Ein Lebenszeichen in Form einer Reisetasche aus Oilskin

Ihr Lieben,

es fühlt sich seltsam an nach so vielen Monaten wieder den Rechner aufzuklappen um einen Blogpost zu schreiben. Und trotzdem sehr vertraut, schließlich habe ich es schon hunderte Male gemacht. Nur eben nicht in letzter Zeit. Vor allem ist es schon ziemlich merkwürdig sich mitten in einer Blogaktion so völlig sang- und klanglos in eine Pause zu verabschieden. So geschehen im Frühjahr, mitten in der Vier-Jahreszeiten-Kissen-Aktion.

Zum Jahreswechsel hatte ich hier über mein emotional und körperlich sehr anstrengendes 2016 geschrieben und auch von meinen beruflichen Neustart erzählt. Auch wenn sich das als eine sehr gute Idee rausgestellt hat, habe ich erst nach ein paar Wochen im neuen Jahr wahrgenommen, wie leer mein Akku eigentlich war und wie dringend ich mich endlich mit voller Aufmerksamkeit um mein körperliches Wohlergehen kümmern musste. Die Erkenntnis ist ja das eine, aber wirklich und nachhaltig die täglichen Routinen so zu verändern, dass sich spürbar etwas ändert, das ist ungleich schwerer.

Und trotzdem habe ich es fertiggebracht an einem Donnerstag im Februar mich erst mental, und dann ganz handfest im Alltag, neu aufzustellen. Denn es hilft ja nichts: Irgendwann muss man an einem” heute” anfangen und nicht immer nur jeden Vorsatz auf “morgen” oder “den nächsten Montag” verschieben. Ich habe mir mehr Schlaf verordnet. Mein Blog trägt nicht umsonst diesen Namen. Ich habe all die Jahre bis in die Nacht rein genäht und habe selten mehr als 5 oder 6 Stunden geschlafen.

Ich habe mein Sportprogramm wieder aufgegriffen bzw. nach einer einjährigen Pause nochmal ganz von vorne angefangen und, der Teil ist mir am schwersten gefallen, meine Ernährung grundlegend umgestellt. Für mich war das ein mentaler Kraftakt und meine Sorge den Fokus zu verlieren hat mich von Anfang an begleitet.

Indem ich diesen Dingen nach meiner Familie und meinem Beruf die größte Priorität eingeräumt habe, war klar, dass andere Dinge, und vor allem die Zeitfresser in meinem Alltag, ab jetzt und für eine lange Zeit hinten anstehen werden. Und so habe ich monatelang nur wenig genäht und gar nicht mehr gebloggt. Lediglich auf Instagram habe ich hier und da noch etwas Genähtes gezeigt.

Nach einigen Monaten in meinem neuen, deutlich bewussteren Leben geht es mir körperlich und mental viel viel besser. Ich bin froh, dass ich so rigoros Veränderungen umgesetzt habe. Wer weiß ob ich es sonst fertig gebracht hätte einen neuen Weg einzuschlagen.

Eine spannende Erfahrung auf dem Weg war, dass auch eine richtige Nähpause (über den Sommer habe ich zum ersten Mal seit Jahren wochenlang gar nicht genäht) der eigenen Kreativität sehr zuträglich sein kann. Ich habe danach Stoffe vernäht die schon lange im Schrank lagen und die ich quasi ein zweites Mal für mich entdeckt habe.

Und auch meinen Schnittmusterbestand und meine Pinterest-Boards habe ich nach Schnitten durchsucht, die ich schon lange einmal nähen wollte aber es irgendwie nie angegangen bin. Dabei bin ich auf diesen Schnitt gestoßen, der schon ewig auf meinem Zettel stand: Der Cargo-Duffle von Noodehead. Es ist ein kostenloser Schnitt der auf der Seite von Robert Kaufman runtergeladen werden kann. Da er in den letzten Jahren schon unzählige Male in Blogspost vorgestellt wurde, habe ich bei meiner Tasche einige der Vorschläge aufgenommen die mir bei anderen gut gefallen haben.

Ich habe meine Tasche zum Beispiel 4 inch breiter genäht als im Schnittmuster angegeben. Damit passt mehr rein und die Wahrscheinlichkeit einer vollgestopften Tasche mit geknittertem Inhalt und einen ständig gespannten und damit ausriss-gefährdeten Reißverschluss minimiert sich. Theoretisch jedenfalls.

Praktisch ist es wahrscheinlich wie mit dem Auto bei jeder Urlaubsfahrt. Der Wagen ist voll. Immer. Völlig gleichgültig wie groß das Auto und die Anzahl der Urlaubstage ist. Man reduziert sich weniger je mehr Platz man zur Verfügung hat. Ich habe sicherheitshalber einen sehr stabilen Reißverschluss eingesetzt. Manchmal hilft es, wenn man sich selbst ganz gut kennt.

