konnte, was sie gerne gehabt hätte. Ich hätte wirklich gerne alle Interessierten mit Post erfreut. Trotzdem kann ich der Aktion viel Gutes abgewinnen denn:

1. Ich hatte noch nie so viele Brieffreundschaften gleichzeitig

2. Ich kann endlich meine IBAN-Nummer auswendig. Vorwärts, rückwärts und zu jeder Tages- und Nachtzeit.

3.  Ich habe deutlich Platz geschaffen. Ein schönes Gefühl. Jetzt steht nur noch die “Ebay-Ecke” im Keller an. Jede Menge aussortierte Dinge aus dem Haushalt sowie Kindermöbel. Und ein zweiter Flohmarkt mit weiteren Büchern, Nähzubehör und Jersey. Aber am Ende wird auch dieser geschaffene Platz zufrieden machen. Alles in allem kann ich Aussortieren wirklich empfehlen. Das hat etwas sehr Befreiendes.

4.  Ich habe so liebe Rückmeldungen von Euch bzgl. meines Blogs bekommen, das ich das wirklich zum Anlass nehmen möchte wieder öfter einen Blogpost zu schreiben. Auch wenn ich weiterhin für nichts garantieren kann. Hier bei uns weiß man nie so genau wann der Wahnsinn einschlägt und andere Dinge in den Vordergrund drängen. Aber ich will mich mehr darum bemühen.

In den letzten Monaten habe ich mich tatsächlich gefragt, ob Blogposts überhaupt noch gelesen werden. Seitdem sich so viel drüben auf Instagram abspielt, wo eben schnell ein Handyfoto hochgeladen und kommentiert wird, war ich mir nicht sicher, ob sich Menschen noch Zeit für die aufwändigere Lektüre nehmen. Viele Blogger sind zu Instagram gewandert, wo es mittlerweile eine sehr lebendige und internationale Näh-Community gibt.

Ursprünglich ist Instagram ein ganz spontanes Medium, das mit Handyschnappschüssen arbeitet. Die vielen Berufs-Instagrammer machen natürlich hochprofessionelle Kamerabilder, bearbeiten sie, legen die Veröffentlichung genau fest und schreiben professionelle Texte. Aber selbst das ist dreimal schneller geschehen als der gute, alte, ausführliche Blogpost. Ich muss aber feststellen: Ich mag die aufwändigere Version lieber. Auch wenn ich sie Euch nicht so häufig bieten kann.

Die Tasche, die ich Euch heute zeigen möchte, ist für mich aber in jedem Fall einen Blogpost wert. Wenn auch sehr spät. Diese Tasche ist schon vor Monaten entstanden. Für mich ist sie aber aus vielerlei Gründen etwas ganz Besonderes: Sie ist nicht nur mein Probestück für Frau Machwerks Taschenschnitt “Dany”, sondern gleichzeitig ein Gemeinschaftswerk von uns und meine erste reine Ledertasche.

Martina hat mir im letzten Herbst eine Email mit dem neuen Schnitt zum Testen geschickt und die ersten Fotos ihrer Mustertasche, die sie zur Veranschaulichung mit angehängt hatte, gefielen mir außerordentlich gut. Gefühlt habe ich schon 7.000 Taschen zu Hause, doch im Alltag hat sich herausgestellt, dass ich immer zu denselben greife. Dieser Taschenschnitt versprach in diese Kategorie zu fallen.

Wie Frau Machwerk das immer macht? Auf dem besten aller Wege, indem sie Taschenschnitte konzipiert, die genau zu ihren Bedürfnissen passen. Und damit doch in aller Regel auch zu den Bedürfnissen von uns Frauen generell, oder? Eine kleine Clutch? Pffff, die mag zwar nett aussehen, aber wie füllt man sie? Mit einem einsamen Taschentuch, dem Haustürschlüssel ohne dem restlichen Schlüsselbund und einem dieser kleinen Portemonnaies, die nur Scheine und kein Münzgeld aufnehmen? Wer hat die überhaupt erfunden und warum??? Ich wette, er (es muss ein ER gewesen sein, Frauen sind zu praktisch für sowas. Moment, ich korrigiere, Frauen tragen auch 12cm Absatzschuhe. Ich ziehe den Gedanken wieder zurück). Also ich wette der oder die Erfinderin haben schon beim ersten Ausgang mit dem dollen neuen Portemonnaie ohne Münzfach vor einer Parkuhr gestanden und doof aus der Wäsche geschaut. Oder vor einem hochtalentierten Straßenmusiker.

