Projekttaschen nähen – Ein Tutorial

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Seit letzter Woche ist der erste Teil meiner Nähzimmer-Tour auf YouTube online und die meist gestellte Frage seitdem ist: Wie näht man diese Projekttaschen, in denen Du die noch nicht fertig gestellten Näh- und Quiltprojekte verwahrst? Deshalb folgt heute eine Anleitung dazu.

Vorab: Diese Taschen sind ein sehr dankbares Projekt. Nicht nur, weil man sie in absolut jeder Größe und damit auch gut aus Resten nähen kann, sondern auch, weil sie ein wunderbares Projekt sind, um ans Quilten heranzuführen. Ich habe verschiedenste Größen genäht und habe mir angewöhnt, auf der Rückseite immer neue Quiltmuster auszuprobieren. Meist sind, jedenfalls bei mir, die ersten Versuche etwas holprig und so teste ich auf einem Sandwich aus 2 Stoffen und Soft & Stable in der Mitte für mich neue Muster, bevor ich sie an einem fertigen Quilt anwende oder wieder verwerfe weil: nicht mein Ding. Ist ja auch eine wichtige Erkenntnis.

Wenn das Ergebnis  an der Projekttasche nicht perfekt ist- egal! Und wenn mir das Muster am Ende doch nicht so gut gefällt oder für einen ganzen Quilt einfach zu mühsam ist, bin ich jedes Mal froh, dass ich es nur auf diesem Probestück probiert habe. Und gleichzeitig ist das Probestück nicht gänzlich sinnlos und das Material vertan. Es erfüllt danach noch einen wunderbaren Zweck.

Ich habe mir angewöhnt auch einsame Quiltblöcke so weiterzuverwenden. Denn auch das gibt es bei mir: Probeblöcke, die nie zu einem Quilt oder Kissen werden. Auch sie haben damit endlich einen Nutzen und vergammeln nicht in der UFO-Schublade.

Für alle Quiltneulinge ist es zudem eine tolle Gelegenheit das Binding, also das Einfassen des Quilts, an einem kleinen Projekt zu üben. Die Methode, die ich anwende, ist identisch mit dem Binding an einem Quilt. Meine bevorzugten Methoden zeige ich Dir in einem separaten Post, damit dieser nicht völlig ausartet.

Projekttaschen haben üblicherweise ein Sichtfenster vorne, aus Vinyl oder Mesh, damit man von außen erkennt, welches Projekt sich darin befindet. Genauso gut eigenen sich die kleineren Größen aber auch zur Aufbewahrung oder Reisegröße für (Näh-) Zubehör oder (Kinder-) Bastelsachen.

Ich nutze sie, um Teile angefangener Projekte zusammenzuhalten schon zugeschnittene Stücke, den bereits rausgesuchten Reißverschluss oder das Garn aber auch die Anleitung an einem Ort zu lagern. So muss ich nichts suchen, wenn es später weitergeht. Besonders praktisch ist das für alle, die keine Nähecke haben und regelmäßig alles wieder verräumen müssen, weil der Esstisch wieder anderweitig gebraucht wird. Mir helfen diese Taschen dabei, mein Nähzimmer ordentlich zu halten.

Ich finde es praktisch, wenn sie sich aufhängen lassen, zum Beispiel an einer Türleiste. Deshalb haben meine Taschen immer Schlaufen. Auch dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das zeige ich Dir weiter unten bzw. im Post zum Binding.

Also, los geht’s! Du benötigst:

2-3 Stoffe, für eine große Tasche ungefähr die Größe von 3 Fat Quartern.
Einen Taschenreißverschluss (sie sind stabiler und Du benötigst keinen separaten Nähfuss)
Mesh oder Vinyl
Soft & Stable für die Rückseite

passendes Nähgarn
Sprühkleber
ggf. Stylefix

Du kannst aus der aktuellen Juni-Box mindestens 2 Projekttaschen in verschiedenen Größen nähen. Die 6 Fat Quarter der Box lassen sich toll untereinander kombinieren und ebenfalls enthalten ist Mesh sowie drei Taschenreißverschlüsse. Ergänzend benötigst Du nur Soft & Stable, ggf. Vinyl wenn Du das lieber benutzen willst und, falls Du das nicht schon zu Hause hast, Sprühkleber und Stylefix. Beides muss nicht sein, macht Dir aber das Nähen leichter.