Für die Träger habe ich weiches Gurtband statt den im Schnittmuster empfohlenen Stoff verwendet. Ich finde, damit trägt sich die Tasche besser. Zudem knittert Gurtband nicht. Stoff hingegen schon, wenn man ihn immer an der selben Stelle zusammendrückt. Aus rein optischen Gründen habe ich das Gurtband mit einem Stoff-Schrägband eingefasst.

Und zu guter Letzt habe ich die häufigste Abwandlung des Schnittes anderer Näher umgesetzt: Ich habe der Tasche ein Futter verpasst.

Um das Schnittmuster einfach zu halten, hat der eigentliche Schnitt kein Futter und sieht demnach von innen nicht so schön aus. Die offenen Nähte werden im Original mit Schrägband eingefasst was ich dreimal mühsamer finde als ein Futter einzusetzen. Ich habe noch kurz über Innentaschen und veränderte Außentaschen nachgedacht, es dann aber gelassen. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich sie nicht nutze. Da kann ich mir die Mühe sparen.

Wer das Schnittmuster ausprobieren möchte findet den kostenlosen Download hier. Eine Anleitung, wie man der Tasche ein Futter verpasst, findet ihr hier. Und diese sowie diese Taschen zeigt weitere Änderungen, die mir gut gefallen haben, die ich bei meiner Tasche aber nicht umgesetzt habe. Hier und hier gibt es einen Sew Along mit vielen Fotos.

Da ich schon vorher Reisetaschen genäht habe, zum Beispiel die Aeroplane Bag, die bei uns oft und gerne im Einsatz ist, weiß ich, dass solche Taschen beim Beladen des Autos gerne mal davor abgestellt werden und von unten schnell dreckig werden. Das ist ärgerlich. Deshalb habe ich mich diesmal für eine hochwertige und robuste Lösung entschieden. Ich habe Oilskin verwendet. Das ist echtes Wachstuch. Kennt ihr noch die englischen Barbour-Wachsjacken? Solche Jacken werden aus Oilskin genäht. Das Material ist dünn, weich und biegsam mit einer wachsigen Oberfläche, die 100% wasserdicht und damit abwischbar ist.

Ich habe es vor Monaten in die Hände bekommen, als Elsbeth und Ich, unser herrliches Stoffgeschäft hier in Bochum, die ersten Rollen geliefert bekommen hat. Ich war sofort hin und weg. Es vernäht sich ganz wunderbar und viel einfacher als klassisches Wachstuch, dass unter der Nähmaschine stoppt und viel weniger biegsam ist.

Mittlerweile gibt es wegen großer Nachfrage bei Elsbeth und Ich eine schöne Farbauswahl und ich werde ganz sicher noch mehr daraus nähen. Ich denke da an eine Handtasche, einen Shopper oder eine (Männer-)Kosmetiktasche mit Lederakzenten. Genau die richtige Mischung aus schick, sportlich und praktisch.

Die grafischen Stoffe stammen ebenfalls von Elsbeth und Ich, genau wie der stabile Kunststoffreißverschluss in Metalloptik. Das Gurtband habe ich vor Ewigkeiten einmal in Berlin gekauft und das Futter ist wie so oft Soft and Stable von byAnnie’s. Durch das verquilten des Außenstoffs mit dem Soft and Stable erhält die Tasche ihre Form. An der Stelle wäre es allerdings sinnvoll gewesen den Standart-Rat zu befolgen und erstmal das komplette Schnittmuster zu lesen. Dann wäre mir nämlich aufgefallen, dass hier, anders als bei Annies Schnitten, nicht alle Teile vorab gequiltet werden.

Ich bin sicher, dass die Tasche bei uns viel Verwendung finden wird. Die Größe ist für einen Übernachtungsbesuch oder einen Wochenendtrip genau richtig.

Die Stoffe, der Reißverschluss und das Oilskin/gewachste Baumwolle waren ein Geschenk von Elsbeth und Ich. Vielen lieben Dank dafür! Das Material hat es mir wirklich angetan.

Viele Grüße und auf bald! Jetzt, wo ich wieder in meine kleine Ecke des Internets gefunden habe, hoffe ich auf ein baldiges Wiedersehen. Wahrscheinlich weiterhin unregelmäßig, aber ich bin wieder zurück in der Bloggerwelt. Soviel ist sicher. Und das Herbstkissen, das nun schon eine ganze Weile meinen Leseplatz schmückt, müsst Ihr einfach gesehen haben.

Danke für Eure Treue und Geduld mit mir in den letzten Monaten.