Ich habe jedoch, genau wie Frau Machwerk, ein ordentlich großes Portemonnaie. Mit Münzfach. Ich mag zwar keine Parkuhren und Politessen, aber ich liebe gute Straßenmusiker. Und ich habe regelmäßig Schnupfen. Ich habe zwar nur ein Haus, aber viele Schlüssel. Und ich habe eine Brille. Und eine Sonnenbrille. Und jede Menge anderer Dinge, die ich täglich mit mir rumtrage. Also brauche ich mindestens eine mittelgroße Tasche. Viele Unterteilungen haben sich auch sehr bewährt damit ich mit einem Griff alles finde. Und eine Verschlussmöglichkeit um unerwünschte Eingriffe zu verhindern. Wer gerne ein Taschentuch oder eine Kopfschmerztablette haben will, kann mich gerne danach fragen. Und wer mein Geld will, sollte besser wirklich gute Musik im Tausch machen. Ansonsten behalte ich es gerne bei mir. Deshalb ist ein Reißverschluss oben als Reingreif-Schutz meine liebste Variante.

Sehr hilfreich ist auch ein langer Riemen, den man im Eifer des Gefechts mit zwei Kindern an der Hand und einem Wocheneinkauf in dicken Tüten quer am Körper tragen kann. Damit sind beide Hände frei und trotzdem alles sicher vor unerwünschten Eingriffen. Kurzum: Der Taschenschnitt “Dany” erfüllt alle diese Kriterien.

Darüber hinaus habe ich im Alltag festgestellt, dass ich Ledertaschen bevorzuge. Ich mag die Haptik von weichem, echtem Leder. Ich mag wie Leder aussieht. Auch dann noch wenn es altert und Macken bekommt. Und es ist viel schmutzunempfindlicher als Stofftaschen. Also habe ich kurzerhand beschlossen, die Tasche komplett aus Leder zu nähen.

Direkt nach diesem Entschluss hat mich der Mut schon wieder verlassen, denn Leder hat auch seine Tücken. Jede Naht muss im ersten Versuch sauber genäht werden. Schaffe ich das, ohne den Schnitt vorher zu kennen? Noch dazu ein ganz neuer Schnitt, der noch in der Testphase ist?

Viele Nähmaschinen haben leider sehr mit Leder zu kämpfen. Das dicke, stoppende Material zu transportieren ist eine echte Herausforderung. Maschinen mit einem Obertransport kommen da deutlich weiter. Und an einem Nähfuss mit Gleitsohle führt im Grunde auch kein Weg vorbei.

Und während ich noch so vor mich hin grübelte, landet eine weitere Email von Frau Machwerk in meinem Postfach: “Ach so, übrigens, ich gebe nächste Woche einen Taschenkurs in Bochum. Hast Du Lust auf einen Kaffee vorbeizukommen? Ich bringe auch die Schnallen mit, die Du vielleicht brauchen kannst.”

Also habe ich Chance ergriffen um Martina nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder zu sehen und sie so ganz nebenbei zu meinem geplanten Nähvorhaben zu befragen. Währenddessen erfahre ich, dass eine Teilnehmerin wg. einem Schlüsselbeinbruchs für den kommenden Tag ausfällt und ich spontan einspringen könnte.

Gesagt, getan, Uns so habe ich meine ersten Ledertasche unter den wachsamen Augen der Ledertaschen-Queen in einem ihrer sehr beliebten Kurse genäht und die Industriemaschine der Ladeninhaberin Astrid für die schwierigen Nähte nutzen dürfen. Das war wirklich Gold wert, denn meine Bernina, so hat sich herausgestellt, kommt ab 4 Lagen dickem Leder nicht mehr mit. Und selbst die Industriemaschine vor Ort hat die finale Naht oben, an zwei entscheidenen Stellen mit ich glaube 6 Lagen Leder, nicht mehr geschafft. Nur Martinas bravem Ledertrecker daheim ist es zu verdanken, dass diese Tasche so fertiggestellt werden konnte, wie ich sie gerne haben wollte. Denn sie hat die Tasche am Ende mit nach Hause genommen und die finalen Stiche an ihrer Industrie-Ledermaschine gemacht. Mit dem Ergebnis, dass ich jetzt auch so eine dolle Maschine haben will.