Zuschnitt für eine Projekttasche

Los geht es mit dem Zuschnitt von Soft & Stable und zwei Stoffstücken für die Innen- und hintere Außenseite. Dabei musst Du nicht super-genau vorgehen, denn nach dem nun folgenden Quilten wird das Stück eh noch einmal Korrektur geschnitten.

Zuschnitt der drei Teile jeweils ca. 40 x 40 cm (Du kannst Dich aber auch einfach daran orientieren, welche Größe Du gebrauchen kannst, wie groß die Blöcke des geplanten Quiltprojekts konzipiert sind, für welches Format die ausgewählten Stoffe noch reichen oder wie groß Deine Schublade ist. Es spielt keine Rolle. Achte nur darauf, dass Dein Reißverschluss etwas breiter ist als Dein Projekt)

4 Streifen bei voller Länge des Fat Quarters (55 cm), je 5cm breit (damit fasst Du den Reißverschluss ein sowie das Mesh oder Vinyl links und rechts des Sichtfensters)

1 Stoffstreifen 10 x 55 cm (für den Bodenabschluss)

1 Stoffstreifen 12 x 6,5  für die Schlaufe (wenn Du sie hinten anbringen möchtest)

3 Streifen fürs Binding, je 6,5 cm x 55 cm. Diese Streifen werden in einem späteren Schritt zusammengesetzt.

Mesh oder Vinyl: ca. 24 x 34 cm

Mit Hilfe von Sprühleber werden nun die Stoffstücke vorne und hinten mit dem Soft & Stable verbunden.

Jetzt geht es ans Quilten. Falls Du das noch nie gemacht hast, findest Du hier gute Tipps, wie Du ein Muster aufzeichnest und nachnähst. All diejenigen die bereits öfter gequiltet haben, möchte ich herausfordern, ebenfalls ein neues Muster zum ersten Mal zu probieren. Das ist die perfekte Gelegenheit!

Für mich war es das erste Mal mit diesen beiden Mustern. Wie Du siehst noch etwas wackelig – aber wir haben es ja zum Übungsstück erklärt! Das darf also so aussehen.

Anschließend zur Seite gelegt. Die nicht so schönen Kanten, die durch das Quilten entstehen, werden später abgeschnitten, wenn die Vorder- auf die Rückseite gesetzt wird.

Weiter geht es mit dem Reißverschluss. Je ein Stoffstreifen (5 cm Breit) wird nun auf beiden Seiten angenäht. Es ist praktisch, wenn der Reißverschluss etwas länger ist als das Projekt. Dann musst Du hier nicht so genau ansetzen. Der Überstand wird eh am Ende abgeschnitten und Du kannst Dir den Schieber immer aus dem Weg halten.

Die Streifen am Reißverschluss festpinnen oder knipsen oder wie hier, mit Stylefix fixieren.

Taschenreißverschlüsse sind nicht nur stabiler, sondern auch breiter und können einfach füsschenbreit und ohne einen gesonderten Nähfuss angenäht werden.

Wenn Du das Stylefix ganz am Rand klebst und dann füsschenbreit nähst, wirst Du nicht über den Klebestreifen nähen und Du kannst eine ganz normale Nähnadel nutzen, die so nicht verklebt.

Ich bringe immer gleich beide Seiten in einem Rutsch an und bügle anschließend beide Seiten vom Reißverschluss weg.

Den Reißverschluss recht breit abzusteppen, damit der Reißverschluss auf der Innenseite später glatt liegt. Dafür kannst Du einfach Deinen Nähfuss entlang der Zähnchen führen.

Nun wird das Mesh oder Vinyl zugeschnitten.

Für das Nähen mit Mesh habe ich die folgenden Tipps:

  •   Wenn möglich Mesh beim Nähen nach oben legen und den Stoff nach unten
  •   Das Material ist dehnbar. Versuche beim Zuschneiden und Nähen nicht am Material zu ziehen
  •   Nicht mit dem Bügeleisen in Kontakt bringen. Du kannst das Material einfach mit dem Fingernagel oder einem Stiletto umlegen.