Habt einen schönen Feiertag!
Barbara

13 thoughts on “Ein Lebenszeichen in Form einer Reisetasche aus Oilskin

  1. 1
    Christine says:

    Hallo liebe Barbara,
    Wie schön, wieder von Dir zu hören bzw. zu lesen! Ja, manchmal muss man sich neu sortieren, weil man an seine Grenzen-ob seelisch oder körperlich, oder beides- kommt. Trotzdem habe ich die vielen tollen Tipps und Dein wunderbares Talent, Stoffe zu kombinieren vermisst! Sei ganz sicher, wir freuen uns auf jedes Wiedersehen!
    Ganz liebe Grüße
    Christine

  2. 2
    Severine says:

    Hallo Barbara,
    schön wieder von Dir zu hören. Der Cargo-Duffle steht schon lange auf meiner to-do Liste, mal schaun, wann sie realisiert wird.
    Ich freu mich schon auf Dein Herbstkissen.
    Liebe Grüsse
    Severine

  3. 3
    eSTe says:

    Hallo Barbara,
    es freut mich sehr wieder von dir zu hören, und ich freu mich für dich, dass du so konsequent dran gearbeitet hast was für dein Wohlfühlen zu tun. Dein Beitrag ist sehr lesenswert, was für eine tolle Tasche! Und deine Tipps dazu sind gold wert.
    LG eSTe

  4. 4
    Birgit says:

    Liebe Barbara,
    wie schön, dass du wieder da bist bzw. hier wieder schreibst.Dein Blog hat mich von Anfang an inspiriert und mich veranlasst, das Nähen zu lernen. Ich freue mich so sehr, wieder neue tolle Ideen von dir zu finden. Du bist die Beste!
    Viele liebe Grüße
    Birgit

  5. 5
    Nicole Wortmann says:

    Liebe Barbara,

    egal wieviel Freude wir aus unserer Liebe zum Nähen ziehen, am wichtigsten ist es Immer, sich selbst am allermeisten zu lieben und ganz bei sich zu bleiben.

    Ich wünsche dir daher ganz viel Kraft und Stärke um deinen Weg konsequent weitergehen zu können.

    Herzliche Grüße aus Havixbeck
    Nicole

  6. 6
    Melanie says:

    Willlkommen zurück und viel Erfolg in der zweiten Phase. Ich hoffe Du findest einen für Dich geeigneten Weg, die Dinge aus Phase I mit dem Nähen und Bloggen zu verbinden.

    Sehr schöner Duffel Bag und inspirierender Blog Post.

  7. 7
    stranvesia says:

    Immer wenn ich die H….str. fahre denk ich an d-m-i-n.
    Freu mich, wenn alles gut ist und auch für Inspirationen.
    Lieb gegrüßt

  8. 8
    Andrea says:

    Hallo Barbara,
    es freut mich sehr, dass es dir besser geht! Und schön, wieder von dir zu hören bzw. zu lesen! Das Schnittmuster von Noodlehead habe ich auch entdeckt; mit deinen hilfreichen Links werde ich es vielleicht tatsächlich mal nähen.
    Viele Grüße
    Andrea

  9. 9
    griselda says:

    Durch deine parallele Absteppung bekommt das nochmal eine ganz andere Qualität, sowohl optisch als auch haptisch. Toll gemacht, auch die Idee mit den eingefassten Trägern mag ich ausgesprochen gern.
    Und du bist so eine begabte Näherin, willkommen zurück in Bloggersdorf!

  10. 10

    Eine schöne Tasche und ein lesenswerter und ermutigender Text.
    Danke für’s Posten!
    Viele Grüße
    Hummelbrummel

  11. 11
    Veronika says:

    Schön, dass es dir besser geht. Du siehst auch sehr gut aus. Ich freue mich für dich.

  12. 12
    Judith says:

    Hallo zurück.

    Schön, dass du nun erholt und gut eingerichtet wieder zurück bist. Ich freue mich immer über deine Impressionen und Eindrücke und Stoffkombinationen und sehr oft ruft das Projekt “Hallo, kennste mich noch? Ich bin das Schnittmuster, was auch auf deinem Zuschneidetisch/ dem Regal auf Verarbeitung wartet…”
    Nun ja, hier ist das Augemerk noch ein Weilchen aufs Farbenspiel gelegt, danach kümmere ich um meine wirklichen Notfälle, wie etwa um diese Tasche, die ich immer wieder anfangen will, aber weil wieder was ist, zur Seite schiebe.

    Danke fürs Erinnern und auf Bald

    Judith

  13. 13
    Vanessa says:

    Hallo Barbara! Was für eine wunderbare Tasche! Ein echtes Schmuckstück. Mit Oilcloth liebäugele ich auch schon seit eingier Zeit, nachdem ich Noodleheads tollen Rucksack gesehen hatte. Gut zu wissen, dass es sich einfach nähen lässt. Und schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Die Auszeit kann ich gut nachvollziehen. Ich gehe momentan auch ganz schön auf dem Zahnfleisch und warte darauf, dass ich mal einen Gang zurückschalten kann.
    Liebe Grüße
    Vanessa

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