Ich habe die Tasche aus recht dickem aber butterweichen Rindsleder genäht, das ich mir mal beim Lederversand Berlin gekauft habe. Innen habe ich sie mit einem meiner Lieblingsstoffe von Zen Chic aus der Serie “For You” gefüttert, gekauft im Stoffsalat (die Kollektion ist inzwischen nicht mehr erhältlich). Ich wollte eine sehr schlichte, klassische Tasche. Während ich sie zusammengenäht habe dachte ich immer wieder: “Oh nee, sie wird furchtbar langweilig aussehen!”. Man erkennt tatsächlich nicht mehr so recht, dass sie selbstgenäht ist. Mit der fertigen Tasche in der Hand muss ich aber sagen: Ich mag sie so. Sie gefällt mir. Sie ist klassisch, gleichzeitig sehr praktisch aufgeteilt und hochwertig. Und ich habe sie mir selbst gemacht auch wenn das nur ich weiß. Naja, ab jetzt wisst Ihr es auch.

Wie immer machen die Details das Design aus. Und so war klar, dass ich nur hochwertiges Leder und Zubehör verwenden werde. Die Reißverschlüsse in Metalloptik sind sehr stabil und super zu verarbeiten. Sie sehen nämlich nur aus wie Metall und sind in Wirklichkeit aus Kunststoff. Die schlichten Schieber haben dieser Tasche bei Martina den Spitznamen “Die Brax-Tasche” beschert. Auch die silbernen Bodennägel von Prym werten die Tasche auf. Die Reissverschlüsse gibt es in vielen Farben und mit unterschiedlichsten Schiebern im Machwerk-Shop.

Für die nicht so routinierten Taschennäher noch der kleine aber wertvolle Tipp: Spare niemals am Reißverschluss. So eine Tasche hält lange und die Reissverschlüsse werden hunderte Male auf und zu gemacht. Das macht ein normaler billiger Reißverschluss nicht allzu lange mit. Da er in vielen Fällen im Nachgang nicht auszutauschen ist, landet die Tasche damit in der Ecke oder im Müll. Und das wäre ein Jammer. Da kommen schon einige Arbeitsstunden und Euro Materialwert für eine solche Tasche zusammen.

Ein paar Euro am Reissverschluss einzusparen kommt einem da teuer zu stehen. Wer die Metalloptik nicht mag, dem empfehle ich die Reißverschlüsse von “by Annie”. Qualitativ sind sie gleichwertig und ebenso breit wie die aus dem Machwerk-Shop in Metalloptik.  Auch sie sind für die Nutzung an Taschen konzipiert und in vielen Farben als Meterwaren abgepackt erhältlich.

Auch wenn mein gewähltes Leder in diesem Fall eine Herausforderung war, ist es mit einer guten Maschine und nicht so dickem Leder eine machbare Aufgabe eine Ledertasche zu Hause zu nähen. Wie Ihr den Mustern von Martina und den Probenähern aber entnehmen könnt, sieht sie auch in anderen Materialien, besonders aus dickem Canvas oder Zeltplane fantastisch gut aus. Die Kombination Oilskin mit Lederakzenten will ich unbedingt auch noch versuchen.

Dann werde ich die Tasche auch inklusive der vorgesehenen Außentaschen nähen. An dieser Tasche habe ich sie weggelassen, weil ich nicht mehr genügend Leder hatte. Wie Ihr seht wirkt der Schnitt ohne die vorgesehenen Außentaschen weniger sportlich und eher klassisch.

Die Anleitung ist wie immer in bewährter Machwerk-Bild-für-Bild-Anleitungs-Qualität hier als Download erhältlich und für jeden gut zu meistern, der schon über ein klein wenig Taschennäherfahrung verfügt. Ich glaube, der “Dany” wird ein Taschenklassiker. Gerade nach dem ersten Tragen im Alltag muss ich sagen: Martina hat bei dieser Tasche wirklich an alles gedacht.

Ganz abgesehen davon, dass ich mit einer schönen Ledertasche belohnt wurde, war der Taschenkurs auch sonst eine tolle Erfahrung. Nähen in Gemeinschaft ist immer schön und lehrreich. Und ganz besonders, wenn Martina mit dabei ist. Sie hat ein unglaubliches Wissen und einen Erfahrungsschatz, den sie jederzeit bereitwillig teilt. Noch dazu geht es in diesen Kursen unerwartet handfest zu, wenn an Profimaschinen z.B. Ösen eingeschlagen werden. Das war wirklich toll.

Und so ganz nebenbei habe ich auf diesem Weg mitbekommen, dass wir eine unglaublich nette Nähschule in Bochum haben, die ich bis dahin noch gar nicht kannte.”Die kleine Nähschule” von Astrid Alberts ist unter anderem mit einer Industriemaschine ausgestattet, die alle Nahkursbesucher für Projekte dieser Art nutzen können.

Auch wenn der Aufwand etwas größer war, glaube ich, dass der Dany nicht meine letzte Ledertasche war.

Habt ein schönes Wochenende!
Barbara