Für Vinyl gelten die folgenden Regeln:

  • Am besten das beiliegende Papier beim Zuschnitt unterlegen, damit Du das Vinyl auch durch das Lineal erkennen kannst.
  • Das Material stoppt, ähnlich wie Wachstuch. Das kannst Du verhindern, indem Du das Papier, alternativ Backpapier, unterlegst und später ausreißt. Ein spezieller Teflon-Nähfuss kann auch helfen, alternativ Washi-Tape unter Deinem Nähfuss um das Stoppen auf dem Metall zu verhindern
  • Vinyl nicht bügeln!
  • Die Stichlänge auf mindestens 3 erhöhen, damit das Material durch die kleinen Stiche nicht ausreißt.

Nun das Mesh oder Vinyl an den beiden kurzen Seiten mit einem 5cm Stoffstreifen rechts auf rechts aufeinander nähen.

Danach mit dem Fingernagel oder einem Stiletto die Nahtzugaben umlegen und absteppen. Alle Überstände abschneiden.

Nun den etwas breiteren Stoffstreifen unten in selber Weise ansetzen und die Nahtzugabe festnähen.

Anschließend die Einheit mit dem Reißverschluss ansetzen. Im Grunde ist es egal, in welcher Richtung der Reißverschluss sitzt. Ich platziere ihn immer im geschlossenen Zustand auf die linke Seite.

Jetzt legst Du das fertige Vorderteil auf das bereits gequiltete Teil, das jetzt zur Rückseite wird.  Die Rückseite wird jetzt größer sein. Lege die beiden Teile gerade aufeinander, stecke sie mit ein paar Nadeln fest und schneide den Überstand ringsherum ab. Achte nur darauf, dass sich mit Deiner Korrektur das “Sichtfenster” nicht verzieht, indem Du auf einer Seite mehr wegnimmst, als auf der anderen.

Anschließend rings herum einmal absteppen. Achte dabei darauf, dass sich der Schieber des Reißverschlusses innerhalb des Taschenbereichs befindet. Öffne am besten die Tasche ein Stück und stecke mit einer Nadel die geöffnete Seite des Reißverschlusses fest.

Wer eine Overlock hat, kann die Maschine dafür nutzen. Ansonsten zur Vorbereitung des Bindings rundherum einmal mit einem Zick-Zack-Stich versäubern. Damit ist das Material am Rand flacher und es kann kein Stoff heimlich umklappen. Dieser Schritt macht Dir das Binding einfacher.

Deine Tasche ist nun, bis auf das Binding und die Schlaufe, fertig.

Wenn Deine Projekttasche eine Schlaufe angebracht werden soll, bringst Du sie jetzt an, indem Du die Mitte der Tasche oben mit einer Nadel markierst. einen Stoffstreifen 2x einschlagen und die Schlaufe wie im Foto gezeigt anlegen und feststecken. Mit ein paar Stichen fixieren. Die Enden werden im nächsten Schritt mit dem Bindung mit eingefasst.

Alternativ kannst Du auch eine Schlaufe aus den Binding nähen, indem Du an einer Ecke beginnst und das Binding verlängerst.

Für das Binding gibt es verschiedene Methoden. In einem separaten Blogpost zeige ich Dir meine Favoriten.

Viele Grüße

Barbara

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Anzeigen von 2 Kommentaren
  • JanaA

    Vielen Dank liebe Barbara fuer das Tutorial, ich hätte die Projekttasche auch ohne genäht, aber mit einem Tutorial ist es einfacher, da kann mann gleich mit zuschneiden und nähen beginnen, muss mann nicht so viel ueberlegen(an manchen Tagen tut das ueberlegen so weh……:-)

  • Sigrid Reinert

    Hallo Barbara
    Danke für den tollen Hinweis, die Rückseite als Quiltübung zu nutzen. So naheliegend, aber man kommt selbst nicht auf so eine Idee – zumindest ich nicht 😉. Bislang sind mir Stoffe und Vlies immer zu schade, sie „nur“ zum üben zu verarbeiten, aber so kann Frau alles ökonomisch verwerten。Bis Dienstag, bin sehr auf das Projekt gespannt….LG

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